Heiterbildung: Wer hat Angst vorm bösen Markt?

Heiterbildung: Wer hat Angst vorm bösen Markt?

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Ferdinand Linzenich

Die Marktwirtschaft ist zum beliebtesten Sündenbock aufgestiegen. Kabarettist Ferdinand Linzenich über die verbale Treibjagd auf die Marktwirtschaft.

Früher waren ja die Amerikaner, die Israelis oder Helmut Kohl schuld an allem, was weltpolitisch schiefgelaufen ist. Seit Helmut Kohl nicht mehr im Amt ist und schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor Untersuchungsausschüsse gezerrt werden kann, war ein Platz für einen neuen Sündenbock frei. Deshalb ist das neueste Schreckgespenst die freie ungezügelte Marktwirtschaft.

Man hat ja den Eindruck, nicht einmal die FDP möchte zurzeit mit marktwirtschaftlichem Denken in Zusammenhang gebracht werden. Hätte der Markt eine feste Adresse, müsste er wohl täglich mit Drohbriefen, anonymen Anrufen und Schadensersatzklagen rechnen.

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Weshalb viele Politiker – allen voran die Bundeskanzlerin – ihn auch mit allen Mitteln unschädlich machen wollen. Das Problem ist nur, die Ritter vom Orden des wirtschaftlichen Anstands werden schon deshalb niemals zu wahren Robin Hoods werden können, weil der Markt auch nicht der böse Sheriff von Nottingham ist. Er ist nicht mal eine Windmühle. Womit sich auch ein – satirisch sicherlich reizvoller – Vergleich von Schäuble und Merkel mit Don Quijote und Sancho Pansa erübrigt.

Benutzt man die Metapher vom menschlichen Körper, ist der Markt weder das Herz noch das Hirn der Gesellschaft. Am ähnlichsten ist er noch der Leber. Ein Organ, das jeden Tag unauffällig Bilanz zieht über den Lebenswandel seines Besitzers, das lebenswichtige Enzyme für das Funktionieren des Organismus produziert, dabei enorme Belastungen verkraften kann und das man erst spürt, wenn es richtig krank geworden ist. Dann allerdings herrscht sofort akute Lebensgefahr.

Ich will jetzt nicht in eine Diskussion eintreten, wie viel Schnaps und fettes Essen eine Leber verträgt, da sind die Experten unterschiedlicher Meinung. Eins aber ist sicher – ohne Leber ist ein Körper nicht vorstellbar. Ebenso wenig wie eine Gesellschaft ohne Markt.

Es hat ja im 20. Jahrhundert jenseits des Eisernen Vorhangs einen groß angelegten Freilandversuch gegeben, eine marktfreie Gesellschaft zu entwickeln. Obwohl jede Form von marktwirtschaftlichem Handeln rigoros unterdrückt wurde, funktionierten die Marktgesetze im Hintergrund weiter und bilanzierten, nüchtern und unbeeindruckt von Plansoll und Ideologie, den Aufwand und Ertrag dieser Volkswirtschaften. So lange, bis die Bilanzen derart aus den Fugen geraten waren, dass die Arbeiter- und Bauernparadiese an ökonomischer Leberzirrhose eingingen.

Wie kommt es aber, dass sich in einer Welt, in der sich sonst nur Vulkane, Erdbeben und Aidsviren dem universalen Machtanspruch des Menschen widersetzen, dies auch für die Gesetze des Marktes gilt.

Vielleicht weil die Marktmechanismen keine menschliche Erfindung sind, sondern älter als unsere Spezies? Denn nicht nur menschliche Gesellschaften, sondern alle Ökosysteme basieren letztlich auf einfachen Marktmechanismen.

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