
18. April
Ich fahre nach München. Dort treffe ich junge Unternehmer im Rahmen einer Veranstaltung der Entrepreneurs’ Organization. Wir alle sind in einer ähnlichen Situation: Wir haben erste Erfahrungen als Unternehmer gesammelt und Produkte und Ideen entwickelt. Ich unterhalte mich mit anderen Technologie-Unternehmern wie etwa Lars Markwort von Nanda Technologies (siehe WirtschaftsWoche 23/2009) und tausche mit ihm Kontakte aus. Uns allen ist klar: Netzwerke sind für Gründer unheimlich wichtig.
22. April
Gute Nachrichten: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sagt uns zu, ein Projekt zu fördern, das wir mit wissenschaftlichen Institutionen gestartet haben. Gemeinsam untersuchen wir die Fragen, die bei der Herstellung von Kohle aus Biomasse auftauchen: Ein Partner erforscht die komplexe chemische Reaktion. Die TU Berlin bringt ihr Know-how in der Verfahrenstechnik und im Anlagenbau ein. Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung untersucht die Auswirkungen der Nutzung von Suncoal auf das Ökosystem, den zukünftigen Energiemix und das Klima. Die Zusammenarbeit klappt von Anfang an außerordentlich gut: Wir freuen uns auf die umfassende wissenschaftliche Analyse und die gemeinsame Arbeit.
Energiehaltige Stäbchen, so groß wie Gummibärchen
28. April
In Jänschwalde, nicht weit von einem Kohlekraftwerk entfernt, treffen wir die Hersteller sogenannter „Pelletierungsanlagen“. Diese Geräte können unseren Kohlestaub zu Pellets pressen: schwarze, energiehaltige Stäbchen, die etwa so groß sind wie Gummibärchen. Das erleichtert die Lagerung und den Transport – ohne dass es den Einsatz der Kohle in Kraftwerken behindert. Wir reden mit verschiedenen Anbietern, um ein Gefühl für Preise und die Stärken und Schwächen der Anlagen zu bekommen.
11. Mai
Heute fahren wir nach Frankfurt, um auf einer Fachmesse für Chemische Technik und Umweltschutz mit Unternehmen zu reden, die uns die einzelnen Komponenten liefern können. Die Auswahl der passenden Partner ist wichtig. Nicht nur Qualität, Lieferbedingungen und Preise sind entscheidend. Schon beim Bau unserer ersten Anlage haben wir gemerkt, wie sehr es den Zeitplan durcheinanderbringen kann, wenn Zulieferer unpünktlich sind oder Absprachen nicht einhalten.
20. Mai
In unserem Konferenzraum präsentiert Juliane, eine Diplomandin, einige Forschungsergebnisse vor dem ganzen Team. Sie hat die Eigenschaften fossiler Kohlearten mit denen von Suncoal verglichen. Einen wichtigen Unterschied gibt es beim Heizwert, der angibt, wie viel Energie in einem Kilogramm enthalten ist. Während der Heizwert bei normaler Kohle feststeht, können wir ihn bei unserer Kohle flexibel einstellen. Damit lässt sich Suncoal variabler einsetzen. In Zukunft wollen wir solche Vorträge von Mitarbeitern für Mitarbeiter regelmäßig einplanen, um das Wissen Einzelner für die Gruppe verfügbar zu machen. Wir nennen diese Vorträge „SunCademy“.
3. Juni
Wir haben größere Mengen Suncoal an ein wissenschaftliches Institut in Brasilien geliefert. Die Forscher untersuchen, wie unsere Kohle die Produktivität landwirtschaftlicher Böden verbessern könnte. Eine Versuchsreihe wurde gestartet. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.
5. Juni
Tobias und ich frühstücken gemeinsam. Vor drei Jahren haben wir bei einem ähnlichen Frühstück über Klimaschutz gesprochen, damals war ich Unternehmensberater bei Roland Berger und Tobias arbeitete als Energie- und Verfahrenstechniker. Seit diesem Tag ist viel passiert: Wir haben gekündigt, gegründet und die Finanzierung gesichert. Heute stehen wir jeden Tag an unserer Anlage, in die wir Biomasse hineinstecken, damit ein paar Stunden später Kohle herauskommt. Und wir planen den Bau einer großen Produktionsanlage. Den Schritt in die Selbstständigkeit haben wir nie bereut, aber zwei Dinge haben wir gelernt: Dir wird nichts geschenkt. Und: Die anderen brauchen immer länger, als man denkt.














- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen18.06.2009, 12:16 UhrAnonymer Benutzer: Apokalyptus
Wie wäre es mit dem Slogan "Suncoal is cool son" Der ist mir spontan eingefallen und den gibts gratis hier für die Gründer der sehr interessanten Technologie