Führungs-Spitzen: Reden mit den Leuten

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

Dem Vorstandsvorsitzenden des Glasfabrikanten Gerresheimer gelang, wovon Werner Wenning bei Bayer und Wolfgang Mayrhuber bei Lufthansa nur träumen: Axel Herberg wurde nach zehn Jahren an der operativen Spitze des Unternehmens zum Aufsichtsrat bestellt. Doch es folgte kein Aufschrei, denn er handelt im Rahmen des Corporate Governance Kodex. Wie das geht? Wählen lassen!

Ein letztes Erbe der großen Koalition ist ein Satz im deutschen Corporate Governance Kodex, der bei den Konzernchefs widersprüchliche Gefühle auslöst: Die Rede ist vom 2009 geschaffenen Absatz 5.4.4.: „Vorstandsmitglieder dürfen vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Ende ihrer Bestellung nicht Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft werden, es sei denn ihre Wahl erfolgt auf Vorschlag von Aktionären, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft halten. Im letzteren Fall sollte der Wechsel in den Aufsichtsratsvorsitz eine der Hauptversammlung zu begründende Ausnahme sein.“Das bedeutet im Klartext, dass sich die Chefs erst zwei Jahren nach dem Ende ihrer Vorstandsjahre im Aufsichtsrat ihres Unternehmens niederlassen dürfen. Der Hintergrund des Paragraphen ist klar: Die Kommission will verhindern, dass scheidende Vorstandsvorsitzende ihre eigene Unternehmensstrategie und Personalpolitik über Jahre hinweg zementieren und anderslautende Ideen ihrer Nachfolger vom Aufsichtsrat aus sabotieren. 

Wählen lassen!

Ein amtierender CEO hat in der Regel kein Problem mit der Regel - bedeutet sie doch auch, dass ihnen der eigene Vorgänger nicht in die Suppe spucken kann. Je näher jedoch das Ende einer Amtszeit heranrückt, desto überflüssiger finden Topmanager diesen Passus im Kodex. Die bereits abgetretenen ehemaligen Lenker von Lufthansa und Bayer und der bald scheidende BASF-Chef Jürgen Hambrecht scheinen die neue Vorschrift eher zähneknirschend hinzunehmen, wie ihre Äußerungen in den Medien belegen. Doch sie alle hätten die Möglichkeit, die Regel zu umgehen. Der Kodex sieht einen direkten Wechsel in den Aufsichtsrat nämlich sehr wohl vor, wenn 25 Prozent der Kapitalgeber das gerne so hätten. Axel Herberg bei Gerresheimer hat es vorgemacht. Er schied nach erfolgreicher Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender auf eigenen Wunsch aus. Auf der Hauptversammlung am 29. April wurde er mit 90 Prozent der Stimmen ins Kontrollorgan gewählt. In den Dax-Konzernen hat noch keiner versucht, diese Hürde zu nehmen, um seine Erfahrung weiter in den Dienst des Unternehmen zu stellen. Das ist ein wenig seltsam, denn oftmals hätten die Kapitalgeber durchaus ein Interesse daran, einen erfolgreichen Unternehmenskapitän wie Hambrecht oder Wenning noch ein wenig länger an Bord zu halten. Es scheint so, als wolle keiner den Anfang machen, vermutlich aus Angst vor der Presse und dem Vorwurf der Machtbesessenheit. Auch mag der persönliche Stolz eine Rolle spielen und die Furcht, bei der Aktionärsabstimmung kein Bombenresultat zu erzielen. So gesehen ist der Kodex tatsächlich der sinnvolle Lackmustest für einen künftigen Aufsichtsrat: Welcher Vorstandsvorsitzende ist so demokratisch und kommunikationsstark gesinnt, vor dem Ablauf der operativen Amtszeit das Gespräch mit den Großaktionären zu suchen und zu eruieren, ob ein Verbleiben im Kontrollorgan gewünscht ist? Man darf gespannt sein – und sicher in der Überzeugung, dass ein Mensch, der entsprechend gut mit den Kapitalgebern klar kommt, auch ein ordentlicher Aufsichtsrat wird. 

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