Gute Figur mit neuen Anzugtrends: Dem deutschen Mann ist die Mode zu bunt

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InterviewGute Figur mit neuen Anzugtrends: Dem deutschen Mann ist die Mode zu bunt

von Thorsten Firlus

Gildo Zegna ist Chef des gleichnamigen Modelabels. Im Interview spricht er über die Bequemlichkeit deutscher Männer, moderne Naturfasern - und warum ausgerechnet Juristen die modischsten Anzüge tragen.

WirtschaftsWoche: Herr Zegna, Sie werten das Kaufverhalten in Ihren Geschäften in mehr als 100 Ländern genau aus. Was zeichnet den deutschen Käufer aus?

Zegna: Die meisten wollen einen klassischen Anzug. Das heißt nicht, dass die unmodern sein müssen. Aber sie bevorzugen dunkle Anzüge, und die ohne Muster. Der deutsche Mann ist dafür eher bereit, eine etwas spielerische Krawatte zu tragen. Und – das habe ich schon zu Beginn meiner Karriere gelernt – die Anzüge sollen aus leichten Stoffen sein. Dann sind die Anzüge praktischer, unter anderem beim Autofahren. Die Kunden in Deutschland arbeiten in gut geheizten Büros – sie machen deswegen auch keinen Unterschied zwischen Winter und Sommer, der Anzug soll dünn sein, egal, ob sie ihn im Frühjahr oder Herbst kaufen. Und komfortabel muss er sein, Bewegungsfreiheit bieten. Deutsche Männer mögen keine eng anliegenden Anzüge. Das sehen wir Italiener zwar nicht komplett anders – aber wir mögen es schon, wenn der Anzug die Silhouette betont.

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Mode So erkennen Sie einen schlechten Anzug

Wer kein Kenner ist, hat es beim Anzugkauf schwer. Auf den ersten Blick sehen Anzüge bis auf die Farbe mehr oder weniger gleich aus. Das macht es schwierig, schlechte Anzüge zu erkennen.

Ob Stoff, Futter oder Nähte: Beim Anzugkauf gilt es einiges zu beachten. Quelle: Fotolia

Enttäuscht es Sie, wenn die Kunden es einfach nur bequem haben wollen?

Wir sind in der Modebranche, aber wir sind keine Fashionistas. Und am Ende muss es dem Kunden gefallen. Wir bieten mit unserer Marke zum einen sehr moderne, tragbare Mode an, für die unser Creative Director Stefano Pilati verantwortlich ist, der zuvor bei Yves Saint Laurent war. Stefanos aktuelle Kollektion Couture ist zudem mit wallenden Mänteln oder kräftigen Farben sehr anders, ohne extrem zu sein.

Sie erwähnen die Vorliebe deutscher Kunden für natürliche Stoffe. Gibt es eigentlich den perfekten Anzugstoff?

Nein. Ich stelle die Frage nach der besten Faser lieber den Kunden. Es kommt immer auf seine Bedürfnisse an. Ob es ihm in erster Linie um natürliche Stoffe geht, ob er Kunstfasern wünscht. Und es geht natürlich um die Frage, wie viel er für einen Anzug ausgeben möchte. Wenn Sie aber mich fragen: Es ist ein Naturstoff. Im Stoff sollte es mehrheitlich Wolle sein, dazu können sie mit Kaschmir, Seide oder Baumwolle spielen.

Was für Innovationen sind bei Stoffen für Businesskleidung noch möglich?

Wir haben Stoffe aus natürlichen Fasern entwickelt, die winddicht sind und wasserabweisend. Wenngleich es auch keine Stoffe sind, die die Körpertemperatur regulieren, sind sie doch in der Lage, Wärme zu halten oder sie abzutransportieren. Das nutzen wir vor allem bei den Outdoor-Kleidungsstücken. Diese Eigenschaften entwickeln wir aber nicht allein für Wolle, sondern auch für Kaschmir und Seide. Gerade Seide ist da bemerkenswert leistungsfähig – bislang ist sie vor allem wegen ihres Glanzes ein Stoff für Frauenmode. Aber wir haben Seide so bearbeitet, das sie für mehr Funktionen geeignet ist. Im Innenraum von Maserati-Autos ist unsere Seide verarbeitet, die den Insassen in der Anmutung und bei der Berührung ein in Autos bislang unbekanntes Gefühl vermittelt. Hätten Sie gedacht, dass wir einmal Seide in einem Auto einbauen?

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Quelle: dpa/Montage

Nein, sicher nicht.

Maserati ursprünglich auch nicht. Dafür müssen wir testen und forschen. Technische Entwicklung ist in der Modebranche essenziell. Kleidung schön zu gestalten reicht nicht. Hohe Luftfeuchtigkeit zum Beispiel, wie sie in Asien herrscht, hat einen großen Einfluss auf Anzugstoffe. Damit die Stoffe sich nicht verformen, brauchen wir viele Tests. Unsere Branche ist weit wissenschaftlicher, als es den Anschein hat. Innovation ist in unserem Unternehmen nicht nur eine Frage des Designs – sie hat auch eine Menge mit Technologie zu tun.

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