
WirtschaftsWoche: Zu mir kam früher das Christkind. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass der Weihnachtsmann das Christkind weitgehend verdrängt hat.
Thomas Hauschild: Da ist was dran. Aber es gibt eine hartnäckige Christkind-Fraktion im katholischen Bayern. Ich wurde über mein Buch „Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte“ von sehr vielen Radiosendern interviewt, aber von keinem einzigen aus Bayern. Die haben das Gefühl, das geht sie eigentlich nichts an. Ulkig ist das, weil das Christkind ursprünglich eine protestantische Erfindung war, um den katholischen Nikolausbräuchen etwas entgegen zu setzen, das stärker an der Bibel und an der Geburt des Herrn orientiert war. Das Christkind kommt im 16. Jahrhundert in Luthers Umfeld auf.

Aber später im 19. Jahrhundert schlug das um. Das Christkind wurde zum ureigenen Gegenstand der katholischen Weihnachtsbräuche. Das Christkind und der Nikolaus oder Weihnachtsmann sind Konkurrenten. Auf der einen Seite der raue, düstere Gabenbringer und auf der anderen das süße Kind, das das Licht der Welt ist. Aber das Christkind war der Trittbrettfahrer und es ist auch nie in die Pole-Position gekommen.
Die Verdrängung des Christkinds in Deutschlands hat doch sicher mit der kulturellen Übermacht Amerikas und seines „Santa Claus“ zu tun.
Zweifellos. Der deutsche Weihnachtsmann ist verwachsen mit Santa Claus. Aber die Santa-Tradition ist jünger und stark beeinflusst von skandinavischer Folklore, weswegen sein Schlitten von Rentieren gezogen wird. Die Kulte des Santa Claus und des Weihnachtsmanns ballen sich zusammen und breiten sich gemeinsam aus. Auch die Ausbreitung des Weihnachtsmannes innerhalb Deutschlands seit den 1920er Jahren ist mit dem amerikanischen Santa Claus verbunden.
Bild: dpaInsgesamt gibt es in Deutschland sieben offizielle Weihnachtspostämter. Die meisten Briefe - rund 300.000 im Jahr - werden ins brandenburgische Himmelpfort geschickt. Die Kosten für die Briefe, das Porto und die Antwortschreiben übernimmt die Post. Für ihre einfühlsamen und persönlichen Antworten sind die Helfer der fränkischen Poststube 2011 als „bestes Weihnachtspostamt“ vom Kindernachrichtenmagazin „Dein Spiegel“ ausgezeichnet worden. Himmelstadt ist eines von zwei deutschen Weihnachtspostämtern, die ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern organisiert werden.
Bild: dpaIm Weihnachtspostamt in Himmelstadt hat die heiße Phase längst begonnen. Die Mitarbeiterinnen öffnen die bunt verzierten Briefe, lesen sie aufmerksam und antworten sogar. Schon jetzt sind mehr als 3000 Briefe aus aller Welt eingeflattert. Bis zum Ende der Saison werden etwa 80.000 Briefe erwartet. Doch was steht da eigentlich drin?
Bild: dpaDie Kinder sind bei ihren Wünschen immer auf dem neusten Stand. „Vor allem bei den Spielsachen sind die Kinder immer hochaktuell. Was es gerade neu auf dem Markt gibt, steht auch oft in den Wunschzetteln“, sagt die 71-jährige Leiterin des Weihnachtspostamts, Rosemarie Schotte. Häufig haben die Arbeiterinnen aber auch einiges zu lachen, wenn sie die Briefe lesen.
