_

Generationenkonflikt: Heikle Mischung am Arbeitsplatz

von Daniel Rettig

Bis zu vier Generationen treffen derzeit am Arbeitsplatz aufeinander. Wie gehen Unternehmen mit deren unterschiedlichen Werten um?

Wohin steuert das Boot? Bis zu vier Generationen treffen derzeit am Arbeitsplatz aufeinander Quelle: Illustration: Birgit Lang
Wohin steuert das Boot? Bis zu vier Generationen treffen derzeit am Arbeitsplatz aufeinander Quelle: Illustration: Birgit Lang

Der US-Managementguru Peter Drucker wurde einmal gefragt, welche Herausforderung für amerikanische Führungskräfte in Zukunft die schwierigste sein würde: "Wie sie den Laden führen, wenn die Leute erst mit 75 in Rente gehen", sagte Drucker. Auch wenn dieses Szenario in Deutschland noch in weiter Ferne ist – Auftragseinbrüche, Kurzarbeit oder gar Entlassungen erfordern derzeit auch von vielen deutschen Managern, die Konzentration auf kurzfristige Probleme zu lenken. Aber die demografische Entwicklung wird langfristig eine Aufgabe stellen, die bislang für viele Unternehmen in dieser Form noch nicht auftrat: Die Zusammenarbeit zwischen Menschen zu organisieren, deren Altersspanne bei mehr als 50 Jahren liegt.

Anzeige

Zum ersten Mal, seit Soziologen den Generationen Namen verleihen, treffen sich Tag für Tag Mitglieder von vier verschiedenen Jahrgängen in Büros und Besprechungen: Veteranen (1928 bis 1945), Babyboomer (1946 bis 1964), Generation X (1965 bis 1978) und Generation Y (1979 bis 2000). Eine Befragung des Personaldienstleisters Kelly Services von mehr als 100.000 Angestellten in 34 Ländern ergab: Ein Drittel hat bereits generationenbedingte Konflikte am Arbeitsplatz erlebt. Und je größer der Altersabstand ist, desto stärker die unterschiedlichen Horizonte, die Grund für Missverständnisse und gelegentlichen Frust sind.

Völlig verschiedene Vorstellung von Arbeitszeit und Führung

"Es gibt keinen Job, in dem wir nur Menschen vorfinden, die wir mögen", beschwichtigt zwar Autor und Psychologe Volker Kitz, der zusammen mit Manuel Tusch "Das Frustjobkillerbuch" veröffentlichte.

In großen oder traditionsreichen Unternehmen aber spielt der Altersunterschied eine große Rolle. In den USA diskutieren daher Unternehmen und Wissenschaft die Generationenfrage. Der amerikanische Büroeinrichter Steelcase hat in diesem Jahr gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Ipsos mehr als 2400 Arbeitnehmer europaweit nach ihren Arbeitsidealen befragt. Ergebnis: Die Jahrgänge haben völlig verschiedene Vorstellungen von Arbeitszeiten, Bürogestaltung und Mitarbeiterführung.

Während beispielsweise 61 Prozent der Veteranen auf Hierarchien und einen persönlichen Arbeitsplatz pochen, sind es bei den Babyboomern lediglich 42 Prozent, in der Generation X nur noch 35 Prozent. Faustregel: Je jünger, desto unwichtiger wird Angestellten die Hierarchie. Das bleibt auch so, wenn die Angehörigen einer Generation älter werden. Ihre prägenden Präferenzen ändern sich kaum mehr.

Stattdessen verändert sich die Gesellschaft, und mit ihr der Arbeitsplatz. Es ist heutzutage normal, dass Enkel ihre Großeltern erleben, wenn sie selbst schon keine Kinder mehr sind – im Jahr 1910 lag die Lebenserwartung bei 48 Jahren, derzeit liegt sie bei 77 Jahren für Männer und 82 für Frauen. So waren immerhin 54 Prozent aller 55- bis 64-Jährigen in Deutschland im vergangenen Jahr noch erwerbstätig – vor 15 Jahren lag die Quote dagegen noch bei 36 Prozent.

