Karriere: Karrierefaktor Sex

Karriere: Karrierefaktor Sex

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Karrierefaktor Sex: Die Sexualität beinflußt berufliche Erfolge enorm.

Sex und Leidenschaft sind mehr als menschliche Triebe. Tatsächlich beeinflusst die Sexualität enorm berufliche Erfolge – und die wiederum das Sexleben. Wie beide zusammenwirken.

Jens, 46, ist Röntgenarzt mit einer gut gehenden Praxis in der Nähe von Stuttgart. Er hat Erfolg und strahlt das auch aus. Dieses Glück, sagt er, habe er auch einem Sexualleben zu verdanken, das er mit seiner Partnerin Katerina teilt. Auch sie versichert, dass Arbeitslust und Produktivität in ihrem Job mit ihrer Liebe zu Jens und ihrer gemeinsamen Lust an der Leidenschaft einhergehen. „Es ist immer wieder so“, sagt Jens, „dass meine euphorische Stimmung nach dem Sex noch eine Weile im Job nachhallt.“

Von Sexualität, das zeigt nicht nur das Bekenntnis des Röntgenarztes, der lieber anonym bleiben will, geht eine Dynamik aus, die im Berufsalltag fortwirkt. Oft verleiht sie den Schwung, auf dem Karrieren vorankommen und Pläne zur Wirklichkeit werden. „Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten“, schrieb der bekennende Erotomane Johann Wolfgang Goethe in „Iphigenie auf Tauris“. Das war 1787.

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Und heute? Wer sich auf die Suche nach wissenschaftlichen Belegen für den positiven Einfluss von Sexualität, Liebe und Partnerschaft auf Tatendrang und Karriere macht, begibt sich in ein Gebiet, das von der Wissenschaft noch vernachlässigt wird. Forscher und Mediziner sind vor allem Verwalter der Not: Sexualwissenschaftler beschäftigen sich mit sexuellen Dysfunktionen. Gynäkologen kümmern sich um Hormonstörungen und Unfruchtbarkeit. Psychologen reden über die zunehmende Unlust von Paaren, und Pharmaforscher suchen nach Potenzmitteln für Männer und Frauen. Selbst in der Positiven Psychologie des amerikanischen Forschers Martin Seligman, die nach dem Prinzip verfährt, menschliche Charakterstärken kontinuierlich aufzubauen statt sich auf Probleme zu fixieren, kommt Sex als stärkende Kraft kaum vor.

Dabei ist Sexualität eine mächtige Triebfeder in unserem Leben. Es geht um den Austausch von purer Energie, um Leidenschaft, absolute Nähe und nicht zuletzt um eine Form der engsten Kommunikation zwischen zwei Partnern. In der klassischen Bedürfnispyramide des US-Psychologen und Managementlehrers Abraham Maslow gehört Sex — neben Ernährung, Wärme, Aktivität und Neugier — zu den grundlegenden körperlichen und primären Bedürfnissen, die befriedigt sein müssen, um im Beruf immer weiter motiviert zu sein.

Sie kann aber auch zu einer Karrierebremse werden, wie Sexskandale belegen, die alle Quartale wieder die Schlagzeilen beherrschen. Zuletzt geriet der Präsident des Automobil-Weltverbandes, Max Mosley, ins Zwielicht, weil er an einer Sexparty mit fünf Prostituierten teilgenommen haben soll. Lange war fraglich, ob er nach dieser Affäre an der Spitze der Formel 1 noch eine Zukunft haben könnte — er bleibt im Amt, trotz erheblicher Widerstände. Bizarre Vorgänge und Sexspiele prägten auch den VW-Skandal um bezahlte Lustreisen für Betriebsräte, über die VW-Manager gleich reihenweise zu Fall kamen. Nicht nur schlechter, auch öffentlich gewordener Sex kann Karrieren killen.

Sex macht stark

Im Glücksfall hingegen wirkt guter Sex wie ein Erfolgsaphrodisiakum – für den es allerdings keine allgemeingültige Definition gebe, wie der Bonner Neuro-Urologe André Reitz sagt: „Sexualität ist radikal individuell“. Wie erfüllter Sex dem Berufserfolg auf die Sprünge hilft, ist zuallererst eine höchst persönliche Erfahrung.

Das kann Sven nur bestätigen. Der 42-Jährige ist selbstständiger Bauleiter und koordiniert von Hamburg aus Großprojekte wie den Bau von Hotelanlagen. „Mit 35 war meine Karriere am Ende. Ich war angestellt und lebte in einer nicht mehr funktionierenden Beziehung. Nichts lief mehr: weder der Sex noch der Job“, sagt Sven.

Druck gab es von allen Seiten: Die Freundin erwartete Sex nach Zeitplan, weil sie unbedingt ein Kind wollte; die Firma zog ihn zur Rechenschaft, wenn Fristen nicht eingehalten wurden. „Ich hielt das irgendwann nicht mehr aus, löste mich aus der Beziehung und kündigte.“

Er begann eine MBA-Ausbildung und machte sich mit einem Beratungsunternehmen selbstständig. Mit der Karriere ging es allerdings erst richtig bergauf, als Sven seine neue Freundin Claudia kennenlernte. „Die ungezwungene Sexualität zwischen uns macht mich stark“, gibt er freimütig zu. Heute könne er sich in den oft harten Verhandlungen mit Bau- und Projektleitern besser durchsetzen und managt mittlerweile Millionenprojekte. „Klar hat das auch mit meiner Qualifizierung zu tun, die gute sexuelle Beziehung zu Claudia nimmt mir vor allem aber die Angst zu versagen.“

Verliebtheit wirkt wie ein Stimulans; gleich einem Muntermacher für eine müde gewordene Lust auf beruflichen und privaten Erfolg. Als sich etwa die IT-Expertin Maren, 35, neu verliebte, strahlte sie eine Aura aus, die sie und andere motivierte – „und zwar auf eine Weise, die mich überraschte“, sagt sie. Mit einem Mal schienen ihre Vorschläge überzeugender, ihre Präsentationen erhielten mehr Aufmerksamkeit als sonst, ihr Auftritt war insgesamt souveräner und selbstbewusster.

Maren genoss den zusätzlichen Motivationsschub, die erhöhte Aufmerksamkeit und Anerkennung, deren Ursachen sie vor den Kollegen freilich verschwieg. Erst vor Kurzem hat sie sich intern als stellvertretende Abteilungsleiterin beworben – ein Job, den sie sich vor Monaten überhaupt nicht zugetraut hätte. Inzwischen traut sie sich mehr zu, Motto: Im Bett klappt’s wunderbar – warum nicht auch im Job?

Ein solchermaßen neu gewonnenes Selbstbewusstsein kennen Psychologen aus Beratungsgesprächen. Liebe und sexuelle Lust lassen die Persönlichkeit in Fluss geraten, machen Veränderungen möglich und „geben den Schwung, eine neue Lebensphase zu beginnen“, wie die New Yorker Psychiaterin und Paartherapeutin Ethel Person bestätigt.

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