Ikea-Effekt: Sechsjährige kennen den Wert harter Arbeit

Ikea-Effekt: Sechsjährige kennen den Wert harter Arbeit

Bild vergrößern

Eine Studie zeigt: Sechsjährige scheinen den Wert harter Arbeit zu schätzen.

von Daniel Rettig

Menschen schätzen Gegenstände höher ein, wenn sie an ihrer Entstehung beteiligt waren – aber ab wann wirkt der so genannte Ikea-Effekt? Eine neue Studie resümiert: Schon Sechsjährige kennen den Wert harter Arbeit.

Vor einigen Jahren bat der US-Psychologe Dan Ariely die Teilnehmer eines Experiments (siehe hier), Origami-Figuren zu basteln. Danach sollten die Probanden angeben, wie viel Geld sie für die Kreationen zahlen wollten – sowohl für ihre eigenen als auch für die Werke der anderen Freiwilligen.

Das Ergebnis: Alle wollten für ihre eigenen Figuren wesentlich mehr zahlen. Selbst wenn ihre Figürchen krumm und schief waren, fanden sie sie mindestens genauso wertvoll wie die Origami-Kunstwerke echter Profis.

Anzeige

Ariely taufte dieses Phänomen Ikea-Effekt, in Anlehnung an den schwedischen Möbelkonzern. Der profitiert seit Jahrzehnten davon, dass Hobby-Handwerker in der Freizeit freiwillig an kryptischen Bedienungsanleitungen verzweifeln und sich den Rücken krümmen, nur um hinterher umso stolzer auf das eigene Werk zu sein.

Gegenstände, an deren Entstehung Menschen persönlich beteiligt waren, mögen sie eben umso lieber. Aber die Frage ist: Ist dieser Mechanismus gewissermaßen erblich bedingt? Oder müssen wir ihn erst erlernen? Gibt es vielleicht sogar einen Zeitpunkt, ab dem Menschen den Wert harter Arbeit zu schätzen wissen?

Diesen Fragen widmete sich nun Avi Benozio von der Bar-Ilan Universität in Israel.

Für seine Studie, die demnächst im Fachjournal Psychological Science erscheint, teilte er 98 Kinder in zwei Gruppen. Die eine Hälfte war im Schnitt vier Jahre alt, die andere Hälfte sechs Jahre alt. Nun erfuhren sie, dass sie verschiedene Aufkleber gewinnen konnten, wenn sie einige Aufgaben lösten.

Doch mal waren diese Aufgaben herausfordernd. Die Kinder sollten soweit zählen, wie sie konnten oder das Alphabet aufsagen. Sie mussten sich also anstrengen. Andere mussten lediglich ein paar einfache Fragen beantworten. Etwa: Wie alt sie waren oder wie ihr Lehrer oder Kindergärtner hieß.

Im Anschluss erhielten alle Kinder zehn Aufkleber. Einige davon waren schön und in der jeweiligen Altersgruppe angesagt. Andere Sticker waren weniger attraktiv. Benozio sagte den Kindern nun, dass sie selbst entscheiden durften, wie viele Sticker sie mit einem anderen Kind teilen würden.

Wenig überraschend: Alle Altersgruppen gaben von den schönen Aufklebern weniger ab als von den weniger attraktiven. Doch als sich Benozio die Daten genauer ansah, stellte er fest, dass die Anstrengung einen erheblichen Einfluss hatte – zumindest bei der Gruppe der Sechsjährigen.

weitere Artikel zu diesem Thema

Hatten sie nur ein paar simple Fragen beantwortet, gaben sie immerhin 21 Prozent der schönen Aufkleber ab. Hatten sie jedoch die schwierigen Aufgaben gelöst, wollten sie nur zehn Prozent der Sticker teilen.

Bei den weniger angesagten Aufklebern war es dasselbe: Hier gaben sie 30 Prozent ab, wenn sie sich dafür kaum abgemüht hatten – aber nur 17 Prozent, wenn sie sich angestrengt hatten. Bei den Vierjährigen bemerkte Benozio diese Unterschiede nicht.

Offenbar wissen Sechsjährige also den Wert harter Arbeit zu schätzen – und können auch einschätzen, wann sie für verhältnismäßig wenig Aufwand viel Ertrag bekommen. Dann sind sie umso eher dazu bereit, auf einen Teil dieses Ertrags zu verzichten – auch wenn er noch so attraktiv erscheint.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%