Die alte Hackordnung ist Geschichte

Die veränderte demografische Struktur betrifft auch die Führungsebene. Die alte Hackordnung – der Chef ist älter als die Mitarbeiter – ist Geschichte. Laut einer Studie der Zeitarbeitsfirma Rand-stad sind mittlerweile 20 Prozent der US-Arbeitnehmer deutlich älter als ihre Chefs. Tendenz steigend.

Der Soziologe Karl Mannheim prägte im Jahr 1928 in einem Aufsatz den Begriff der Generationen. Darunter verstand er Geburtsjahrgänge, die in der Jugend -einschneidende Erlebnisse teilten – historische Ereignisse wie Mauerfall, Mondlandung oder der Sieg einer Fußball-weltmeisterschaft, die Ermordung von John F. Kennedy, die RAF-Attentate oder die Anschläge vom 11. September. Aber auch berufliche Dinge: Die eine Gene-ration wuchs in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, die andere in Zeiten der Vollarbeit heran.

"Junge Erwachsene haben häufig Angst vor der Arbeitswelt", sagt Lara Fritzsche, Autorin des Buchs "Das Leben ist kein Ponyhof". Die 25-Jährige hat ein Jahr lang eine Schulklasse bis zum Abitur und darüber hinaus begleitet. Die Fülle der Möglichkeiten sähen die angehenden Berufstätigen zwar als Privileg, aber sie machte ihnen auch Angst, sagt Fritzsche. Für viele Ältere ist das unverständlich. Ihr Motto: "Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr es habt."

Diese Arten, die Welt unterschiedlich wahrzunehmen und zu verstehen, lassen sich nicht vereinen. Das ist allerdings auch nicht nötig – wichtig ist der richtige Umgang mit den Unterschieden.

Vorgesetzte brauchen Antworten auf die Frage, wie man Menschen zu kollegialer Mitarbeit motiviert, die nicht zusammen in die Kantine gehen würden. Oder wie man Jüngere dazu bringt, Älteren zuzuhören – und umgekehrt. Auf den kommenden Seiten folgen die Typologien der derzeit arbeitenden Generationen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.10.2009, 12:50 UhrAnonymer Benutzer: Weisenheimer

    Weitere Schwachpunkte des Artikels sind:
    1.) a.) Die zitierten Untersuchungen sind/wurden offenbar nur im angelsächsischen Wirtschaftsraum durchgeführt (?). insofern sind die Erkenntnisse & Schlußfolgerungen nur eingeschränkt auf kontinentaleuropäische (- insbesondere deutsche! -) Verhältnisse (belegschaften) übertragbar.
    b.) insbesondere haben wir auch in Deutschland (z.b.) darüberhinaus noch einen (historisch bedingten) Einfluß der "West-Ost-Erfahrungskurve", der sich sicherlich in den Werteprofilen niederschlägt...
    Mag sein, daß sich durch a.) & b.) hier die Kontraste noch "verschärfen"...
    2.) Außerdem wurden bei diesem Artikel die "Genderaspekte" bei der Klassifizierung der Werte- und Verhaltensprofile völlig vernachlässigt (bzw. nicht benannt!-). Da der Frauenanteil in den letzten Jahrzehnten in der Arbeitswelt (sowohl als Mitarbeiter als auch bei Führungskräften!) erheblich zugenommen hat, ist eine derartige Vernachlässigung (ignoranz!) in der Darstellung nahezu unentschuldbar (...einseitige betrachtung!...blinder Fleck ?) - mag die (Redaktion) der Wirtschaftswoche ihre Leserinnen nicht (?????) - ist sie nur ein Magazin für "Männer" ???

