
Sie sehen einfach nichts, alles ist schwarz, an die sprichwörtliche Hand vor Augen ist überhaupt nicht zu denken. Die Teilnehmer des Experiments mussten ihre Uhren ablegen. Die Ziffernblätter könnten leicht leuchten. Selbst der blinkende Punkt am Handy, der eine angekommene SMS vermeldet, strahlt förmlich durch den dicken Jeansstoff der Hosentasche hindurch. Die Studienteilnehmer befinden sich in einem Raum absoluter Dunkelheit, wie es sie in der Natur nicht gibt. Ein dichter Nadelwald bei Nacht wirkt dagegen wie ein lichtdurchfluteter Wintergarten.
Diese totale Finsternis fasziniert Strategieberater Michael Lück schon seit 2005. Er hat begonnen Messestände zu verdunkeln, um den Kunden alleine durch ühlen oder schmecken die Produkte seiner Auftraggeber näher zu bringen. Er veranstaltet für Unternehmen Seminare zur Team- oder Strategieentwicklung und Personalauswahl in absoluter Dunkelheit.
Bild: dpa/dpawebFarben haben eine tiefe Wirkung auf die Psyche. Blau beruhigt, Rot wirkt anregend, manchmal auch aggressiv, Gelb suggeriert Lebensfreude, Vergnügen, Freundlichkeit.
Wie setzen Politiker und andere Mächtige Farben ein?
Im Bild: Das indische Farbenfest "Holi" in Bangalore.
Bild: dapdRot ist die Farbe der mittelalterlichen Könige. Wer was zu melden hat, trägt auch heute noch diese Farbe. In ihrer starken Ausprägung suggeriert sie Seriosität, Macht, Präsenz - ein hartes Rot ist einfach nicht zu übersehen.
Im Bild: Angel Merkel mit dem damaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen und dem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) im Bundeskanzleramt nach einem ein Gespräch zur Nutzung der Kernenergie mit den Ministerpräsidenten der Länder, März 2011.
Bild: dpaEin schwarzer Blazer ist nicht minder seriös und strahlt auch Autorität aus. "Merkel trägt häufig starke Farben, sobald sie sich auf internationalem Parkett befindet", sagt Petra Waldminghaus, Geschäftsführerin der Imageberatung Corporate Color. "Daheim trägt sie alle Farben, kreuz und quer".
Im Bild: Merkel trifft den US-Präsidenten Barack Obama auf dem G-20-Treffen in Südkorea, November 2011.
Bild: dpaRot und Purpur, auch das sind Farben, die in der Katholischen Kirchen ihren festen Platz haben. Purpur wurde in der vorindustriellen Zeit durch Purpurschnecken gewonnen. Gemeinsam mit Rot war diese Färbung daher auch sehr kostspielig. Die Phönizier trieben regen Handel damit, wer sie kaufen konnte, war wohlhabend und nicht selten mächtig: im alten Rom war sie vor allem dem Kaiser und den Senatoren vorbehalten. Später eigneten sich die Würdenträger der Katholischen Kirche die Farbe an.
Im Bild: Der Kölner Kardinal Joachim Meisner nimmt an der Fronleichnamsprozession teil, Juni 2012.
Bild: dpaEine richtige Farbkombination will richtig gewählt sein. Beispiel Kanzlerduell 2002: Der Herausforderer Edmund Stoiber trifft auf den Amtshinhaber Gerhard Schröder. Sie tragen die Farben, die ihnen am besten steht: Stoibers Krawatte ist blau mit weißen Streifen, Schröder trägt dagegen eine rot-gelb gestreifte. In Kombination mit dem schwarzen Sakko hatte Schröder nicht nur eine Nähe zur den Nationalfarben suggeriert, sondern auf das sichere farbliche Zusammenspiel gesetzt: "Schröder trat mit einer stärkeren farblichen Dominanz auf", sagt Imageberaterin Waldminghaus.
Bild: APStoiber sollte den gleichen Fehler nicht nochmal machen. In der zweiten Runde des TV-Duells 2002 entschied sich der Kanzlerkandidat der Union auch für eine rot-goldene Krawatte. "Schröder hatte allerdings den Vorteil", so Waldminghaus, "dass ihm diese Farben auch richtig gut stehen".
Bild: dpaJemand, der seine Kleidungsfarbe bewusst wählt, ist die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Zu ihrer hellen Haut passen vor allem weiche Farben, also solche, die nicht so hoch pigmentiert sind. In den Bildern sind es das helle Blau rechts, das Lila in der Mitte und das Petrol rechts. "Es sind Töne, die ihr perfekt stehen", sagt Waldminghaus. "Allesamt wirken diese Farben frisch, dynamisch und sympathisch. Im Fall des hellen Blaus suggerieren sie gar Vertrauen und Treue", sagt Imageberaterin Waldminghaus und zählt die Blumen Männertreu und Vergißmeinnicht als fleischgewordenen Beispiele dieser Ideen auf. Es sind zudem Eigenschaften, die den vermeintlichen "Landesmutter-Bonus" Krafts sicherlich mehren. Waldminghaus ist sich sicher: "Kraft macht das mit System."
Bild: REUTERSBlau steht also für Vertrauen. Daimler verwendet die Farbe gleich als Namen für eine ganze Technologie, die das Unternehmen enger an umweltfreundliche Produzenten bringen soll. Auch das ist bewusst gewählt: Grün ist zwar umweltfreundlich, klingt aber nach Jesuslatschen und Konsumverzicht. Blau ist dagegen der Planeten Erde, wenn man ihn vom Weltall aus betrachtet. Und die Erde, so der Subtext, gilt es mit den Bluetec-Produkten zu schützen.
Bild: APWerden die Farben rot und gelb gemischt, so vermittelt es dem Beobachter primär den Eindruck: billiges Schnäpchen. "Nicht umsonst wählen vor allem Discounter diese Farbe" so Waldmingshaus.
Farben haben eine tiefe Wirkung auf die Psyche. Blau beruhigt, Rot wirkt anregend, manchmal auch aggressiv, Gelb suggeriert Lebensfreude, Vergnügen, Freundlichkeit.
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Im Bild: Das indische Farbenfest "Holi" in Bangalore.
Dabei ist ihm aufgefallen, dass seine unsichtbaren Gesprächspartner in der Dunkelkammer wesentlich kreativer sind als außerhalb. Prinzipiell hielt Lück seine Beobachtung für plausibel. Keine Ablenkung von außen, weniger Hemmungen und eine größere Offenheit machen die kreativen Ausbrüche seiner Meinung nach möglich.
Dass Lücks Einschätzung nicht bloß Auswüchse einer geistigen Umnachtung sind, haben BWL-Professor Hartmut Holzmüller und seine Kollegin Vanessa Hasselhoff nun für den Strategieberater herausgefunden. Doch das Ergebnis überraschte selbst die Experten. „Mit einer fast 30 Prozent höheren Kreativität haben wir nicht gerechnet“, sagt der Forscher der TU Dortmund.
In einer Versuchsreihe mussten 74 Teilnehmer jeweils acht Aufgaben lösen. Die einen in Kleingruppen in normal beleuchteten Räumen, die anderen in totaler Dunkelheit.
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