Konstantin Grcic: Designer könnten aussterben

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InterviewKonstantin Grcic: Designer könnten aussterben

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Designer Konstantin Grcic bei seiner Einzelausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein

von Manfred Engeser

Der Top-Designer Konstantin Grcic sagt seinem Berufsstand das Schicksal der Dinosaurier voraus. Bis es soweit ist, will er sich noch von seiner alten Teekanne inspirieren lassen.

WirtschaftsWoche: Herr Grcic, in Ihrer Ausstellung im Vitra Museum ist unter anderem eine ramponierte Teekanne aus weißem Email zu sehen – weil die Sie zu Ihren Entwürfen angeregt haben soll. Was bitte ist an einer Teekanne inspirierend?

Konstantin Grcic: Nichts im Sinne einer bewussten, chronologischen oder gar nostalgischen Zuordnung. Aber als Symbol: Diese Teekanne war der erste Einrichtungsgegenstand, den ich vor 20 Jahren für mein Studio in München gekauft habe. Schon weil jeden Tag mein Blick darauf fällt und ich sie fast täglich in der Hand habe, beeinflusst sie mich, zumindest unterbewusst. So wie alle anderen Objekte um mich herum – vom Stuhl über einen alten Computer bis zu dieser Teekanne – Teil meines vernetzten Gedankenkosmos sind.

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Sind Sie leicht abzulenken?

Ja. Zwar brauche ich als Designer einen Kompass, aber ich habe sicher nicht immer gleich ein klares Ziel vor Augen. Eine Idee speist sich aus vielen Eindrücken, aus Reizen, die seitlich hineinspielen. So können auch die scheinbar nebensächlichsten Dinge wichtig werden.

Universal Design Einfach, handlich, verständlich

Gute, gelungene Formen sind längst kein Privileg mehr von Einrichtungsgegenständen. Gestalter nehmen sich von Druckmaschinen über Bohrmaschinen bis zu Kleiderbügeln alltäglicher Gegenstände an.

„We love machines“ heißt der Wahlspruch der Münchner Designer Tim Wichmann (links) und Christian Jaeger.

Im Englischen heißt das serendipity – die Gabe, zufällig glückliche, unerwartete Entdeckungen zu machen...

Genau darum geht es. Denn nur, wer das Unvorhergesehene, das Überraschende zulässt, über Dinge stolpert, die er gar nicht im Sinn hatte, kann Probleme lösen, an denen er sehr lange, scheinbar zielgerichtet mit rationalem Blick gearbeitet hat. Eine gute Lösung findet sich meist nur über die Vernetzung von Dingen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Das öffnet den Blick in die Zukunft.

Wie werden wir denn Ihrer Meinung nach künftig leben und arbeiten?

Wir werden offener, dynamischer leben, in Unordnung und Zufälligkeit. Wir müssen uns einlassen auf permanente Veränderungen, statt uns an starren Handläufen festzuhalten, die uns Sicherheit nur vorgaukeln, aber in die Sackgasse führen. Da wird Design zum assoziativen Umgang mit Bildern, Zufällen, Brüchen.

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