GPRA-Vertrauensindex: Deutsche trauen Dax-Managern nicht

exklusivGPRA-Vertrauensindex: Deutsche trauen Dax-Managern nicht

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GPRA-Vorsitzender Uwe Kohrs.

von Claudia Tödtmann

83 Prozent der Deutschen haben kein Vertrauen in die Vorstände von Dax-Unternehmen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Agenturverbands GPRA, über die die WirtschaftsWoche berichtet.

Die wenigsten Bürger haben Vertrauen in die Dax 30-Vorstände: Nur noch 17 Prozent. „Das ist ein Fiasko, wenn umgekehrt 83 Prozent der Elite der Manager misstrauen, dem Motor der Wirtschaft mit dem höchsten Bekanntheitsgrad“, sagt Uwe Kohrs, Chairman des Agenturverbands GPRA und verantwortlich für den jährlich erscheinenden und repräsentativen Vertrauensindex. Dasselbe Ergebnis gilt für die multinationalen Konzerne und andere Großunternehmen.

Die abgefragten Kriterien des Vertrauensindex sind: Ehrlichkeit, Kompetenz und Qualität, Umgang mit Mitarbeitern und Kunden, gesellschaftliche Verantwortung. Exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelte der Kommunikationsverband GPRA erstmals unter 1005 Befragten, wie es um das Vertrauen in Vorstände und Geschäftsführer bestellt ist.

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Kohrs Fazit: „Die Dax-Manager haben die Bürger längst abgehängt.“ Niemand könne mehr nachvollziehen, warum die Top-Manager so hohe Gehälter bekommen. Ebenso, wenig nach welchen Kriterien sie für ihre Positionen ausgewählt werden. Prominentes Beispiel sei Martin Winterkorn, Ex-Chef von VW mit seinen hohen Bezügen, die er trotz des Desasters der Diesel-Affäre erhält.

Extrem viel Vertrauen in Kleinunternehmen

Dabei misstrauen die Menschen nicht der Wirtschaft und den Unternehmen generell: Ihr Vertrauen in Kleinunternehmen ist mit 91 Prozent extrem hoch, ebenso das in Familienunternehmen mit 86 Prozent und in die Mittelständler mit 80 Prozent. Etwas schlechter, aber immer noch deutlich besser als Großkonzerne schneiden die Freiberufler mit 47 Prozent und Start-ups mit 45 Prozent ab.

Marken-Vertrauensranking Welchen Marken die Deutschen vertrauen

Eine Studie zeigt, dass die Deutschen Marken im Schnitt weniger vertrauen – doch es gibt auch positive Ausnahmen. Etwa Miele und dm.

Die neuen Waschtrockner WT1 von Miele mit bis zu acht Kilogramm Waschkapazität trocknen ohne Unterbrechung bis zu 5 Kilogramm Textilien in weniger als dreieinhalb Stunden. Zugleich punktet der WT1 mit allen wesentlichen Komfortmerkmalen, mit denen sich schon die Waschmaschinen und Trockner der Miele-Baureihen W1 und T1 vom Wettbewerb abheben, einschließlich der Zwei-Phasen-Dosierautomatik TwinDos. (Foto: Miele) Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/23907 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Miele & Cie. KG/Foto: Miele" Quelle: obs

Abgefragt wird beim GPRA-Vertrauensindex ansonsten alljährlich das Vertrauen der Bevölkerung in 15 verschiedene Branchen (siehe Tabelle). Die Gewinner sind der Maschinenbau (48 von 100 Indexpunkten) und an zweiter Stelle Gastgewerbe und Touristik (46 Indexpunkte) gefolgt von der Elektroindustrie (44 Prozent) und dem Baugewerbe mit knapp (knapp 40 Prozent).

Am schlimmsten schneidet die Finanzbranche ab

An den Verlierer-Branchen könne man die vielen schlechten Nachrichten über sie ablesen, so Kohrs: Ganz unten landet die Finanzbranche mit 25 Prozent. „Seit in den Nachrichten eine Geldstrafe nach der anderen für Banken verkündet wird, haben selbst die Mitarbeiter das Gefühl, sie arbeiten bei kriminellen Vereinigungen“, sagt Kohrs. Sie würden freiwillig oft schon nicht mehr sagen, wo sie angestellt seien. „Bis die Banken dieses verlorene Vertrauen in der Bevölkerung wieder aufgebaut haben, dauert es mehrere Generationen“, prophezeit der Kommunikationsexperte.

