Gesellschaftliche Debatte: Die Intoleranz der Toleranten

Gesellschaftliche Debatte: Die Intoleranz der Toleranten

von Ferdinand Knauß

"Toleranz" ist zum politischen Kampfbegriff der Regierenden und zum Einfallstor bestimmter Lobbygruppen und Ideologien geworden. Bundeswehrsoldaten zum Beispiel darf man weiter nach Belieben diskriminieren.

Wir werden immer toleranter. Zumindest setzen sich regierende Politiker auf allen Ebenen dafür ein. Nicht nur die neue Familienministerin Manuela Schwesig erklärt, sie wolle „Demokratie und Toleranz“ zu einem Hauptthema ihrer Politik machen.  In Brüssel hat außerdem ein “European Council on Tolerance and Reconciliation”, dem zahlreiche verdiente Ex-Präsidenten, Ex-Regierungschefs und Ex-Minister angehören, dem EU-Parlamentspräsidenten Martin Schultz einen Entwurf eines „Model National Statute for the Promotion of Tolerance“ eingereicht.

Dieser Entwurf, nach dem „Anti-Feminismus“ genauso bekämpft werden soll wie Rassismus und Antisemitismus  hat nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erreicht, wie der ebenfalls unter dem Banner der Toleranz im Stuttgarter Schulministerium entworfene „Bildungsplan 2015“. Er soll „Werte wie Respekt, Toleranz und Weltoffenheit vermitteln“ .

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Toleranz ist eine dieser Vokabeln, die uns in Politik, Wirtschaft und überall im öffentlichen Leben begegnen und ein unbestreitbar positives Image haben. Toleranz, abgeleitet vom lateinischen Verb tolerare (erdulden), war jahrhundertelang eine Forderung gegen den Anspruch autoritärer Herrschaft, ihre eigenen Normen und meist religiösen Wertvorstellungen durchzusetzen. Toleranz ist ohne Zweifel  die Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft frei genannt werden kann.

Sind also die mehr als 150 000 Unterstützer der Petition gegen den Stuttgarter Bildungsplan Feinde der Freiheit?

Toleranz war einmal ein Recht, das gegen den Staat oder herrschende Mehrheiten erstritten wurde. Und Toleranz war etwas Passives: Die Mehrheit der Gesellschaft erduldet die Andersartigkeit der Minderheit.

Die Toleranz der oben genannten politischen Initiativen wird nicht mehr gegen den Staat erkämpft. Im Gegenteil: Die aktuelle Toleranz kommt von oben, von den Regierungen. Es geht nicht mehr darum, eine Abweichung von der Mehrheit oder vorherrschenden Ansichten nur hinzunehmen. Für die baden-württembergische Landesregierung ist es daher nur konsequent, das, was sie unter Toleranz versteht, in einen „Erziehungsauftrag“ (Winfried Kretschmann) umzuformulieren, nämlich jenen Bildungsplan 2015.

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25 Kommentare zu Gesellschaftliche Debatte: Die Intoleranz der Toleranten

  • Dem Inhalt dieses Artikels ist eigentlich nicht's mehr hinzuzufügen. Die vorherrschend linke Medienlandschaft, das pseudotolerante Gutmenschentum und der desinteressierte "Durchschnittsmichel" geben diesem Land noch den Rest.

  • Es gibt nun mal Minderheiten, die sind gleicher als andere. Wie im Text richtig, aber leider nur am Rande, bemerkt, haben es bestimmte Lobbygruppen in den letzten dreißig Jahren geschafft, einen enorm großen Einfluss aufzubauen, so im Bereich Gleichstellung von einigen Minderheiten. Wo es vor Jahrzehnten aber sicher noch angebracht war, laut aufzubegehren, gegen Frauen- und Homosexuellen-Diskriminierung z.B., wird heute vollkommen überzogen, denn die Ziele sind erreicht. Die Schreihälse bei den Lobbyisten erreichen nämlich schon jetzt das genaue Gegenteil ihrer eigentlichen Ziele. Es ensteht ein Unmut in der brieten Bevölkerung gegen allzu aggressiv und penetrant vorgetragene Forderungen. Das ist normal und gut. Eine der Lobbygruppen sind die Grünen. Wie so oft liegen bei denen Wohl und Wehe nah beieinander, Umwelt hui, Bildung pfui, nur mal zum Beispiel.
    Die Gruppe, die es nun mal aufgrund von Zeitdruck, frühem Aufstehen und Überlastung nicht schafft, Lobbyarbeit zu betreiben, sind die Familien. Das was da in der Politik an Familienarbeit geschieht, ist schlicht der Notwendigkeit geschuldet, dass ein Staat/ein Land ein Volk braucht. Genauso wie es ein sich regenerierendes Volk braucht, braucht ein Land jemanden, der es im Zweifel beschützt. Leider werden das die verbohrten und schrillen Schreihälse unter den Gender- und Gleichmacher-Lobbyisten erst dann begreifen, wenn es zu spät ist, wen es nämlich ums Ganze geht.

  • Die Schule ist dafür da, junge Menschen auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten. Dazu gehört auch die Sexualerziehung. Fakt ist: Die Schule wird nicht nur von Heterosexuellen besucht, sondern auch von Homosexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen. Gerade die schwulen Jugendlichen haben schon zuhause keine brauchbaren Vorbilder, weil die Eltern ja nun mal heterosexuell sein müssen. Da währe es schon praktisch, wenn man ihnen in der Schule zumindest ein paar nützliche Informationen geben würde, mir hätte sowas sicher geholfen. Statt dessen habe ich als erster in der Klasse eine Freundin gehabt, weil man das ja aus dem Fernsehen so kennt. Meinen Traum, mal mit einem ganz bestimmten süßen jungen Mann zu kuscheln, habe ich dabei tunlichst ignoriert, ich konnte diese Wünsche nicht einordnen. Also habe ich, wie im Film gesehen, das mir am besten gefallende Mädchen angesprochen und schon hatte ich eine Freundin. Allerdings wusste ich nichts mit ihr anzufangen, auf körperliche Nähe hatte ich keine Lust und die Interessen waren auch nicht kompatibel. Das Ganze verlief dann im Sande und als ich Jahre später meinen ersten Freund hatte, gab es einen riesen Streit mit Ihr. Eine vernünftige Sexualerziehung, die sich nicht an dem Wunschdenken der Bibel sondern an den biologischen Realitäten orientiert, hätte ihr diese Enttäuschung sicher erspart.

    Eine wichtige Botschaft an die ganzen Unterzeichner der Petition habe ich noch: Es gilt als allgemeiner Konsens, das die sexuelle Orientierung eines Menschen schon lange vor der Einschulung fest steht und nicht mehr änderbar ist. Egal wie lange man also einem Heterosexuellen Kind zumutet, auch mal über andere Menschen informiert zu werden, es wird weiterhin heterosexuell bleiben und eine Familie gründen. Genauso wie ich damals einfach schwul geblieben bin.

    Auch wird die Menschheit nicht an der Homosexualität zugrunde gehen und Aussterben. Trotz der Liberalisierung hat sich die Menschheit seit ich auf der Welt bin verdoppelt!

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