Karriere: Der Kritzelmeister von Google

Karriere: Der Kritzelmeister von Google

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Google-Doodle zum Geburtstag von Blindenschrifterfinder Louis Braille (Januar 2006)

Dennis Hwang ist der bekannteste unbekannte Künstler der Welt. Sie kennen ihn nicht? Eben. Aber wie Millionen andere Menschen kennen Sie seine Bilder: Sie zieren die Startseite von Google und heißen Doodles.

Hätte er damals auf sein Herz gehört, wäre wahrscheinlich alles ganz anders gekommen. Dann wäre Dennis Hwang vielleicht tatsächlich ein hungernder Künstler geworden, der sich in den Straßen von New York mit Karikaturen von Touristen durchschlägt.

Porträts malen, Animationsfilme zeichnen – das war sein Traum. Doch für einen Sommer verabschiedet er sich von dem Ziel. Ein Bekannter überredet ihn, als Praktikant bei einem unbekannten Suchmaschinen-Startup einzusteigen, als Assistent des Webmasters. Bei Google.

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Acht Jahre später sitzt Dennis Hwang auf einem plüschigen Sessel in der Bibliothek des neuen Google-Entwicklungszentrums in Zürich und sagt, dass er einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Deswegen ist er heute einer der wichtigsten Mitarbeiter des wichtigsten Internet-Unternehmens und einer der bekanntesten unbekannten Designer der Welt.

Zu besonderen Anlässen verziert Hwang das Logo der Suchmaschine Google mit kleinen Bildern. Doodles nennt sie Google, zu Deutsch: „Gekritzel“.

Am Weltwassertag etwa lässt er ein paar Tropfen aus den beiden „o“ des Firmenschriftzugs plätschern, zum Geburtstag des Bauhaus-Gründers Walter Gropius verwandelt er die Google-Buchstaben in Kasten-Häuser und zum Gedenken des norwegischen Malers Edvard Munch zerfließt einer der Buchstaben zu einem schreienden Gesicht.

Mehr als 180 Millionen Menschen sehen seine Zeichnungen jeden Tag. Und wenn wieder ein neuer Hwang auf die Seite geladen wird, gebe es „Wäschekörbe voll“ mit Fanpost, heißt es bei Google. Etwa 50 solcher Doodles produziert Hwang im Jahr.

Dabei zeichnet er nur im Nebenberuf. Den größten Teil des Tages ist er Webmaster Manager. Mehr als 40 Menschen arbeiten für ihn in Mountain View, der Google-Zentrale in Kalifornien. Hwang verantwortet alles, was auf der Google-Seite zu sehen ist: Links, Anleitungen, Werbekästen – nichts wird verändert, ohne dass er es abgesegnet hat. Er ist Chef aller Google-Webmaster weltweit, ein Chef mit Bubengesicht.

Obwohl er vor einigen Wochen seinen 30. Geburtstag feierte, sieht er immer noch aus wie der 22-jährige Praktikant von damals. Er lacht viel, seine Augen mustern seine Gesprächspartner aufmerksam und am Ende bedankt er sich artig für das Treffen. Hwang ist ein Mensch, den man mögen möchte. Er ist wie Google: jung, verspielt, lustig – und kreativ.

Konzeptionell seien die Doodles „brillant“, sagt Paolo Tumminelli, Professor an der International School of Design in Köln. Mit ihnen gehe Google „einen sehr interessanten neuen Weg“, sagt Karen Heumann, Geschäftsführerin der Werbeagentur Jung von Matt.

Denn so stark wie Google variiert kaum ein Unternehmen seinen Markenauftritt. Aus gutem Grund: Wer an dem Logo herumfummelt, „kann Glaubwürdigkeit einbüßen“, sagt Florian Haller von der Kommunikationsagentur Serviceplan. Bei Google sei das jedoch unproblematisch, sagt Haller, „weil der spielerische Umgang mit dem Logo zum Unternehmen passt“. Dabei gäbe es viel zu verlieren: Die Marktforschungsgruppe Millward Brown sieht die Suchmaschine mit einem Markenwert von 66 Milliarden Dollar als wertvollste Marke der Welt – noch vor Microsoft.

Religion ist tabu

Mit den Doodles will das Unternehmen zeigen: Seht her, wir nehmen uns gar nicht so ernst. Eigentlich waren die Bildchen sowieso als Witz gedacht.

Das erste Doodle war eine Art grafische Abwesenheitsansage der beiden Google-Gründer. Kurz bevor Larry Page und Sergey Brin im Jahr 1998 ins Auto stiegen, um in die Wüste von Nevada zum Kunstfestival Burning Man zu fahren, montierten sie einen brennenden Mann zwischen die Google-Buchstaben.

Sie wollten zeigen: Wir sind weg. Wenn etwas nicht funktioniert, können wir auch nichts machen. Außer den beiden hatte das Startup noch keine Mitarbeiter. Der brennende Mann kam so gut an, dass Page und Brin beschlossen, die Aktion zu wiederholen.

Seit diesem Tag gibt es zwei ungeschriebene Gesetze für Doodles: Sie dürfen nicht trivialisieren und Religion ist tabu. Deswegen wird die blau-rot-gelb-blau-grün-rote Buchstabenfolge niemals zu einstürzenden World-Trade-Center-Türmen. Und die Weihnachts-Doodles werden sich immer auf Schneemänner und Lebkuchenherzen beschränken. Ein kleines Schmunzeln dürfen sie auslösen, mehr aber nicht.

Kann es dann Kunst sein, was Hwang macht? „Ich setze für die Doodles mein gelerntes künstlerisches Handwerk ein“, sagt er. Das ist heute so, und das war sein Schlüssel, um bei Google aufzufallen: Schon während seiner Zeit als Praktikant spricht sich herum, dass er an der Elite-Uni Stanford nicht nur Computerwissenschaft studiert, sondern im Hauptfach Kunst belegt. Und weil inzwischen regelmäßig Doodles von Grafikern zugeliefert werden, bekommt er den Job, die Logos aufzuhübschen und ins Netz zu laden.

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