Kommunikationsmittel: Wie E-Mails und Smartphones die Leistung mindern

Kommunikationsmittel: Wie E-Mails und Smartphones die Leistung mindern

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Abgeschaltetes Smartphone

Obwohl immer mehr Menschen unter der Vereinnahmung durch E-Mail und Smartphone leiden, kommt kaum jemand auf die naheliegendste Lösung, die WirtschaftsWoche-Redakteur Jochen Mai seit Kurzem praktiziert: ein Plädoyer für das temporäre Abschalten.

Der Aufruf erfolgte persönlich. Anfang des Jahres rekrutierte der Sozialpsychologe Gregory Northcraft 200 Studenten an der Universität von Illinois für eine Studie über E-Mails, Videokonferenzen und Projektmanagement. Seine Probanden teilte er in zwei Gruppen: Die einen arbeiteten physisch zusammen an dem Projekt, die anderen kommunizierten nur per E-Mails und Video miteinander. Ein für heutige Verhältnisse durchaus realistisches Szenario. Bei vielen Arbeitnehmern sieht der Alltag nicht viel anders aus.

Entsprechend routiniert gingen beide Teams zunächst mit viel Elan an ihre Aufgabe heran. Sie schmiedeten Pläne, tauschten Ideen aus, diskutierten, stritten auch mal. Doch es dauerte nicht lange, bis Northcraft erste Veränderungen in der zweiten, virtuellen Gruppe bemerkte. Ihre Motivation sank schneller, die Zusammenarbeit verschlechterte sich rasant, das gegenseitige Vertrauen nahm ab. Der Rest: Schweigen.

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Zwar brachten die gelegentlichen Videokonferenzen wieder etwas Stimmung in die Runde, doch das Niveau der ersten Gruppe erreichte dieser lose Verbund nicht mehr – auch nicht mit dem Projektergebnis.

Sprichwörtlich abschalten

Northcraft zog aus dem Versuch ein bemerkenswertes Fazit: Smartphones, Videokonferenzen und immer wieder E-Mails – all diese Werkzeuge machen die tägliche Arbeit zwar „schneller, zuweilen auch effizienter. Aber sie machen sie nicht effektiver“, im Gegenteil: Sie sorgen zusehends für ein schlechteres Klima untereinander und allenfalls mittelmäßige Ergebnisse. „Wir gewinnen damit zwar Zeit, verlieren aber Beziehungsqualität“, sagt Northcraft. Die Leute kommunizieren dann nur noch über irgendwelche Details, aber sie reden nicht mehr miteinander.

In den kommenden Wochen fahren drei von vier Deutschen in den Urlaub – um die vergangenen Wochen Revue passieren zu lassen, um sich zu erholen. Auch ich werde verreisen. Aber anders als bisher und anders als die meisten Bundesbürger. Ich werde sprichwörtlich abschalten. Wie öfter in jüngster Zeit.

Gefühl von Kontrolle

Mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer kann oder will das nicht. Sie rufen selbst im Sommerurlaub noch geschäftliche E-Mails ab. Jeder Dritte (34 Prozent) packt dazu sein privates Laptop oder Smartphone in die Reisetasche, 18 Prozent nehmen gar ihre Dienstgeräte mit, so eine Emnid-Umfrage. Gleichzeitig wundern sich 63 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen darüber, dass der Bürostress in den Ferien nicht nachlassen will und warum sie nachher genauso kaputt sind wie vorher.

Ich weiß aus Gesprächen mit Managern, dass es vielen ähnlich geht. Dass sie nicht mehr abschalten wollen und gleichzeitig ignorieren, dass sie nicht mehr abschalten können. Weil es verlangt wird und ihnen das Gefühl von Kontrolle vermittelt über eine Entwicklung, die sie längst nicht mehr im Griff haben.

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