Karriere: Warum sich Top-Manager gerne mit Titeln schmücken

Karriere: Warum sich Top-Manager gerne mit Titeln schmücken

Vier Buchstaben setzen einer gelungenen Karriere die Krone auf: Dr. h.c. – der Ehrendoktor. Noch wirkungsvoller ist sogar das schlichte Prof. einer Honorarprofessur. Deutsche Top-Manager schmücken sich gerne mit derlei akademischen Titeln – warum eigentlich?

Ganz ohne Habilitation

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„Die Rangkämpfe zwischen Managern gehen auch am obersten Ende der Karriereleiter weiter“

Manchmal tickt die akademische Welt erstaunlich schnell. Anfang 2007 verkündete Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann via „Spiegel“, er habe Interesse daran, seine Erfahrungen weiterzugeben, „an der Uni oder vielleicht auch im gesellschaftlichen Bereich“. Ein gutes Jahr später ist der Banker Professor – ganz ohne langwierige Habilitation oder lästige Juniorprofessur berief ihn die Universität Frankfurt zum Honorarprofessor. Nur ein paar Studenten gifteten am Rande der Feierlichkeiten, da könne man ihnen doch gleich noch ein paar weitere umstrittene Wirtschaftsgrößen als Professoren vorsetzen. Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel zum Beispiel. Oder den ehemaligen Siemens-Vorsitzenden Heinrich v. Pierer.

Der scharfe Wind ist den Studenten leicht aus den Segeln zu nehmen. Zumindest v. Pierer hat seine akademischen Ehrentitel längst beisammen. Er ist Ehrendoktor der TU in München und Berlin, erhielt je einen Quadrathut in Shanghai und Graz. Und an der Universität Nürnberg-Erlangen lehrt v. Pierer als Honorarprofessor über „Grundfragen des Managements“. Längst kürzelt der ehemalige Siemens-Lenker, der im Zuge der Schmiergeldaffäre zurücktrat, als Prof. Dr. Dr. h. c. mult.“

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Die Titelsammlung

Deutsche Wirtschaftsführer sammeln akademische Titel wie andere Leute Briefmarken: Jeder zweite Dax-Vorstand hat promoviert. Andere umschiffen die wissenschaftlichen Mühen und versuchen durch universitäres Engagement oder gezielte Finanzspritzen an die umworbene Alma mater sich für einen Ehrendoktor zu bewerben. Fallen die Gastvorträge und Geldbeträge besonders großzügig aus, ist gegebenenfalls sogar ein Honorarprofessor drin – ein Titel, der Aufsehen und Anerkennung garantiert. Schließlich wird akademischen Würden in Deutschland noch immer mit Hochachtung begegnet.

Vor allem der Professor steht gerade hoch im Kurs. Burkhard Schwenker, CEO von Roland Berger, kann zum Beispiel eine Honorarprofessur an der Handelshochschule Leipzig (HHL) vorweisen. Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender von Linde, lehrt in selber Funktion an der international angesehenen TU München. Und Volkswagen-Chef Martin Winterkorn toppt seine beiden Kollegen sogar noch: Er ist gleich zweifacher Honorarprofessor – und Ehrenprofessor der Universität Shanghai (siehe Manager-Liste Seite 130 unten).

Der Win-Win Ansatz

Gegen derlei Engagement ist nichts einzuwenden. Der Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Forschung ist nicht nur für beide Seiten von Vorteil, auch die Studenten profitieren oft davon.

Dass ihm die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Studenten wichtig ist, hat etwa der Deutsche-Bank-Chef seit Jahren und nicht nur in Frankfurt bewiesen. So lehrte er unter anderem in St. Gallen und » an der London School of Economics. Ein Idealfall. Wirtschaftsgrößen wie Ackermann verleihen sich so zusätzliches intellektuelles Gewicht und gesellschaftliche Achtung, die Unis wiederum sonnen sich im prominenten Glanz – und bieten ihren Studenten obendrein Informationen aus erster Hand sowie einmalige Praxisnähe.

Sogar sprichwörtlich: Die Kooperation reicht dann „von ganz einfachen, aber wichtigen Dingen wie Praktikumsplätzen bis hin zur Zusammenarbeit in der empirischen Forschung“, sagt etwa Wolfgang König, Geschäftsführender Direktor des House of Finance an der Frankfurter Uni.

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