Ein Meister „allerhöchster Diskretion“ zu sein – das hat auch Karsten Strauß gelernt. Nur mit Akupunkturnadeln und einem Block in der Tasche macht der Sucht‧therapeut Hausbesuche in ganz Deutschland – in den Hotelzimmern von Managern, den Wohnzimmern von Schauspielern oder den Hinterzimmern von Unternehmern. Bei Menschen, die jeden Tag irgendwo im Mittelpunkt stehen und deswegen heimlich „das Übliche“ nehmen: Kokain, um high zu werden, in Verbindung mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln wie Valium, um wieder runterzukommen.
„Die fühlen oft eine starke Ambivalenz“, sagt Strauß, „einerseits haben sie den Wunsch, weiterzumachen. Andererseits wollen Sie aufhören, weil zum Beispiel ein wichtiges Geschäft zu platzen droht.“
So wie bei dem Top-Manager eines multinationalen Unternehmens. Der bereitete gerade die Übernahme eines Konkurrenten vor, es ging um ein Volumen von 50 Millionen Euro und damit um den persönlichen Höhepunkt seiner Karriere. Gleichzeitig rutschte der Mann tiefer in die Kokainsucht, das Geschäft drohte zu platzen. Strauß half ihm, die Abhängigkeit in den Griff zu kriegen und den Deal zu retten.
Seinen Patienten will Strauß die Klinik ersparen. Er besucht sie über ein Jahr lang immer wieder, hört sich Lügen an und Wahrheiten heraus, akupunktiert sie und stellt mit ihnen gemeinsam Ziele auf, dosiert die Substanzen herunter und versucht so, ihnen den Stoff langsam abzugewöhnen. Dazu gehört, sich von dem Milieu zu distanzieren, in dem die Drogen eine Rolle spielen – vielleicht sogar vom bisherigen Job.
Nicht jeder schafft es, sich so zu entscheiden. Diese Erfahrung musste Jule Weber* machen. Ein guter Freund hatte sich eine große Karriere im Management in den Kopf gesetzt. Als aus ihm ein aggressiver, rätselhafter Mensch wurde, schöpfte Jule Weber Verdacht. Erst entdeckte sie die Tabletten, dann die Quelle: Eine uralte Großtante, der sie gegen Demenz und Depressionen verschrieben worden waren. „Der wollte perfekt sein“, sagt Jule Weber. „Als er gesehen hat, dass er es alleine nicht schafft, hat er es mit Tabletten versucht.“ Sie stellte ihn zur Rede und nahm ihm die Pillen weg.
Ohne Erfolg.














- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen13.11.2008, 16:53 UhrAnonymer Benutzer: R. Fischer
Nach hunderten von Jahren Forschung auf dem Gebiet des menschlichen Verstandes müssen sich die Geisteswissenschaften (Psychologie und Psychiatrie) und auch die Pharmakonzerne gefallen lassen, dass man ihnen nachsagt, dass sie eigentlich nichts erreicht haben. Chemische Stoffe sollen den Streß, den Druck in den Griff bekommen. Es sieht so aus, dass weder die Chemie, noch die psychologischen Gespräche Resultate erzielen. ist das nicht interessant. Trotz aller investierten Forschungsgelder verschlechtert sich die Szene weiter. Man scheint sich auf dem Holzweg weiter nach vorne zu arbeiten. Schade nur um die die guten, eigentlich motivierten Führungskräfte.
10.11.2008, 14:52 UhrAnonymer Benutzer: inkognito
Die Verfasser der letzen kommentare scheinen den Artikel missverstanden zu haben: Ziel ist nicht, die (Neben-)Wirkungen von Antidepressiva oder Kokain zu erlaeutern – das tun die beipackzettel bzw Eure Drogenberatungsstelle.
Es geht auch nicht darum, Werbekampagnen der Pharmaindustrie zu kritisieren, die damit werben dass man mit bestimmten Produkten drei Naechte Durcharbeiten koennte und 70% productiver sei – anbei, solche Kampagnen habe ich auch noch nicht gesehen, wo habt ihr denn so einen Unsinn her?
Fakten sind: A) Die Produkte der Pharmaindustrie retten taeglich tausende Menschenleben , sie haben geholfen, unsere Lebensqualitaet entscheidend zu verbessern, unzaehlige Krankheiten zu besiegen und die dramatisch gestiegene Lebenserwartung ist ueberwiegend ihr Verdienst.
b) in einer kompetitiven Gesellschaft wird es immer Menschen geben die auf Kosten der eigenen Gesundheit versuchen werden ueber ihre eigenen Grenzen zu gehen – sei es bei der Arbeit oder im Sport, sei es durch illegale Methoden oder legale (uebermaessiger Kaffeegenuss der zu Magenkrebs fuehrt?)…
Mit “pillen” per se hat das sicherlich nichts zu tun. Der Kern des Artikels ist allerdings, dass das “Doping am Arbeitsplatz” mit Arzneimitteln und Drogen wie Kokain zugenommen hat. Zum einen sicherlich durch verschaerfte Konkurrenz und Angst vor Arbeitsplatzverlust (Globalisierung, Wirtschaftskrise), aber auch dadurch dass der Zugang zu Medikamenten ueber das internet heute vergleichsweise einfach ist, und noch wichtiger: anonym.
Prima, wenn mehr Menschen mit seelischen Problemen und Leistungsdruck, statt “nach EbAY” zu einem Arzt oder Psychiater gingen, um sich fachkundig behandeln zu lassen, zumal dann auch ihr Medikamentenkonsum kontrolliert waere. Leider ist wohl die Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung zu gross falls Freunde, Familie oder – himmel bewahre – Kollegen und Chef den Psychiaterbesuch mitbekommen. ich wuerde es selber auch nicht riskieren…
06.11.2008, 09:56 UhrAnonymer Benutzer: pbh
Tönt ja super. Ein Pillchen fürs Aufstehen, ein Pillchen fürs Schalfengehen, ein Pillchen für dies und ein Pillchen für das. Ausgewogenheit und Harmonie mit sich, der Umwelt und den Anderen scheint so nicht mer nötig zu sein. bis wann? bis man aufwacht und sieht, dass das Leben an einem vorbei gepillt ist. bedauernswert!