High-Tech-Region Taubertal: Weltmarktführer in der Pampa

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High-Tech-Region Taubertal: Weltmarktführer in der Pampa

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Platz für Mensch und Maschinen: Grünsfelds Bürgermeister Joachim Markert.

von Thorsten Firlus

Im Main-Tauber-Kreis zwischen Wertheim und Rothenburg ob der Tauber versammeln sich 23 Weltmarktführer. Ihr Wachstum kennt vor allem eine Hürde: ausreichend Mitarbeiter zu finden.

Das Navi macht einen Bogen um das Taubertal. Auf dem Weg nach Bad Mergentheim lässt es auf der A 3, aus Richtung Frankfurt kommend, die Ausfahrt liegen und empfiehlt den Umweg über die A 81. Der ist schneller.

Effizient die Ziele erreichen – das Navi passt in diese Region, den Main-Tauber-Kreis. Als „lieblich“ bezeichnet das Marketing des Kreises das Taubertal. Das ist es auch mit seinen sanften Hügeln rechts und links der beschaulich mäandernden Tauber, aber es ist vor allem erfolgreich. Außer im Wettstreit um die Talente. Da unterliegt es München oder Hamburg, ja, auch der Region um Stuttgart.

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Die Einladung des Main-Tauber-Kreises lockt mit der Aussicht, einige der mehr als 20 Weltmarktführer zwischen Wertheim und Rothenburg ob der Tauber zu besuchen. Und ein wenig von der Kulturlandschaft zu genießen samt Schwarzriesling und Kurgarten. Sie liest sich wie eine Offerte, gleich für immer zu bleiben. „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, heißt es. Und weiter: „Optimale Bedingungen, um Arbeit und Familie in Einklang zu bringen: Attraktive Jobs und eine idyllische Wohngegend.“

Das hat sich nur noch nicht ausreichend herumgesprochen. Findet Jochen Müssig, Dezernent für Kreisentwicklung und Bildung, Wirtschaft, Tourismus und Kultur des Kreises. Die erste Pressereise soll das ändern, wenngleich die Resonanz der Medien auf Anhieb noch nicht so groß ist, wie erhofft. „Aber wir können ja nicht sagen, wir führen es nicht durch“, raunt Rico Neubert, Leiter des Amtes für Strukturentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus, einer Journalistin aus der Region vor der offiziellen Begrüßung zu. Gewiss, es kommen Menschen, aber es dürfen mehr sein. Zur Pressereise wie zum Leben und Arbeiten.

Hilfe, wir suchen!

Die Arbeitslosigkeit liegt im Main-Tauber-Kreis bei 3,4 Prozent. „Hilfe, wir suchen...“, beginnt das Stellenangebot einer Metzgerei auf einer großen Tafel an der B 290. Die ist zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim breit genug, damit Lkws überholt werden können, und Teil der Romantischen Straße. Die Zahl der Bewohner sank in den vergangenen zehn Jahren von 138.000 um 8.000. Geht es so weiter, rechnet Müssig für das Jahr 2030 mit nur noch 123.000. Der Trend soll sich ändern: „Unser Problem heißt Demografie. Kaufmännisch betrachtet, sind junge Leute ein rares Gut.“ Nicht nur, dass Ortschaften wie Assamstadt oder Boxberg-Windischbuch mit München oder Stuttgart beim Werben um Mitarbeiter aus dem In- und Ausland im Wettbewerb stehen – nein, selbst die lokale Jugend ist oft ahnungslos ob der Vorzüge der Region. „Ein Bad Mergentheimer Schüler weiß wenig darüber, was in Wertheim geboten wird“, sagt Müssig.

Raum für Ruhe: Historisches Fachwerk trifft auf nüchterne Nachkriegsarchitektur. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Raum für Ruhe: Historisches Fachwerk trifft auf nüchterne Nachkriegsarchitektur.

Bild: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Oder in Igersheim. Zum Beispiel Arbeitsplätze in Büros und Produktion, die direkt einem Prospekt für die Zukunft der Arbeit entnommen sein könnten. Das Unternehmen Wittenstein ist ein klassischer Mittelständler, hervorgegangen aus einer Nähmaschinenfabrik von 1949. Heute produziert es mit 1.800 Beschäftigten weltweit elektromechanische Antriebe und Getriebe, die unter anderem im Airbus A380 mitfliegen. Stephan Bug, Leiter Fertigung Elektronik am Standort Harthausen, sechs Kilometer von Igersheim entfernt, verkauft große Ziele mit der Sachlichkeit des Ingenieurs: Umsatzverdoppelung in fünf Jahren, 15 Prozent Wachstum jährlich. Dazu braucht es Mitarbeiter, die in der neu eröffneten Innovationsfabrik Bauteile entwickeln, konstruieren und zusammenbauen. Flexibilität ist hier Programm: Schreibtische wie Werkbänke lassen sich auf Rollen zu neuen Einheiten verschieben, je nachdem, was ein neues Projekt benötigt.

Ein kurzer Weg ist es hinauf zur Innovationsfabrik von dem älteren Bürotrakt, in dessen Entree Pop-Art von James Rizzi hängt. Im Hof bietet ein botanischer Garten mit Pflanzen aus allen Ländern, in denen Wittenstein vertreten ist, Entspannung. Mehrmals die Woche wird er von einem Gärtner gepflegt – eine Idylle, die die Mitarbeiter genießen können, während sie sich über ihre Laptops beugen. Geworben werden sie mit einem blauen Sofa auf Jobmessen. „Pioniere zu uns“ steht da drauf. Bug ist sich sicher, dass das Unternehmen viel zu bieten hat: „Hier bekommen sie einen Überblick über das ganze Produkt nicht nur einen Teil.“

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