Bild: dpaSchon die Aufschriften mancher Briefumschläge sorgen im Postamt für Lacher: „An: Christkind; Von: Unbekannt und anonüm; Zweck: Geschenke.“
Bild: dpaAndere Kinder versuchen noch schnell was gerade zu biegen: „Lieber Weihnachtsmann!! Ich bin's der Alex! Ich war dieses Jahr nicht immer brav, aber ich habe mich bemüt.“ oder demonstrativ alles richtig zu machen, damit die bestellten Geschenke auch wirklich ankommen: „Hiermit sende ich fristgerecht den Wunschzettel.“
Bild: dpaDaneben sind andere Kinder einfach wunschlos glücklich: „Liebes Christkind. Ich habe keine Wünsche, aber ich mal dir ein schönes Bild.“
Bild: rtrOder haben sehr konkrete Wünsche, deren Erfüllung sich allerdings als schwierig herausstellen könnte: „Ich wünsche mir einen Alien-Anzug und Frieden und Glück auf der ganzen Welt.“ oder „Mein letzter Wunsch: An Weihnachten SCHNEE!“
Bild: dpaManche Kinder machen sich aber nicht nur Gedanken um sich selbst, sondern auch um das Christkind: „Als Geschenk lege ich dir Energie-Tee bei, damit du unterwegs nicht schlapp machst.“ und andere Menschen: „Mein Lehrer hat mir erzählt, dass es vielen Menschen auf der Welt schlecht geht. Kannst du denen nicht meine Geschenke bringen?“
Bild: dpaAber auch unter den Kleinsten gibt es schon welche mit sehr großen Sorgen: „Ich wünsche mir, dass meine krebskranke Mutter nicht so viele Schmerzen hat und im Himmel ihre Mutter wiederfindet.“ Solche „Problembriefe“ in denen es um kranke Verwandte, arbeitslose Eltern oder zerstrittene Geschwister geht, bekommen von den Helfern ein paar Extrazeilen.
Insgesamt gibt es in Deutschland sieben offizielle Weihnachtspostämter. Die meisten Briefe - rund 300.000 im Jahr - werden ins brandenburgische Himmelpfort geschickt. Die Kosten für die Briefe, das Porto und die Antwortschreiben übernimmt die Post. Für ihre einfühlsamen und persönlichen Antworten sind die Helfer der fränkischen Poststube 2011 als „bestes Weihnachtspostamt“ vom Kindernachrichtenmagazin „Dein Spiegel“ ausgezeichnet worden. Himmelstadt ist eines von zwei deutschen Weihnachtspostämtern, die ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern organisiert werden.
Ist der Weihnachtsmann identisch mit dem Nikolaus?
Der Weihnachtsmann ist aus dem Nikolaus hervorgegangen. Auch das geschah vor allem in protestantischen Gegenden als Gegenfigur zum katholischen St. Nikolaus. Im deutschsprachigen Raum verschmelzen Nikolaus und Knecht Rupprecht zu einer pädagogischen Figur und lachen sich das Christkind an als milderen Counterpart. Dann treffen sie auf Santa Claus, der auch eine Mutation des Nikolaus ist. Man weiß, dass die Schöpfer von Santa Claus in den USA einiges über den deutschen Weihnachtsmann wussten. Und dieser Santa Claus wurde dann, vor allem mit amerikanischen Filmen, reimportiert nach Deutschland, wo es eine rasante Verbindung mit dem heimischen Weihnachtsmann gab.
Wieso kommt der Weihnachtsmann im Winter und nicht im Sommer?
Der christliche Weihnachtstermin entstand erst, als das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich wurde und der römische Sonnenwendekult übernommen wurde. So ist überhaupt erst das Kirchenjahr entstanden. Dieser staatliche Kult, der ins Christentum eingebaut wurde , und die Neuinterpretation der Sonnenwende als Geburt des Lichts der Welt, der großen Hoffnung, nämlich Jesus Christus, stehen in einem riesigen Geflecht von Winterbräuchen, die ähnliche Gedanken bewegen. Das sind alles Lichterfeste, bei denen man isst, den anderen vom Proviant etwas abgibt, Geschenke verteilt an die Schwächsten der Gesellschaft, auf den Frühling hofft und auf eine Wiedergeburt.
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