Kulturförderung: Das Geld der Anderen

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Kulturförderung: Das Geld der Anderen

BMW-Kulturkommunikator Thomas Girst empfiehlt Kulturschaffenden einen demütigeren, ideologiefreien Umgang mit ihren Finanzen. Und Unternehmen mehr Mut zu kulturellem Engagement jenseits ökonomischer Ziele. Ein Gastbeitrag.

„Geld ist der Fluch der Kunst“, schrieb schon der englische Dichter, Maler und Verleger William Blake gegen 1820 neben seine Zeichnung der antiken, im Vatikan aufgestellten Laokoon-Skulpturengruppe. Und etwa zur gleichen Zeit notierte auch Ludwig van Beethoven in eines seiner Konversationshefte: „Wahre Kunst ist eigensinnig, sie lässt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen.“

Eine Haltung, geprägt im Geiste Immanuel Kants und Friedrich Schillers, die stets betont hatten, dass nur die Nichtbindung an unmittelbare Zwecke, die Autonomie, die Funktionslosigkeit der Kunst fernab jeglicher Profitmaximierung die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts wie das interesselose Wohlgefallen des Geschmacksurteils überhaupt erst ermöglichen kann. Ein Kulturverständnis, das durch die Erfahrung der Nazi-Diktatur noch bestärkt wurde: Nie mehr sollte Kunst in Deutschland instrumentalisiert, manipuliert oder zu Propagandazwecken missbraucht werden dürfen. Auch deshalb garantiert Artikel 5 des Grundgesetzes nicht nur Wissenschaft, Forschung und Lehre die Freiheit, sondern eben auch der Kunst.

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Was den Verfassungsvätern vor 65 Jahren recht war, sollte der Wirtschaft heute ebenso Leitbild sein: Unternehmen, die sich kulturell glaubwürdig engagieren wollen, sollte neben der Subtilität des Auftritts, der von der Souveränität des Förderers zeugt, die Wahrung der kuratorischen Integrität und die absolute kreative Freiheit des Kulturpartners bei Ausgestaltung von Programm und Inhalt daher selbstverständlich sein.

Wer, wie etwa die Autoren des Buchs „Der Kulturinfarkt“, „Herstellung und Vertrieb von ästhetischen Erlebnissen in Warenform mit dem Willen zum Erfolg“ fordert, dem sei zugerufen: Das macht auch ökonomisch keinen Sinn. Denn oft entstehen erst aus dem Scheitern, dem wiederholten Versuch heraus die prägendsten kulturellen Errungenschaften, ohne den materiellen Druck einer auf monetäre Verwertbarkeit ausgerichteten Warenwelt. Es ist die Kultur, die dieses kompromisslosen Schutz- und Schonraums bedarf, nicht so sehr als Gegenentwurf zur Wirtschaftlichkeit sondern als komplementär verstandene Möglichkeit. Erst durch dieses Verständnis der grundsätzlich unterschiedlichen Systeme von Kultur und Wirtschaft kann eine ebenbürtige, auf Neugier und Wertschätzung basierende Auseinandersetzung stattfinden, von deren Erkenntnissen auch die Ökonomie profitieren kann. Etwa wenn sie auf das Experiment und auf das Partizipative setzt, auf das Erlebnis außerhalb von Branding und konventioneller Bewerbung.

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