Führungs-Spitzen: Am falschen Ende gespart

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Nun ist es amtlich: Die Gesamtvergütung aller Mitarbeiter in staatlich gestützten Finanzinstituten wird künftig bei 500.000 Euro gedeckelt. Was kommt als nächstes? Deckel auf die Gehälter der Chefs von Opel oder Porsche, weil auch die es wagten, nach Staatshilfe zu fragen? Dabei sind begrenzte Gehälter ungefähr so problemlösungsorientiert wie Gummiband gegen Kontinentaldrift.

Bei Schalke verdient der spanische Stürmer Raúl Gonzalez Blanco zwölf Millionen Euro im Jahr, trifft aber nicht und lässt den Club aussehen wie einen Abstiegskandidaten. Dieses Problem könnte ganz einfach gelöst werden, indem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Gehälter in den Fußball-Clubs bei 500.000 Euro deckelt. Dann werden bei Sorgenkindern wie Schalke die Verlierer nicht noch übermäßig belohnt und der DFB muss nicht mehr über solche Themen nachdenken.

Totaler Schwachsinn? Ja, genau. Der Fußball ist jedoch ein gutes Beispiel, um zu demonstrieren, warum die Deckelung von Bankiersgehältern nicht etwa Probleme löst, sondern stattdessen nur neue schafft.

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Mal ganz abgesehen davon, dass der Staat mit dem Restrukturierungsgesetz für Banken in die Vertragsfreiheit der Unternehmen eingreift, wo soll die amtliche Einmischung eigentlich enden? Wird jetzt nun jedes Mal, wenn eine Branche nach dem Staat fragt, eine gesetzliche Regelung für die Vergütung der Beteiligten fällig? Opel war schlecht gemanagt, geriet in der Finanzkrise in Schieflage und prompt jammerte Rüsselsheim nach Staatsknete.

Gehaltsgrenzen bei Porsche?

Liebe Politiker, was darf da denn jetzt noch verdient werden? Oder bei Porsche - die Stuttgarter wollten ja auch staatliche Unterstützung, als die Übernahme von Volkswagen in die Hosen ging. Im Mai 2009 lagen dem Wirtschaftsministerium Anträge auf Bundesbürgschaften im Umfang von mehr als sechs Milliarden Euro vor. Werden in diesen Unternehmen jetzt auch die Gehälter begrenzt?

Begabte Leute haben ihren Preis, wie im Fußball. Und ähnlich wie die Ballartisten können wirklich gute Führungskräfte auch fast überall auf der Welt spielen. Die Wirtschaft ist heute bekanntlich global, die Menschen bewegen sich und gehen dahin, wo die interessantesten Arbeitgeber die besten Konditionen bieten. Das hört nicht auf, nur weil man einer Branche oder einem Verein die Mittel verweigert, am Wettbewerb um die besten Spieler teilzunehmen. Künstliche Wettbewerbsnachteile aufzubauen, führt nur dazu, dass garantiert die gewinnen, die nicht mit solchen Auflagen umgehen müssen.

Die besten Manager sind nötig

In der Regel sind ja nicht die Luschen gut bezahlt, sondern die Leistungsträger. Erlaubt man nun den angeschlagenen Instituten nicht, erstklassige Manager wettbewerbsfähig zu bezahlen, sinkt auch die Aussicht, dass diese Banken sich ausreichend berappeln, um die Staatsgelder zurückzahlen zu können. Hier wird am falschen Ende gespart. Das gilt übrigens auch, wenn diese Deckelung nun zu Klagen führen sollte, mit der langjährige Mitarbeiter die Einhaltung ihrer Verträge durchsetzen.

Seien wir doch ehrlich: Landesbanken, HRE und andere Wackelkandidaten der Finanzwirtschaft haben jetzt schon Probleme, erstklassige Führungskräfte aufzutreiben. Die wirklich guten Leute gehen nicht gerne auf Posten in ausgebombten Unternehmen. Nach einer Aufstellung des Bankenrettungsfonds Soffin arbeiten bei den vier staatlich gestützten Instituten auch nur knapp 70 Angestellte, die mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen - die meisten jedoch im Ausland.

Wir reden hier also nicht über ein galoppierendes Problem oder hunderte von Abzockern. Vielmehr sieht es so aus, als reagierten populistische Politiker auf eine Debatte über böse Banker. Dieses Gesetz dient nicht den Kapitalgebern der gestützten Banken – also nicht den Steuerzahlern. Die brauchen nämlich die besten Manager, die für Geld zu kriegen sind, damit die gestützten Banken die Milliarden in die Staatskasse zurückzahlen können.

Die „Lex Stammtisch“ soll stattdessen das Image der Politiker aufpolieren, die jetzt mal so richtig auf die Moraltube gedrückt haben. Wenn das mal kein Eigentor wird!

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