Friseurtrends: Die Rückkehr der Barbershops

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Friseurtrends: Die Rückkehr der Barbershops

von Thorsten Firlus

Haariges Handwerk: Barbershops zelebrieren fast vergessene Techniken für Bart und Kopfhaar. In den Nostalgiesalons darf Mann noch Mann sein.

Der Bart bleibt dran, und das macht Mühe, Abschneiden kann ja jeder. Ahmed Al Musawi tänzelt mit seiner Schere dicht vor dem prachtvollen, rotflammigen Bart seines Kunden. Zielsicher erwischt er die Haare, die er kürzen will. Sein williges Opfer legt den Kopf vertrauensvoll in den Nacken, als Al Musawi das Rasiermesser am Hals anlegt.

Mit präzisen Bewegungen schneidet er eine Kante zwischen Barthaar und Adamsapfel. Langsam richtet sich der Kunde auf, nickt wohlwollend und blickt zufrieden in sein Spiegelbild. Wie ein getrimmter Buchsbaum ein Grundstück markiert, flankiert der Bart nun das Antlitz seines Trägers. Ein Prachtstück, das zugleich das Image seines Eigners prägen soll.

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Vor einigen Monaten eröffnete Al Musawi in Düsseldorf den Captain’s Barbershop – und liegt damit voll im Trend. Die Zahl der Friseure ist in Deutschland im vergangenen Jahr mit etwa 80.000 Salons konstant geblieben. Doch fast wöchentlich eröffnet momentan ein Barbershop in jeder besseren deutschen Großstadt. Wie viele es genau sind, weiß der Zentralverband des Friseurhandwerks nicht. Der Grund ist bürokratischer Natur: Bereits vor 15 Jahren habe man aufgehört, Herrensalons als eigenständige Betriebe statistisch zu erfassen – bislang sei die Zahl noch zu klein. Aber das könnte sich in ein paar Jahren ändern. Denn die Barbershops verkaufen mehr als einen guten Haarschnitt und eine Rasur. Sie sind Orte der Sehnsucht von Männern, denen in Zeiten der Metrosexualität die letzten Reservate abhanden kommen, in denen sie Mann sein können.

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Die Rasur dient längst nicht mehr bloßer Hygiene, sondern ist gleichzeitig Pflege des Persönlichkeit. Der Bart ist seit einigen Jahren Accessoire wie modische Aussage. Auch wenn sich der Schnauzbartträger weiterhin Spott anhören muss: Der Vollbart ist gesellschaftlich vollkommen akzeptiert.

Schon lange gilt ein Bart in vielen Kulturen traditionell als Signal der Männlichkeit. Gleichzeitig steckte dahinter immer auch eine politische Aussage. Auffallend viele Männer aus dem politisch linken Spektrum trugen ihn in den Siebzigerjahren, um ihre Ablehnung bürgerlicher Konventionen zu verdeutlichen.

An der Spitze der Bewegung stehen heute die Anhänger der Rockabilly-Kultur. Doch dazu gesellen sich nun modisch orientierte Mächtige, auch auf deutschen Chefetagen. Henkel-CEO Kasper Rorsted hat sich ebenso für die dichte Gesichtsbehaarung entschieden wie Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner oder der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. In Mode ist der Bart außerdem bei jenen Menschen, die sich in Verbindung mit Wollmütze, Gesichtsschmuck und dicken Hornbrillen äußerlich und intellektuell vom Mainstream distanzieren wollen. Alle echten und vermeintlichen Hipster haben seit einiger Zeit Anlaufstellen, in denen sie ihre Haare wieder korrekt ausrichten lassen können. Offenbar ist die Zahl der Bartträger groß genug, um der Friseurbranche eine kleine Erfolgsstory zu bescheren.

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