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Krisenbewältiger: Unternehmer mit Stehauf-Qualitäten

von Andreas Wildhagen

Nicht wenige Unternehmer erlitten Schiffbruch oder standen kurz davor. Trotzdem gaben einige nicht auf. Mit dem Vorbild inspirieren sie Generationen.

Leo Kirch: Der Herr hat's Quelle: AP
Leo Kirch: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen Quelle: AP

Einmal Olymp und zurück. Mit der Sirius-Filmgesellschaft des Leo Kirch fing es an. 1955 machte sich der damals 29-jährige Assistent am Münchner Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit einem Filmhandel selbstständig – ein Geschäft, das ihn an die Spitze der europäischen Medienwelt brachte. Mehr als 30 Jahre lang verkaufte er, der bald als „Medienmogul“ titulierte, Kinofilme wie den italienischen Erfolgsstreifen „La Strada“ an ARD und ZDF. Mit dem Privatfernsehen erarbeitete sich Kirch sogar eine bis dato einzigartige Monopolstellung in Deutschland.

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Doch bald machten in den Neunzigerjahren Gerüchte über Liquiditätsengpässe die Runde. 2002 schließlich kam der Sturz aus dem Filmhimmel, Kirch musste Insolvenz für Kerngeschäfte anmelden. Zwar gelang es ihm, den Prozess legal in die Länge zu ziehen, doch fiel sein Konzerngebilde zusammen wie ein Kartenhaus. Kirch, der wegen seines Katholizismus auch „Kathedralowitsch“ genannt wird, kommentierte sein Aus biblisch bündig: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.“

Mit solch einem Resumee kann man leben, ja sogar weiterleben und weitermachen. 2007 meldete sich der damals immerhin schon 81-Jährige zurück – diesmal mit der Lizenz, die Bundesligarechte zu vermarkten. Zwar scheiterte er damit an bürokratischen Hürden, das Bundeskartellamt stellte sich quer, doch beherrschte der Medienmann wieder die Schlagzeilen – mit Klagen gegen die Deutsche Bank, deren früherer Chef, Rolf Breuer, 2002 in einem TV-Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt hatte. Die Prozesse sind längst noch nicht ausgestanden, am 10. März soll ein Münchner Gericht über Kirchs Schadensersatzforderungen entscheiden. Doch schon jetzt steht fest: Kirch ist ein Kämpfer, den weder Stoizismus noch Fatalismus von seinem Überlebenstrieb abbringen.

Unternehmen aufbauen, einbrechen, neu aufbauen

Aufbauen, einbrechen, neu aufbauen – aus diesem Holz ist auch Karl Ehlerding, 66, geschnitzt. Vor fast drei Jahren schlitterte seine Beteiligungs- und Immobilienfirma WCM in die Insolvenz. Bis dahin war er der Star am Investmenthimmel gewesen. Noch 2006 zählte er zu den reichsten Deutschen, war Großspender der CDU und Großaktionär bei der Commerzbank. Dann der Bruch. Die Geschäfte gingen schief. Der Hamburger Kaufmann hatte Schulden in Höhe von fast 700 Millionen Euro angehäuft. Aber aufgeben? Ehlerding kämpfte, baute Stück um Stück seine Schulden ab. Schließlich kaufte der Stahlkonzern Salzgitter die frühere WCM-Tochter Klöckner-Werke. Das entlastete Ehlerding spürbar. Seitdem mischt er im Immobiliengeschäft wieder mit. Über mehrere Familienmitglieder soll er gut die Hälfte an der Immobiliengesellschaft  Kommunale Wohnen AG KWG halten. Die Firma kauft und vermietet Wohnungen von Gemeinden.

Sein Geschick, sich aus der persönlichen Liquiditätsklemme herauszuwinden, hat viel Bewunderung gefunden. Ehlerding ist inzwischen auch als Berater gefragt und wird in höchste Ämter gewählt: So berief ihn der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns Salzgitter im Mai des vergangenen Jahres in sein Gremium. Dort sitzt der einst Absturzgefährdete nun selbstbewusst und anerkannt zwischen VW-Chef Martin Winterkorn und E.On-Vizechef Johannes Teyssen. Nicht wenige Manager geben sich ganz dem Scheitelpunkt ihrer Biografie hin, hadern mit ihrem Schicksal, suchen die Schuld in Umständen und verlieren sich in Taumel und freiem Fall.

Die anderen lassen die Trümmer hinter sich und bauen ohne viel Aufhebens etwas Neues auf. Auch Albrecht Graf Matuschka ist so einer. So sehen ihn viele seiner Weggefährten. In den Achtzigerjahren galt er als Finanzguru. Aus den USA hatte er die Idee der privaten Risikofinanzierung importiert und sagt heute noch von sich, dass er der „Papa des Venture-Capitals“ in Deutschland sei – jener Beteiligungsform, bei der Privatgelder eingesammelt und anschließend in vielversprechende Unter-nehmensgründungen investiert werden, weil die Gründer zwar Ideen aber kein Startgeld besitzen.

1990 zerbrach die Matuschka Privatfinanz jedoch in ihrer alten, glanzvollen Form. Der Markt boomte, immer mehr Mitarbeiter wollten es Matschuka nachmachen und gründeten Spin-offs. Viele Kunden sprangen ab. „Wir waren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, sagt Matuschka heute in mildem Licht der Erinnerung an diese dramatischen Zeiten.

Er sitzt heute in Kronberg bei Frankfurt in einem Einmannbüro in seiner Wohnung. Matuschka spricht lebhaft, impulsiv wie früher. Dass er nur noch eine One-Man-Show ist, kümmert den Vater von vier Söhnen nicht. Er verfügt über ein internationales Netzwerk zu Unternehmerfamilien, die er mit deutschen Mittelstandsunternehmern zusammenführen will. „Ich bin Unternehmerberater“, sagt der Graf. Deutsche Mittelständler, die sich mit Energieeffizienz und Wasserversorgung beschäftigen, vernetzt er mit solchen, die in Indien oder Südamerika Ähnliches tun. „Potenzierung der Marktmacht durch Vernetzung“, nennt er das.

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