Gründerinnen: Warum sich Frauen selbstständig machen

Gründerinnen: Warum sich Frauen selbstständig machen

.Auch bei Gründern stehen meist Männer im Fokus, dabei sind 41 Prozent aller Gründer sind Frauen. Eine Studie zeigt nun, warum sich Frauen selbstständig machen - und offenbart große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

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Lange war das Unternehmens-Management eine Männerdomäne. Doch jetzt setzten Unternehmen auf Vielfalt

Christiane Strasse hatte den richtigen Riecher. Sechs Jahre lang war sie bereits als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Bundeswehr Hamburg tätig. Ihr Fachgebiet: Personalentwicklung. Strasse leitete dort Projekte zur Flexibilisierung der Arbeit, danach folgten zwei Jahre bei einer Beratung. Doch sie spürte, dass sie noch nicht an ihrem beruflichen Ziel angekommen war. Und so gründete sie 1999 Projektwerk, eine Internet-Plattform, auf der sich Freiberufler und kleine Unternehmen vernetzen können.

Strasses Geschichte steht stellvertretend für viele Gründerinnen – denn Unzufriedenheit mit der Festanstellung ist gerade für Frauen ohne Kinder ein wichtiger Grund, ein eigenes Unternehmen zu gründen: 80 Prozent entschieden sich dafür, weil sie ihr Wissen und Können als Angestellte nicht ausreichend einsetzen konnten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

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Die Untersuchung entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Ladies First!“. Das betriebswirtschaftliche Institut für empirische Gründungs- und Organisationsforschung (Bifego) in Oestrich-Winkel befragte dafür in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Entrepreneurship an der European Business School (EBS) knapp 300 Vollzeit-Unternehmerinnen aus ganz Deutschland.

Kernfragen: Warum machen sich Frauen selbstständig? Gibt es bestimmte Kindheitserfahrungen, die eine Gründung wahrscheinlicher machen? Und welche Hürden müssen Gründerinnen meistern?

41 Prozent aller Gründer waren Frauen

In wirtschaftlichen Krisenzeiten steigt traditionell die Zahl der Existenzgründungen, 410 000 zählte das Institut für Mittelstandsforschung im vergangenen Jahr. Wie aus dem Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hervorgeht, waren im Jahr 2008 41 Prozent aller Gründer Frauen.

Die aktuelle EBS-Studie offenbart große Unterschiede hinsichtlich der Motive der Gründerinnen in West- und Ostdeutschland. Während im Westen vor allem die Selbstbestimmung und die Kontrolle über die eigene Zeit im Vordergrund stehen, zählen für Frauen in Ostdeutschland vor allem monetäre Vorteile. 75 Prozent verbinden mit dem Gang in die Selbstständigkeit die Hoffnung, sich finanziell zu verbessern. 63 Prozent reagieren damit sogar auf drohende oder schon bestehende Arbeitslosigkeit.

Allen gemein ist jedoch der Frust mit der Festanstellung. 79 Prozent der Befragten waren unzufrieden mit ihrem Einkommen als Arbeitnehmerinnen, 42 Prozent hatten Probleme mit dem Führungsverhalten ihres Vorgesetzten. Der Gang in die Selbstständigkeit sei für sie „ein Ventil“, meint Heinz Klandt, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship an der EBS und Initiator des Projekts.

Bei vielen Frauen wurden die Weichen dafür offenbar bereits früh gestellt. 80 Prozent der Gründerinnen übernahmen schon vor ihrem zwölften Lebensjahr Verantwortung im elterlichen Haushalt, ergab die EBS-Studie. Jede dritte Unternehmerin arbeitete ab dem Alter von 13 Jahren bis zu zehn Stunden pro Woche im elterlichen Betrieb mit.

Moderner Hürdenlauf

Dennoch ist der Weg zum eigenen Unternehmen beschwerlich – selbst dann, wenn die Gründung schon seit vielen Jahren geplant ist. Die größte Schwierigkeit bereitet die Startfinanzierung, 65 Prozent sehen sie als größtes Hindernis. 

Umso wichtiger, anfangs auf Familie und Freunde bauen zu können. Für 76 Prozent der Frauen ist die Unterstützung des Lebenspartners essenziell. Andernfalls entfällt der Schritt in die Selbstständigkeit meist: Nur drei Prozent gründen selbst dann, wenn ihr Partner nicht dahinter steht.

Christiane Strasse bekam genug Unterstützung. Zum Glück – Projektwerk hat bereits 45 000 Nutzer, die Jahresmitgliedschaft kostet 300 Euro. Das Geschäft in Deutschland läuft gut – inzwischen arbeitet Strasse schon an der internationalen Expansion.

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