_

Gründer in der Krise: Studie: Weniger Mut, mehr Geschäftsideen

von Jens Tönnesmann

In der Krise kann sich nur noch jeder fünfte Deutsche vorstellen, sich selbständig zu machen – und das, obwohl Ideen derzeit keine Mangelware sind. Das zeigt eine repräsentative Amway-Umfrage, die wiwo.de exklusiv vorliegt.

Einer aktuellen Studie zufolge Quelle: REUTERS
Einer aktuellen Studie zufolge fürchten immer mehr Menschen finanzielle Risiken beim Sprung in die Selbständigkeit Quelle: REUTERS
Anzeige

Eigentlich müsste Gründen derzeit hoch im Kurs stehen: Konzerne streichen Stellen, Beschäftigte gehen in Kurzarbeit, die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Und jeder zweite Deutsche bewertet seine Berufschancen derzeit als „sehr schlecht“ oder „schlecht“. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Direktvertriebsunternehmens Amway und des Marktforschungsinstituts GfK unter 932 Bundesbürgern, die wiwo.de exklusiv vorliegt. Frauen sind dabei etwas pessimistischer als Männer, Menschen aus den neuen Bundesländern pessimistischer als die aus den alten Ländern und Menschen über 50 Jahre pessimistischer als jene unter 50. 

Doch trotz der düsteren Aussichten scheinen die meisten vor allem darauf bedacht, ihren aktuellen Job durch die Krise zu retten. Selbständigkeit ist für die meisten derzeit zumindest keine Option: Acht von zehn Bundesbürgern können sich der Umfrage zufolge derzeit nicht vorstellen, sich selbständig zu machen. Im vergangenen Jahr waren es nur fünf von zehn.

Und das, obwohl viele Deutsche die Selbständigkeit generell durchaus positive Seiten abgewinnen können: Über die Hälfte verbindet damit zusätzliche Verdienstmöglichkeiten und berufliche Unabhängigkeit. Fast ebenso viele schätzen die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen und ein flexibleres Berufs- und Privatleben zu führen. Zwar bevorzugen 45 Prozent eine Selbständigkeit dauerhaft im Nebenerwerb, aber ebenso viele würden sich am liebsten sofort (13 Prozent) oder zumindest langfristig (31 Prozent) im Haupterwerb selbständig machen. 

Furcht vor den Risiken

Was also hält die Deutschen davon ab, jetzt zu gründen? 82 Prozent der Befragten fürchten das finanzielle Risiko. Darüber hinaus klagen 68 Prozent über fehlendes Startkapital. 28 Prozent vermissen außerdem ausreichende staatliche Förderung, so die Studie des Direktvermarkters, dessen Berater meist selber im Nebenberuf Kosmetika und Haushaltsprodukte verkaufen. Außerdem sehen nur elf Prozent in der Selbständigkeit eine Möglichkeit, die eigenen Karrierechancen zu verbessern.

All das deutet darauf hin, dass die Angst vor dem Scheitern groß ist. Und dass Phasen der Selbständigkeit in der eigenen Biographie bei Arbeitgebern und Personalern nicht unbedingt gut ankommen – egal, ob die Zeit als Unternehmer erfolgreich war oder nicht.

Für Deutschland ist das tragisch, drohen so doch gute Ideen verloren zu gehen. Denn davon gibt es in der Krise anscheinend mehr: Während eine „fehlende Geschäftsidee“ im vergangenen Jahr 55 Prozent der Befragten vom Gründen abhielt, klagen darüber jetzt nur noch 38 Prozent.

18 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.10.2009, 10:06 UhrAnonymer Benutzer: Zeitzeuge

    Was ich als Angestellter in der Architekturbranche sehe ist, dass es immer weniger Deutsche Firmen gibt, die sich gegen große Konzerne bzw. ausländische Firmen behaupten können. Der größte Fehler hierzulande ist, dass die bildung auf der Strecke bleibt und die wenigen
    die sich eine gute bildung (Studium, etc.) leisten können, oftmals im Ausland zu finden sind. Wo dass hinführt, sieht man bei Opel, Quelle, etc.. Deutschland steht vor dem Ausverkauf und jeder Politiker weiß dass schon! Deutschland ist ein Exportland und für die Güter des binnenmarktes werden nur die Hälfte der beschäftigten benötigt. Es bleibt einem nur der Abstieg, oder dass Auswandern in ein anderes Land übrig. Deutschland hat sich blind der Globalisierung geöffnet, was dabei rauskommt zeigt sich in der Abwrackprämie. Die deutschen Autobauer haben kaum davon profitiert. Das System (Renten, beamtentum, Politik, Steuerbelastung ) funktioniert einfach nicht mehr.

  • 19.06.2009, 09:46 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    ich möchte noch einmal zu dem Herrn "bergfex" Stellung nehmen. Es ist sicherlich richtig was dort gesagt wurde. Leider beginnt dieser Unfug bereits in den Schule. Dort wurden die Wurzeln für diese Verhaltensmentalität gepflanzt. Was kann man von einer Gesellschaft erwarten die solche Leerer (oder sollte ich Lehrer sagen) hat. bedauerlich ist nur, daß es wohl schon zu spät ist. Die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, die erkennt, daß nur innovative Unternehmen Wachstum, Fortschritt und Wohlstand bringen ist nicht mehr zu schaffen (jedefalls nicht bei einer Staatsquote von über 50%).

    MfG us der abgesoffenen bRD

  • 18.06.2009, 16:40 UhrAnonymer Benutzer: fragwürdig

    so hört mal,

    dem Einzelhandel geht es nicht erst seit der "großen" Finanzkrise schlecht.

    Der Einzelhandel kämpft seit Jahren gegen Großunternehmen und Ketten.
    Wie oft habt ihr in der Stadt schon leere Lokale gesehen die in Kürze ein Handygeschäft sein werden ?
    Das solche Fakten nicht ermutigen sollte eigentlich klar sein.
    ich denke dass potentielle Gründer erst einmal abwarten was die Zeit bringt.
    Die Leute warten ja auch noch vor dem Aktienkauf.
    Keiner kann genau sagen, wann es wieder aufwärts geht. Keine Merkel kein Minister dieser Welt könnte das.

    Genauso bescheuert ist es , zu entscheiden, wer vom Staat gerettet wird und welches Unternehmen nicht. Ein wenig mehr transparenz wäre von Vorteil.

    Nunja um mich jetzt hier nicht aufzuregen und die Kunden zu verschrecken wünsche ich lieber noch einen angenehmen Tag !

Alle Kommentare lesen

Blogs

Ein Teller Salat mit Top-Anwältin Ute Jasper, die offen über ihren Lernprozess mit der Presse spricht
Ein Teller Salat mit Top-Anwältin Ute Jasper, die offen über ihren Lernprozess mit der Presse spricht

  Das Basil´s auf der Haroldstraße in Düsseldorf hat sich in kurzer Zeit zu einem In-Italiener für den Lunch entwickelt....

weitere Fotostrecken