Jungmanager: Vom Hörsaal in die Chefetage

Jungmanager: Vom Hörsaal in die Chefetage

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Sicher scheint Jungmanagern seit der Finanzkrise nichts mehr zu sein - außer ihr eigenes Können. wiwo.de hat drei junge Manager aus drei Branchen begleitet: Finanzbranche, Public Relations und Hotellerie. Trotz ihrer verschiedenen Tätigkeiten eint sie, ihr Arbeitseifer und ihr Ziel vor Augen: sich eine gute Zukunft aufzubauen.

Mit 14 las er regelmäßig Wirtschaftsartikel, mit 16 eröffnete er sein erstes Wertpapierdepot, sein Master-Studium finanzierte er sich größtenteils aus Aktiengewinnen. Heute ist Stefan Kempf 32 Jahre alt und leitet der Finanzabteilung der Vantargis AG. Für den noch jungen Finanzdienstleister macht er das Fund Raising: Kempf besorgt die Gelder, die seine Kollegen an mittelständische Unternehmen verleihen. Dass er Karriere im Finanzsektor machen will, sei ihm schon immer klar gewesen. „Mein Vater war Ingenieur und hat sich immer gewünscht, dass ich auch einer werde. Doch da hatte ich irgendwie keinen Bezug zu. Wenn ich aber die Wirtschaftswoche gelesen habe, dann habe ich gemerkt, dass mir Wirtschaft und Finanzen mehr liegen“, sagt Kempf.

Die Mehrheit der heutigen Jungmanager erging es ähnlich: 63 Prozent haben schon früh erkannt, welche Berufsrichtung für sie infrage kommt. Dass sie dabei auch erfolgreich sein und Karriere machen wollen, wussten 49 Prozent schon früh. Dies geht hervor aus der Young Executives‘ Study („Yes“) von PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Unternehmensberatung befragte branchenübergreifend 302 Nachwuchs-Führungskräfte unter 40 Jahren. Die Verantwortungspositionen reichen von Teamleitern, über Abteilungsleiter bis hin zu Vorstandsmitgliedern oder gar Inhabern.

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Rund 655.000 Erwerbstätige in Führungspositionen zwischen 15 und 39 Jahren gibt es in Deutschland laut dem EU-Statistikamt „Eurostat“. In der EU sind es etwa sechseinhalb Millionen. Diese Zahlen sind vergleichsweise niedrig, ältere Semester dominieren die  Chefetagen. Knapp eineinhalb Millionen Führungskräfte sind in Deutschland zwischen 40 und 64 Jahren alt, in der EU sind es 11.400.000. In diese Statistik fließt jedoch außer der Privatwirtschaft auch der öffentliche Dienst mit leitenden Beamten ein.

Mehr Verlustängste

Dass sich diese kleine Gruppe junger Führungskräfte durch eine weltweite Wirtschaftskrise schlagen muss, hätten wohl die wenigsten erwartet. Diesen Herbst jährt sich die Lehman-Pleite, der Krisen-Auslöser, zum zweiten Mal. PwC befragte die Jungmanager vergangenes Jahr als die Welt von der Krise erschüttert war – die Auswirkungen sind bis heute zu spüren: Während sich die Industrie erholt, ist vor allem der Bankensektor noch angeschlagen. Auch die Lebensstrategien junger Manager hat die Krise beeinflusst.

„Wir sind ängstlicher geworden. Wir tragen mehr Verlustängste in uns als die 68er-Generation“, sagt etwa Lena Siep. Die Eltern der 28-jährigen PR-Managerin Europa des Automobilkonzerns McLaren Automitive konnten in den Siebzigern noch ihre Jobs kündigen, um drei Monate in den Urlaub zu fahren. Wieder daheim, haben sie leicht eine neue Anstellung gefunden: Für dieses Vorhaben braucht es ein Gefühl von Sicherheit – das hat heute kaum noch jemand: „Risiko ist Teil der heutigen Arbeitsatmosphäre.“

Damit trifft Lena Siep den Nerv der heutigen Jungmanager-Generation: 67 Prozent der Befragten der PwC-Studie sagen, dass heute insgeheim jeder Angst hat seinen Job zu verlieren. 57 Prozent befürchten konkret, dass ihr Unternehmen Personal abbauen wird. Und überhaupt sei der Ton durch die Wirtschaftskrise in den Führungsetagen rauer geworden: Dies finden ganze 78 Prozent.

Erich Barthel bestätigt diesen Eindruck. „Die Leute sind ängstlicher, hektischer und auch rauer geworden“, sagt der Professor für Unternehmenskultur und Personalführung an der Frankfurt School of Finance & Management. „Vor fünf Jahren konnte man noch einfacher eine Gehaltserhöhung durchsetzen“, nennt er als Beispiel für die neue Arbeitswirklichkeit. „Heute heißt es, dass es nur mehr Lohn gibt, wenn man bestimmte Leistungen zeigt – und oft heißt es auch, dass diese Leistungen noch nicht erbracht wurden.“ Diese Situation verunsichert vor allem die vergleichsweise unerfahrenen Chefs von Morgen: „Vor drei Jahren kannte keiner eine Finanzkrise und konnte sich das auch nicht vorstellen.“

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