Was Marken erfolgreich macht

  • Was der Experte sagt

    Der Marketingfachmann Hermann H. Wala hat 2012 das Buch geschrieben: „Meine Marke. Was Unternehmen authentisch, unverwechselbar und langfristig erfolgreich macht“. Die Kernthesen im raschen Überblick.

  • Selbstverantwortung

    Die Marke ist zu wichtig, um die allein der Marketingabteilung zu überlassen. Auch die Geschäftsleitung muss sie mitentwickeln und gegenüber Geschäftspartnern nach außen hin glaubwürdig verkörpern.

  • Werte

    Authentische Werte sind Leitlinien, keine Parolen. Unternehmen werden auch an ihrem sozialen Engagement gemessen.

  • Emotionen

    Wer die Aufmerksamkeit der ohnehin übersättigten Konsumenten gewinnen will, muss sie emotional berühren. Kundenherzen gewinnt man nicht mit faktischen Produkteigenschaften, sondern durch das Erfüllen von Träumen.

  • Geschichte(n)

    Eine gute Geschichte bewirkt mehr als die allermeisten Verkaufsargumente. Sie gräbt sich in Kundengedächtnis ein und schafft Identifikation.

  • Vertrauen

    Vertrauen in ein Unternehmen und seine Marke(n) ist die beste Form der Kundenbindung. Man gewinnt es durch Transparenz und Offenheit.

  • Dynamik

    Spannend bleiben und gleichzeitig Kontinuität wahren – diesen Spagat schaffen erfolgreiche Marken. Dehnungen müssen zu ihr passen. Innovativ sein bedeutet, Kundenbedürfnisse immer besser zu erfüllen.

  • Positionierung

    Positionierung ist ein Wettstreit der Wahrnehmungen, kein Wettstreit der Produkte. Einen Logenplatz im Kundentop erobert, wer es schafft, seiner Marke für die Zielgruppe begehrenswerte Differenzierungslinien zu verleihen.

Auf dem vorletzten Platz landen die Energiebranche und die einst so stolze Automobilindustrie mit dem gleich peinlichen Ergebnis von 31 Prozent. Am Beispiel VW wird, so Kohrs, deutlich: „Die Menschen sind emotional verunsichert.“ Zu Recht: „Vor allem wenn das Unternehmen der Öffentlichkeit Zahlenkolonnen präsentiert und den Untergang von VW prophezeit – und dann kurz drauf ganz andere Zahlen herauskommen, die hohe Gewinne ausweisen. „Da wurden quasi über Nacht aus existenzbedrohenden Verlusten, wegen denen deutsche Käufer nicht entschädigt werden sollen, zur allgemeinen Überraschung Milliardengewinne“, fasst Kohrs zusammen.

Das traurige Fazit für die Branche: „Die Grundüberzeugung der Teutonen, gute Autos kämen aus Deutschland, ist erschüttert“, sagt Kohrs. Zumal es Teil des Nationalstolzes ist, dass Deutschland die führende Auto-Nation sei. Kohrs Prognose: „Das ist supergefährlich für die Autoindustrie, denn wenn sie diese Allmacht verliert, sind die Menschen in zehn Jahren möglicherweise bereit, Apple-Autos zu kaufen.“

GPRA-Vertrauensindex

Branche

Indexpunkte

Maschinenbau

48

Gastgewerbe und Touristik

46,4

Elektroindustrie

44,2

Baugewerbe

39,9

Lebensmittelproduzenten

38,6

Lebensmitteleinzelhandel

37,6

Kosmetik- und Körperpflege

36,6

IT

36

Schwerindustrie

34,8

Chemie

33,4

Verkehr und Transport

33,3

Gesundheit

31,8

Automobil

31,4

Energie

31,3

Finanzen

25

Anmerkung: Höchstmögliche Zahl: 100
Quelle: GPRA 2017

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