  • 03.10.2009, 16:15 UhrAnonymer Benutzer: Weisenheimer

    Trotzdem wird hier in ihrem Artikel hier noch in der Eigenschaftsbewertung noch differenziert zwischen "Angestellten" & "Führungskraft" wie in der verflossenen industriegesellschaft ???? in der Wissensgesellschaft - heute - sind die "Grenzen" eher fließend (& wechselnd)...nicht selten gibt es neben dem "formalen" Führer ein umso mächtigerer (häufig temporär) "informaler" Führer...auch sind die "besitzstände" an der Position sehr "volatil"...
    Nur wer mit diesen "rasch wechselnden" Verhältnissen "produktiv" umzugehen versteht & es versteht eine "formale" als auch weitgehend "informelle Herrschaft" auszuüben kann als Führungskraft permanent "überleben" (Darwinismus) - dies setzt jedoch absolut & permanent "Lernfähigkeit" & "Wissenstiefgang" & Glaubwürdigkeit & Wertschätzung usw. voraus.
    Dies ist auch nicht eine Frage des biOLOGiSCHEN Alters, sondern eine Frage der intellektuellen & mentalen Fähigkeiten auf gegenwärtige Situationen weitgehend "produktiv" zu reagieren (...keine "Schleimerei!"...) & für zukünftige Erfordernisse hinreichend zu verarbeiten (rasche Lernfähigkeit)...die häufig bis ins hohe Alter erhalten werden können...die (durchschnittliche) Gesellschaft (& HR-Psychologen haben hier häufig VORURTEiLE - gespeist aus ihren "Standard-Probanden-Profilen"(Schubladendenken) & einer pauschalen Orientierung an historischen "Sozial-Paradigmen")..."Peergroup"-Klassifizierung ähnlich dem "Klassen(kampf)denken...nicht unbedingt hinreichend analytisch & konstruktiv !)
    Weitere implikationen zu diesen Auseinandersetzungen & bewertungen mit dem aktuellen "deutschen" Generationskonflikt ergeben sich auch auf andere soziale Verhaltens- und Entscheidungsmuster vom Kaufverhalten bis hin zum aktuellen WAHLVERHALTEN gegenüber den politischen Parteien...(...da haben ja wohl noch manche Genossen viel zu lernen...)

  • 03.10.2009, 16:13 UhrAnonymer Benutzer: Weisenheimer

    Gerade der Übergang von der industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft & Wissensgesellschaft (vernetztes Denken) ... neue mediale Formen & Globalisierung erfordert von Mitarbeitern UND Führungskräften neue Organisations- (&Kommunikations-)formen & ein anderes "Leistungsverhalten" in einer Welt der "erosierenden Dominanz & Macht" einzelner (Führungs-)kräfte in einer Hierarchie. bisher mehr hierarchische Organisationsformen wandeln sich zu vernetzten...mehr virtuellen Organisationsformen. Der Einfluß medialer informations- und Kommunikationskomponenten fördert eine raschere (& andere) Verbreitung von Wissen (Fakten) und nimmt damit erheblichen Einfluß auf (bisher normative) "Entscheidungsstrukturen"... (bisherige) "Hackordnungen" im Team werden damit auch "volatiler"...

    Je mehr "wissens- und dienstleistungsorientiert gearbeitet wird"... umso weniger sind produktive Arbeitszeiten nicht mehr an einer definierten Zeitspanne (Präsenz am Arbeitsplatz!) fixiert sondern ebenfalls volatil (...das Ergebnis zählt!).
    Auch sollte man meinen, daß bei der "hohen Umschlagfrequenz von (produktivem) Wissen & seiner Entwertungsrate" in einer hochentwickelten Wissensökonomie die bisherigen (Hierarchie-)schranken zwischen "reinem" Mitarbeiter (=bisher wartend auf Weisungen von oben!) & "reiner" Führungskraft (= alles bis vieles regelnd wollend & über alles & vieles informiert sein!) verschwinden (befehls versus Auftragstaktik).

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.