Geschlechterleben: Hausarbeit bleibt doch nicht Frauensache

Geschlechterleben: Hausarbeit bleibt doch nicht Frauensache

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Eine junge Mutter beim Kochen mit Kleinkind in Leipzig. Sowohl absolut als auch im Vergleich zu ihren Männern, nimmt die Zeit ab, die Frauen für Hausarbeiten aufwenden.

von Ferdinand Knauß

Eine Pressemitteilung behauptet, dass Hausarbeit Sache der Frauen bleibt, auch wenn sie berufstätig sind. Dabei zeigt die Studie, auf die sich die Meldung bezieht, das gerade nicht.

Die Überschrift, unter der eine sozialwissenschaftliche Untersuchung veröffentlicht wird, und deren tatsächliche Ergebnisse, können sich deutlich unterscheiden. Vor allem wenn es um ideologisch aufgeladene Fragen der Geschlechterbeziehungen geht.

"Trotz Berufstätigkeit bleibt Hausarbeit Frauensache" verkündet die Pressemitteilung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) über die Studie "Making Dough or Baking Dough" von Sozialforscher des RWI und der Bergischen Universität Wuppertal. Aber ist wirklich im Haushalt alles gleich geblieben? Ganz und gar nicht, wie die Studie bei näherer Betrachtung zeigt.

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Natürlich ist alles relativ und den Freunden der Gleichstellung kann diese natürlich nie schnell genug gehen. Aber die Zeit, die die Frauen in den knapp 5000 deutschen Haushalten, die auf Basis des Sozio-ökonomischen Panels von 1992 bis 2011 untersucht wurden, nach eigenen Angaben mit Haushaltsarbeit verbringen, sind deutlich zurückgegangen: Von 2,72 Stunden 1992 auf 2,26 Stunden 2011. Im gleichen Zeitraum stieg die Haushaltsarbeitszeit für Männer um fast 10 Minuten auf knapp 0,8 Stunden – offenbar wird also in der Summe weniger Zeit mit Hausarbeit verbracht. Der Anteil, den berufstätige Frauen an der Hausarbeit übernehmen, ist demnach von 82 auf 75 Prozent gesunken. Schon in der Zusammenfassung der Autoren Vivien Pocher, Nolan Ritter und Colin Vance heißt es: "Wenn der Anteil und die Höhe des Einkommens (eines Partners) steigen, sinkt die Menge an Hausarbeit, und dieser Effekt ist ziemlich unabhängig vom Geschlecht."

Die Männer in den 5000 Haushalten hatten ein durchschnittliches Jahreseinkommen von gut 42.000 Euro im Jahr, die Frauen – vor allem durch häufigere Teilzeitarbeit – ein durchschnittliches Jahreseinkommen von nur gut 21.000 Euro. Im häufigsten Szenario unter den befragten Ehepaaren (44,2 Prozent) arbeitete der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit.

Eine Ausnahme bilden offenbar berufstätige Ehepaare, bei denen die Frau mehr verdient als der Mann. In diesen Haushalten, die allerdings nur eine kleine Minderheit darstellen, übernimmt die Frau einen größeren Teil der Hausarbeit als in Haushalten, in denen die Frau weniger bis gleich viel verdient wie ihr Partner. Eine mögliche Ursache hierfür könnte sein, so heißt es in der Studie, dass diese gutverdienenden Frauen ihre traditionelle Geschlechterrolle beweisen wollen. Dies sei ein Indiz dafür, "dass sowohl geschlechterunabhängige Faktoren wie die Höhe des Einkommens als auch traditionelle Rollenaufteilungen die Anteile von Ehepartnern an der Hausarbeit beeinflussen".

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Und schließlich sollte man als Konsument aller Sozialstudien nie vergessen, dass sie auf Selbstangaben der betreffenden Personen beruhen, und dass die Sicht des Menschen auf seine eigene Rolle höchst beeinflussbar durch den gesellschaftlichen Diskurs ist. Frauen hören und lesen allenthalben, wie zum Beispiel in der besagten Überschrift dieser Pressemitteilung, dass sie im Haushalt ungerecht große Lasten tragen. Das könnte auch ihre Angaben bei Befragungen des SOEP beeinflusst haben.

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