Gestaltung: Nachdenken und besser machen

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Gestaltung: Nachdenken und besser machen

von Thorsten Firlus

Dank einer Haushaltsschere mit orangefarbenen Griffen ist Fiskars in Finnland so bekannt wie Maggi in Deutschland. Aber wie entsteht das nordische Design? Eine Spurensuche in der Firmenzentrale.

Gut 45 Minuten stehen die Schmiede an der Gluthitze des Ofens. 15 Minuten haben sie Pause, dann geht es weiter: Die Eisenzylinder werden auf mehr als 1.000 Grad Celsius erhitzt, mithilfe einer haushohen Maschine geformt und abschließend in einem Wasserbad abgekühlt. Von dort gehen die Metallteile in einen anderen Ofen, in dem nur die Schmalseite ein weiteres Mal erhitzt wird. Sie wird später besonders hart sein: Der scharf geschliffene Kopf der Axt soll das Holz mit einem Schlag zertrennen.

Äxte gehören zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit. An der Herstellungstechnik hat sich durch die Jahrhunderte wenig geändert. Nur die Güte des Stahls und die Verarbeitung des Griffs ließen sich verbessern. Das finnische Unternehmen Fiskars hat so ein Produkt entwickelt, das sich, wie das iPhone oder der Fernseher von Bang & Olufsen, einfügt in die Reihe der Dinge, die mit einem Red Dot Award gekürt wurden.

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Der abgekühlte Metallkopf, dessen grauer Körper an der harten Schneide bläulich verfärbt ist, wird bei Fiskars an einem Griff aus Kunststoff befestigt. Dort, so verspricht es der Hersteller, wird er über Jahrzehnte bombenfest sitzen. Sein leichter Griff, der das Metall umschließt, soll Regen, Schnee, Hitze und Kälte trotzen, nie verfaulen oder korrodieren. Und obendrein gut aussehen.

Peter Zec "Spielweisen der Schlichtheit"

Der Gründer und Chef des Red Dot Awards über die Kraft nordischen Designs.

Der Gründer und Chef des Red Dot Awards, Peter Zec, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Red Dot/ Michael Dannenmann

Wie genau der Metallteil mit dem Kunststoffteil verknüpft ist, erfährt der Besucher der 90 Kilometer westlich von Helsinki gelegenen Fabrik nicht. Der Herstellungsprozess bleibt das Geheimnis von Fiskars, einer Marke, die in Finnland so bekannt ist wie Maggi in Deutschland. Das Unternehmen ist dank seiner Haushaltsschere mit den orangefarbenen Griffen ein Begleiter im Alltag der Menschen geworden.

Ein Hingucker ist sie allemal. Wie so viele Produkte aus Finnland, Dänemark oder Schweden, die jedes Jahr mit Preisen überhäuft werden. Die nordischen Länder reichen beim Red Dot Design Award zwar nicht die meisten Produkte ein – die Quote der Auszeichnungen aber ist mit die höchste.

Sie schaffen es, Funktionalität in schlichte, ästhetische Formen zu gießen, die seit Jahrzehnten Einfluss auf die Produktgestaltung in aller Welt haben. Das belegt auch die Wahl des Designteams des Jahres 2014, die Agentur Veryday aus Schweden, die für die Benutzeroberfläche des Musikstreamingdienstes Spotify verantwortlich zeichnet.

In der Zentrale der Fiskarsgroup, am Stadtrand von Helsinki, ist eine schnelle Erklärung für den Erfolg nordischen Designs nicht zu finden. Der Hersteller von Gartengeräten produziert auch für die Küche. Der Ansatz ist immer derselbe: Das neue Produkt muss sich signifikant von den Produkten der anderen Wettbewerber unterscheiden. Gegen Ikea, den größten Hersteller von Haushaltswaren, setzt Fiskars auf die Kraft der Farbe Orange, die auf allen Produkten zum Einsatz kommt, vom Messerschleifer bis zum Nudelsieb. Eine mit nur einer Stimme Mehrheit denkbar knappe Vorstandsentscheidung hat in den Sechzigerjahren Orange zur Markenfarbe gemacht.

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Praktisch zu denken, das, so sagt es der für die Küchensparte verantwortliche Manager Petri Toivanen, sei Finnen von der Natur mitgegeben, in den Wohnungen habe man mit wenig Platz auskommen müssen. Umso wichtiger sei es gewesen, Geschirr zu produzieren, dass sich gut stapeln lässt und lange hält. An Schmuck, an Ornamente habe nie jemand gedacht. Die Form sei fast von alleine der Funktion gefolgt.

Diese Formel, das Betriebsgeheimnis des modernen Designs, übertrage Fiskars nun auch auf alte Produkte. Etwa auf die Teleskopschere, die mittels Seilzug die Klingen bewegt und ähnlich wie eine Luftpumpe bedient wird. Nachdenken und besser machen, das ist der Weg, den Fiskars sucht. Nur das Holzhacken, das bleibt trotz eleganter Form das gleiche archaische Vergnügen, das es immer war.

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