Helga Rübsamen-Waigmann: Forschen im Chefsessel

Helga Rübsamen-Waigmann: Forschen im Chefsessel

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Prof. Dr. Helga Rübsamen-Waigmann, Geschäftsführerin der Aicirus GmbH & Co. KG Bayer Pharmazentrum, Wuppertal

Als Helga Rübsamen-Waigmann Ende der Sechzigerjahre ihr Studium abschloss, begann man allmählich zu verstehen, dass Viren das Erbgut von Zellen so verändern können, dass diese unkontrolliert wuchern. Später gehörte sie zu den ersten Wissenschaftlern, die HIV-Tests entwickelten und Methoden erforschten, welche das Virus hemmen.

Auf Krebsviren und HIV folgten Hepatitis-Erreger und das Cytomegalie-Virus, das bei Transplantierten schwerste Erkrankungen verursachen und bei infizierten Neugeborenen zu Taubheit und Hirnschäden führen kann. Derzeit forscht sie außerdem an neuen Antibiotika, um die wachsende Zahl von Erregern zu bekämpfen, die gegen bekannte Medikamente resistent sind. Professionell, souverän und dabei locker und unprätentiös erzählt Helga Rübsamen-Waigmann, wie alles gekommen ist. Die Biochemikerin, Spezialistin für Infektionskrankheiten und Geschäftsführerin der Pharmafirma AiCuris ist eine Frau, die vieles erreicht hat und es einfach nicht nötig hat, Eindruck zu schinden. Mal entspannt zurückgelehnt, mal engagiert vorgebeugt, mit sparsamer und ungekünstelter Gestik schreitet sie ihre Karriere ab, aber auch Lebensphasen, in denen es einmal nicht so glatt lief: Die Trennung von ihrem Mann etwa, als der gemeinsame Sohn erst fünf Jahre alt war, die Probleme einer alleinerziehenden Mutter.

Alles begann mit einer Entscheidung, über die Helga Rübsamen-Waigmann im Rückblick nicht wirklich glücklich ist. Ein Medizinstudium hätte sie gereizt, doch allzu groß war ihre Sorge, als Ärztin vielleicht einmal einen Fehler zu machen, den sie sich selbst nicht verzeihen könnte. Sie studierte stattdessen Chemie in Münster: Um möglichst schnell darauf aufbauen zu können, wollte sie keine Zeit verlieren, machte im 7. Semester eine vorgezogene Diplomprüfung und promovierte mit nur 24 Jahren. "Ich wusste, die klassische Chemie wird nie mein Leben, sie war und ist aber eine ausgezeichnete Basis für meinen Berufsweg bis heute", sagt Helga Rübsamen-Waigmann. Weit mehr interessierte sich die frisch promovierte Chemikerin für lebendige Zusammenhänge. "Ich kriege ’raus, wie aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird", so das ehrgeizige Ziel der jungen Wissenschaftlerin. Ein Seminar der Studienstiftung, deren Stipendiatin sie war, hatte sie darauf gebracht, Krebs als "fehlgeleitetes zelluläres Programm" zu begreifen.

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Kein Babyjahr für Frau Direktor

Nun war sie den Viren auf der Spur, die solche Programmstörungen verursachen und ihren Krebsgenen, die spezielle Enzyme (Kinasen) produzieren. Das Handwerkszeug der Biochemie erlernte sie als Postdoktorandin an der Cornell Universität im US-Bundesstaat New York, das der Molekularbiologie später in Harvard. "Ein wunderbarer Ort zum Forschen, mit einer sehr stimulierenden Arbeitsatmosphäre", erinnert sich Rübsamen-Waigmann. Bleiben mochte sie indes nicht im gelobten Land der Wissenschaft: Die Angebote einer Assistenz-Professur von Cornell und Harvard lehnte sie ab – zugunsten von Angeboten in Deutschland, aber auch aus kulturellen Gründen: "Ich habe sehr gerne in den USA gearbeitet, wollte aber dort kein Kind großziehen."

Frauen, die forschen

Frauen, die forschen

So kam ihr Sohn in Deutschland zur Welt – wenn auch nicht gerade zum idealen Zeitpunkt im Hinblick auf ihre Karriere. Hochschwanger war Helga Rübsamen-Waigmann, als sie – inzwischen im Fach Biochemie habilitiert – gefragt wurde, ob sie die Leitung des Chemotherapeutischen Forschungsinstituts Georg-Speyer-Haus, einer Stiftung an der Universität Frankfurt, übernehmen wolle. "Das war ein Job, um den sich damals keiner gerissen hat", erinnert sich die Wissenschaftlerin. Mit einem Jahresetat von 20.000 Mark und nur drei Stellen schienen die Arbeitsmöglichkeiten in dem vernachlässigten Gebäude eher beschränkt. Rübsamen-Waigmann jedoch sah die Chance, hier an den gerade entdeckten Aids-Viren zu forschen. Direkt nach der Geburt ihres Sohnes begann sie mit der Arbeit. "Kein Babyjahr für Frau Direktor", kommentierte eine Zeitung seinerzeit.

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