Internet: Google verliert an Attraktivität

Internet: Google verliert an Attraktivität

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Michael Forster, 32, Softwareentwickler bei Google: Der promovierte Informatiker programmiert die SMS-Funktionen für Google weltweit.

Mit seinen jüngsten Zahlen konnte Google positiv überraschen. Doch der Suchmaschinenbetreiber muss sparen und verliert so an Attraktivität. In den USA stürzte Google schon vom Treppchen der beliebtesten Arbeitgeber.

Die Zeiten, in denen Google-Software-Entwickler und Absolventen magnetisch angezogen hat, scheinen vorbei. Im vorigen Jahr musste das Unternehmen sogar einige prominente Mitarbeiter ziehen lassen. Doch am meisten schmerzte viele Angestellte wohl der Abgang von Josef Desimone. Denn als Chefkoch war er immerhin für das legendäre Essen in der kostenlosen Kantine in Mountain View verantwortlich.

Doch der kocht nun für Mark Zuckerberg und seine Angestellten beim sozialen Netzwerk Facebook. Desimone folgte der ehemaligen Vertriebschefin Sheryl Sandberg, die nun bei Facebook das Tagesgeschäft leitet. Auch der Kommunikationschef und der ehemalige Finanzvorstand der Google-Tochter Youtube wurden von dem aufstrebenden Konkurrenten abgeworben.

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Bei Facebook lockte zum einen die Aussicht auf Aktienoptionen, die deren Besitzer bei einem möglichen Börsengang oder Verkauf reich machen würde. Doch auch für viele Mitarbeiter aus der zweiten Reihe hat Google als Arbeitgeber stark an Attraktivität verloren. In der Rangliste der beliebtesten Arbeitgeber in den USA, die das Magazin „Fortune“ jährlich erstellt, ist der Suchmaschinenbetreiber nach zwei Jahren an der Spitze nun vom Treppchen gestürzt. In Deutschland liegt Google bei Informatikern hingegen auf dem ersten Platz. Neben quietschbunden Kletterwänden, kultigen Mitarbeitertreffen, wie dem "World Pyjama Day", lockt natürlich vor allem das Image der Softwareschmiede.

Doch in der aktuellen US-Liste rangiert Google nur noch auf Platz 4. Die ersten drei Plätze belegen nun der Spezialist für Datenspeicher NetApp, das Investment-Unternehmen Edward Jones und die Boston Consulting Group. Als einziges deutsches Unternehmen findet sich T-Mobile auf Platz 96. Bei NetApp lobte „Fortune“ die legendäre Gleichbehandlung der Mitarbeiter und zahlreiche Boni, während Google in letzter Zeit zahlreiche Extras, wie den jährlichen Skiausflug gestrichen hat.

Zahlen übertreffen Erwartungen

Zwar überraschte das Unternehmen mit seinen Zahlen für das vierte Quartal positiv und übertraf die Erwartungen der Analysten, doch der Nettogewinn ging von 1,21 Milliarden Dollar auf 382 Millionen Dollar zurück. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar.

Es war der bisher erste Gewinnrückgang bei dem erfolgsverwöhnten Internet-Riesen, der Grund dafür waren jedoch verschiedene Sonderausgaben. Massiv belastet wurde der Gewinn von einem umfangreichen AktienVergütungsprogramm für die Beschäftigten und Abschreibungen von fast 1,1 Milliarden Dollar auf Beteiligungen an den Internet-Unternehmen AOL und Clearwire.

Im Kerngeschäft von Google  - den Klicks der Nutzer auf Anzeigen im Umfeld von Ergebnissen der Internet-Suche - gab es im Jahresvergleich ein Plus von 18 Prozent. Auch gegenüber dem Vorquartal legte die Zahl der sogenannten bezahlten Klicks um zehn Prozent zu. Die Wachstumsraten waren deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Allerdings hatten einige Branchenexperten schon seit einem Jahr immer wieder mit regelrechten Einbrüchen in dem Geschäft gerechnet, die bisher nicht eintrafen.

Doch nach Jahren des Wachstums muss Google sparen. Die teuere Tochter Youtube bringt bislang kaum Geld ein, andere Projekte wurden ganz gestoppt. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte hat das Unternehmen jüngst Entlassungen angekündigt. 100 Stellen sollen in der Abteilung für Personalsuche gestrichen werden.

Ärger über gesparte Schokolade

Es sind auch Kleinigkeiten, die viele Mitarbeiter ärgern und zu einer Reihe von Kündigungen führen. „Ich war sehr enttäuscht, als die heiße Schokolade aus den Mini-Küchen verschwand, ich hoffe die 20 Cent am tag waren es wert“, wettert Aaron in einer Mail. Google hat verschiedene Ex-Mitarbeiter in einer Diskussionsgruppe über ihre Kündigungsgründe befragt, die das Branchenblog „Techcrunch“ veröffentlichte. Besonders viele beklagten auch die, im Vergleich zu Konkurrenten der Branche, schlechte Bezahlung.

Auch die langen und umständlichen Einstellungsverfahren, Bürokratie und die Arbeitsatmosphäre wurden bemängelt. So soll sich Google-Mitbegründer Larry Page noch jede Bewerbung einzeln anschauen. Wer nicht im Hauptquartier in Mountain View arbeite, würde kaum wahrgenommen. Mit dem Wachstum des Unternehmens hätte sich vieles verschlechtert. Google wandelt sich anscheinend zu einem normalen Unternehmen.     

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