Universität Dortmund mit dem Projektpartner Martin Luther King Gesamtschule, Dortmund Junior Business School (JBS) Anlass für die Initiative Ökonomische Grundkenntnisse sind nicht nur in den beruflichen, sondern auch in den privaten Lebensbereichen zwingend erforderlich. Indiz für einen Mangel an solchen Kompetenzen ist z.B. die stark gestiegene Verschuldung bei Jugendlichen. Daher muss mehr ökonomische Bildung in allgemein bildenden Schulen integriert werden. Durch das Fehlen eines eigenständigen Faches Wirtschaft werden ökonomische Sachverhalte nur sporadisch und isoliert in den herkömmlichen Unterrichtsfächern aufgegriffen. Der Wirtschaftsdidaktiker Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening, Dortmund entwickelte ein innovatives Konzept, um ökonomische Denk- und Handlungsweisen mit modernen Lernkulturtechniken in der Oberstufe allgemeinbildender Schulen zu kombinieren. Univ.-Prof. Dr. Krafft von der Universität Münster stand hierbei beratend zur Seite. Frau Dr. Elke Neumann, Oberstufen-Koordinatorin der Martin-Luther-King-Gesamtschule, Dortmund-Dorstfeld erfuhr von diesem Konzept und ermöglichte die Realisierung eines Pilot-Projektes. Die Junior Business School konnte 2005 erstmals starten. Zielgruppe und spezielle Zielsetzung Die Junior Business School richtet sich an Schüler der Sekundarstufe II der allgemein bildenden Schulen. Die Ziele dieser Bildungsmaßnahme sind: • die Auseinandersetzung mit ökonomischen, insbesondere betriebswirtschaftlichen, Grundkenntnissen, • die Heranführung an die wirtschaftliche Praxis durch einen ganzheitlichen und spielerischen Zugang, • die Vorbereitung auf eine kaufmännische Berufsausbildung bzw. ein betriebswirtschaftliches Studium, • das Training von Selbstlern- und Medienkompetenz und • die Förderung von Eigenverantwortlichkeit, Leistungsbereitschaft und Engagement der Jugendlichen. Von Anfang an wurde das Konzept derart gestaltet, dass es bundesweit multiplizierbar ist. Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen) Die Junior Business School dauert 12 Monate und ist modular aufgebaut. Im ersten Halbjahr wird in das Rechnungswesen und in die Finanzbuchhaltung eingeführt. Dies geschieht, nach gemeinsamen ersten Schritten in Präsenz-Workshops an der Schule, mit Hilfe computergestützter Lernwerkzeuge. Die Lernwerkzeuge sind fallstudienbasiert und erlauben es den Lernenden Kenntnisse und Techniken unmittelbar, erfahrungsanalog und in praktischen Situationen anzuwenden. In Praktikerseminaren wird insbesondere die Unternehmensgründung thematisiert. Abschluss des ersten Halbjahres bildet ein Rollenspiel zu Tarifverhandlungen, bei dem die Schüler die Positionen von Arbeitgeber, Betriebsrat, Gewerkschaft und Schlichter einnehmen. Im zweiten Halbjahr wird die Finanzbuchhaltung vertieft und der Wirtschaftskreislauf als volkswirtschaftliches Modell aufgegriffen. Höhepunkt und Abschluss des Gesamtkurses bildet eine Unternehmenssimulation. Die Schüler werden zu Vorständen einer Aktiengesellschaft und führen ihr Unternehmen. Begleitet wird diese Erarbeitungsphase von Tele-Tutoren, die für inhaltliche Fragen jederzeit zur Verfügung stehen. Neben der Lernsoftware kommt eine internet-gestützte Lernplattform zum Einsatz. Auf diese Weise können Dokumente veröffentlicht werden und die Lernenden miteinander kommunizieren. Erfahrungen bei der Umsetzung Die Pilotphase der Junior Business School war ein voller Erfolg. Über die Martin-Luther-King Gesamtschule hinaus konnte die Initiative bereits auf die Anne-Frank Gesamtschule und das Reinoldus und Schiller Gymnasium ausgeweitet werden, es bestehen weitere Anfragen aus Münster und Bielefeld. Die beteiligten Veranstalter stehen jetzt vor der Herausforderung, die Initiative mit starken Partnern überregional anzuschieben. Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland? Die Junior Business School fördert die Etablierung ökonomischer Bildung in allgemein bildenden Schulen. So werden derzeit mit der zuständigen Bezirksregierung die Voraussetzungen geprüft, um eine Aufnahme der Junior Business School als Abiturfach zu ermöglichen. Mit dem Abschluss der Junior Business School erhalten die Schüler ein Zertifikat der Universität Dortmund, das ihnen bei späterer Aufnahme eines betriebswirtschaftlichen Studiums als Leistungsnachweis im Fach Technik des betrieblichen Rechnungswesens anerkannt wird. Die Erhöhung der ökonomischen Bildung und damit einhergehend die Stärkung der informations- und kommunikationstechnologischen Kompetenz erhöht die Berufsfähigkeit von Jugendlichen und schafft Kontakte zu Hochschule und regionaler Wirtschaft. Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise? Bislang ist die Stärkung der ökonomischen Bildung in allgemein bildenden Schulen auf unverbundene Einzelmaßnahmen beschränkt, wie z.B. Planspiel Börse, Startup Werkstatt, Go! to School oder Jugend gründet. Das Konzept der Junior Business School integriert ökonomische Bildung systematisch in das Schulgeschehen und richtet einen ganzheitlichen Blick auf die Wirtschaft. Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- bzw. Organisationsentwicklungskonzept eingebunden? Neben den Schülern nehmen parallel auch sozialwissenschaftliche Lehrkräfte an der Junior Business School teil. Sie bilden sich weiter und können die Initiative mittelfristig selbst tragen. Die Hochschule kann sich auf die Weiterentwicklung des Konzeptes und der computergestützten Lernwerkzeuge konzentrieren sowie die Multiplikation der Initiative weiter vorantreiben. Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei? Die Schüler erarbeiten sich einen Teil des Stoffes mittels der eigen entwickelten und auf die speziellen Anforderungen abgestimmten computergestützten Lernwerkzeuge selbständig. Dies beinhaltet sowohl die Erarbeitung der fachlichen Inhalte als auch die selbstständige Überprüfung und Vertiefung der Lernerfolge anhand von Aufgaben. Zudem wenden die Schülerinnen und Schüler das neu erworbene Wissen auf praxisbezogene Fallstudien an. Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet? Die Junior Business School basiert auf dem Blended-Learning Modell. Dieses setzt sich aus tutoriell begleitenden E-Learning Phasen kombiniert mit Präsenzphasen zusammen. Die Präsenzphasen beinhalten jeweils ein Praktikerseminar und ein Tutorium pro Monat. Die Präsenzphasen sind handlungsorientiert aufgebaut und umfassen Elemente wie Rollenspiele, Planspiele oder Fallstudien. Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen? Es wird zusammen mit den Schülern die Bedeutung des lebenslangen Lernens als ein essentieller Bestandteil einer Wissensgesellschaft erarbeitet. Zudem werden Medien- und Selbstlernkompetenzen als Voraussetzung für arbeitsplatzbezogenes Lernen trainiert. Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt? Das Konzept wurde von Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening von der Universität Dortmund entwickelt. Er wurde dabei von Univ.-Prof. Dr. Dietmar Krafft von der Universität Münster beraten. Bei der Umsetzung der computergestützten Lernwerkzeuge wurde auf die Fachkompetenz der iLearning GmbH, Dortmund zurückgegriffen. Die Adaption an die schulische Wirklichkeit wurde von Frau Dr. Neumann, Martin-Luther-King Gesamtschule Dortmund unterstützt. Als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer ganzheitlichen Sichtweise wurde der Schwerpunkt auf die Situation klein- und mittelständischer Unternehmen gelegt. Aus diesem Umfeld rekrutieren sich auch die Fachkundigen für die Praktikerseminare. Geben Sie den Kostenträger der Initiative an Die Kosten tragen: • die Schülerinnen und Schüler, mit einem Eigenbetrag von insgesamt EUR 70 für Lernmaterialien • die Schule, die Hochschule, die Dozierenden aus Hochschule und Wirtschaft, durch Übernahme der eigenen Kosten • iLearning GmbH, Dortmund mit der Vorfinanzierung der Entwicklungskosten für die computergestützten Lernwerkzeuge Ansprechpartner Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening, Universität Dortmund, Otto-Hahn-Str. 6, 44221 Dortmund
Initiativpreis Aus- und Weiterbildung: Die drei Preisträger
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