Karriere: Up durch die Mitte - Seite 2

Karriere: Up durch die Mitte

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Trotz solcher Vorzüge plagen viele mittelständische Unternehmen Nachwuchssorgen. Eine aktuelle BDI-Studie besagt: 57 Prozent der Mittelständler mit mehr als 500 Beschäftigten haben Probleme, akademische Berufseinsteiger für sich zu gewinnen. Anders als die Konzerne können sie nicht auf die Zugkraft ihres Namens bauen. Im Gegenteil: Auch große Mittelständler mit 2000 Mitarbeitern sagen der Masse der Hochschulabsolventen nichts. Die innovativen und international agierenden Unternehmen unter ihnen sind den Experten zwar als sogenannte Hidden Champions – als versteckte Sieger – bekannt. Nicht jedoch den Hochschulabsolventen. Um ihre Trümpfe besser auszuspielen, engagieren sich immer mehr Mittelständler auf speziellen Firmenkontaktmessen, wie etwa dem vom Entrepreneurs-Club ausgerichteten „Mittelstandstag“. Der nächste findet am 18. und 19. Oktober auf dem Gelände der Firma Peri in Weißenhorn statt – und damit bereits zum zweiten Mal. Allerdings bleibt die Veranstaltung vorher ausgewählten Absolventen vorbehalten. „Die Vorauswahl macht die Veranstaltung zielgerichteter“, lobt André Köpff das Konzept. Zugelassen werden nur Absol-venten, deren Qualifikationen von den ausstellenden Unternehmen gesucht werden – und die sich für deren Branchen interessieren. Köpff selbst fand so 2006 seinen Arbeitgeber: Seit einigen Monaten ist er Vorstandsassistent bei Uzin Utz, einem Hersteller von Produkten für das Verlegen von Bodenbelägen und Maschinen für die Bodenbearbeitung. Warum er sich ausgerechnet dafür entschieden hat? „Weil man sich dort für mich interessierte“, sagt Köpff. Ihm imponierte, dass er sich auf der Recruitingmesse direkt mit einem Vorstandsmitglied unterhalten konnte. „Konzerne sind sonst eher durch Personaler vertreten.“ Größten Wert legte der Akademiker zudem auf die internationale Ausrichtung seines künftigen Arbeitgebers. Köpff hat in Amsterdam International Business and Management Studies studiert, verbrachte jeweils ein Jahr in den USA und in Singapur. Er fand es verlockend, dass Uzin Utz neben etlichen Vertriebsniederlassungen auch Produktionsstätten im Ausland besitzt. „Dadurch ergeben sich spannende Perspektiven. Mein Vorgänger geht jetzt nach Shanghai, als Area Manager.“ Solche Karrieren kommen immer öfter vor. Die internationale Ausrichtung der kleinen und mittleren Unternehmen habe in Deutschland deutlich zugenommen, heißt es auch im KfW-Mittelstandsmonitor 2007. Vor allem Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes seien im Ausland aktiv. Die Folge: Hier sind nicht mehr nur solide Pragmatiker gefragt, sondern flexible Manager mit guten Fremdsprachenkenntnissen und interkultureller Kompetenz. Doch nicht jeder Berufseinsteiger eignet sich für eine Laufbahn im Mittelstand. „Einzelkämpfer mit Ellenbogenmentalität haben keine Chance“, sagt Unternehmerberaterin Meyer. In kleinen Unternehmen, wo jeder jeden kennt, ist die Kooperation mit Kollegen viel wichtiger als in einem Konzern mit festen Strukturen. Ebenso gehört zur Karriere eine gehörige Portion Engagement. „Wir achten bei Bewerbern sehr stark auf Eigeninitiative und auch darauf, ob sie im Job, während des Studiums oder im privaten Bereich schon einmal ein eigenständiges Projekt durchgeführt haben“, sagt Michael Geier, Personalchef des Antriebssystem-Herstellers Wittenstein in Igersheim. Ingrid Marold von der gleichnamigen Personalberatung ergänzt: „Im Mittelstand sind die Aufgaben der Mitarbeiter nicht immer eindeutig geregelt.“ Stärker als bei den Großkonzernen hänge die eigene Stellung stark davon ab, wie gut man sich einbringe. Und wie gut man in die Firmenkultur passt. Die wird, so Mittelstandsexperte Jörn-Axel Meyer, stark vom Patriarchen an den Spitze geprägt. Es sei daher enorm wichtig, vor dem Einstieg möglichst viele Gespräche mit Mitarbeitern zu führen, um herauszufinden, wie der Laden tickt. In einem Punkt allerdings ziehen Berufseinsteiger, die sich für den Mittelstand entscheiden, immer den Kürzeren: Die Gehälter sind durchweg niedriger. Laut einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure liegen sie durchschnittlich 20 Prozent unter dem Niveau von Großunternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern.

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