Generation Y: Angepasste Duckmäuser oder stille Revoluzzer

Generation Y: Angepasste Duckmäuser oder stille Revoluzzer

In den vergangenen Monaten sind mehrere Bücher über die 15- bis 30-Jährigen erschienen. Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat die sogenannte Generation Y nun näher betrachtet. Sein Ergebnis: Die jungen Menschen seien „heimliche Revolutionäre“.

Wer sind die 15- bis 30-Jährigen, was treibt sie an, welche Werte haben sie? Über die sogenannte Generation Y ist in den vergangenen Monaten viel geschrieben worden. Auch der Jugendforscher Klaus Hurrelmann versucht, sich ein Bild dieser Altersgruppe zu machen. „Die heimlichen Revolutionäre. Wie die Generation Y unsere Welt verändert“, heißt das Buch, dass der emeritierte 70-jährige Soziologe zusammen mit dem 1979 in Aachen geborenen Journalisten Erik Albrecht verfasst hat. Suchen, selbstbezogen handeln und sich anpassen: Das sind die wesentlichen Charakteristika, die die beiden Autoren herausgearbeitet haben.

Jugendliche passen sich der Situation an

Für Hurrelmann und Albrecht sind die jungen Menschen Persönlichkeiten, die infolge der wirtschaftlichen und ökologischen Krisen gelernt haben, ihre Lebensplanung immer wieder anzupassen. Der Beinahe-Kollaps des Weltfinanzsystems nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 oder der Atomunfall von Fukushima 2011 gelten als prägende Ereignisse. Die Grundhaltung der Generation sei in erster Linie pragmatisch und sondierend.

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Jugendforscher Hurrelmann hat ein Buch über die Generation Y geschrieben - Für ihn sind die 15- bis 30-Jährigen «heimliche Revolutionäre». Quelle: dpa

Jugendforscher Hurrelmann hat ein Buch über die Generation Y geschrieben - Für ihn sind die 15- bis 30-Jährigen «heimliche Revolutionäre».

Bild: dpa

Mit guten Noten, hochwertigen Uni-Abschlüssen und neuen Modellen für Beruf und Familie versuche sich die Generation gegen eine unsichere Zukunft zu wappnen. Flexibilität und Selbstbestimmung statt starre Regeln - das sei ein Credo dieser Generation, für die Freizeit und Selbstverwirklichung oft wichtiger seien als Karriere und Geld.

Wenn der Job Spaß macht, sind auch Überstunden drin

Wenn ihnen die Arbeit Spaß macht - dann scheuen sie allerdings auch keine Überstunden und checken E-Mails von Zuhause aus. Diese Generation will beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten, wie der Jugendforscher schreibt. Dazu gehörten auch die Forderungen nach Auszeiten. Und in Beziehungen werde eher kurz- und mittelfristig geplant. Die Generation Y denke das Scheitern einer Liebe heute oft mit, heißt es im Buch.

„Damit setzen sie neue Maßstäbe und krempeln klammheimlich die Gesellschaft um“, sagte Hurrelmann der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Warum aber Revolutionäre, wenn sie eher leise statt lautstark die Strukturen aufweichen? Er habe provozieren und gleichzeitig auf die 68er anspielen wollen, erklärte Hurrelmann. Junge Menschen würden immer wieder an den Revoluzzern von 1968 gemessen, dabei habe sich der Kontext völlig verändert. „Im Zeitalter des Internets und der Technisierung folgt eine Revolution heute ganz anderen Spielregeln“, sagte Hurrelmann.

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Die Verfasser stützen sich auf zahlreiche Untersuchungen, darunter auch auf mehrere Shell-Jugendstudien, sowie Interviews mit Vertretern dieser Generation. Das Ergebnis wurde in einen gut lesbaren Text gegossen. Hurrelmann hat einige der Shell-Jugendstudien geleitet. Das Buch konzentriert sich auf die Gruppe der 15- bis 30-Jährigen, andere Veröffentlichungen zählen noch die Jahrgänge von 1980 bis 1984 zu den sogenannten Ypsilonern. Die Jahrgänge vor ihnen tragen das Etikett Generation X, Babyboomer und 68er-Generation.

Auch der Journalist Oliver Jeges beschäftigt sich in seinem Buch „Generation Maybe: Die Signatur einer Epoche“ mit dieser Generation. Der 1982 in Wien geborene Autor beschreibt die Ypsiloner als Vielleicht-Sager, Zögerer, Zauderer und eine Gruppe ohne Eigenschaften.

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