Kunst: Nach zwei Tagen ein anderer Mensch

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Kunst: Nach zwei Tagen ein anderer Mensch

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"Troca-Troca", eine automobile Installation des Brasilianers Jarbas Lopes

von Alexander Busch

Der brasilianische Milliardär Bernardo Paz traf vor 15 Jahren eine radikale Entscheidung: Statt immer reicher zu werden, wollte er seine Träume realisieren. Diesem Sinneswandel verdanken wir Inhotim, eine der spannendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Sie zeigt, wie sich in der Kunstwelt die globalen Gewichte neu verteilen.

Der gegrillte Lachs auf dem Gemüsebett ist längst kalt geworden, die Menthol-Zigarette im Aschenbecher verraucht. Der Kellner blickt unruhig zum Tisch. Die Assistentin legt ihre Stirn in Falten. Doch der magere Mann mit den intensiven blauen Augen, dem weiß wallenden Haar und dem Drei-Tage-Bart lässt sich nicht in seinem Redeschwall beirren. Schließlich geht es Bernardo Paz um das große Ganze. Um die Frage, wie das Leben der Menschen verbessert werden kann.

Er hat da ziemlich klare Meinungen. Falsch ist, dass Bill Gates in Afrika Medikamente verteilt. Oder die katholische Kirche nichts für die Armen tut. Oder die Europäer in Nordafrika keine Arbeitsplätze geschaffen haben. Falsch ist auch, dass die Banker in Brasilien ihr Geld in unnütze Stiftungen stecken. Richtig dagegen, das Einzige, was hilft, um das Leben der Menschen dauerhaft zu verbessern, ist – Kultur! „Kultur ist die Basis von allem. Kultur macht Menschen neugierig und führt dazu, dass sie beginnen, ihr Leben selbst zu bestimmen.“

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Kultur für eine bessere Welt

Derlei könnte man als ein ganz interessantes Thema für ein Tischgespräch abtun, bevor zum nächsten Sujet gewechselt wird. Zumal wir uns tatsächlich in einem Restaurant befinden, zur Mittagszeit in einem tropischen Park, der grenzenlos scheint. Wo die Tische inmitten von Helikonien, Orchideen und Bambus verstreut sind. Obwohl sich am Himmel die ersten Wolken dunkel zusammenballen, um die drückende Schwüle zum tropischen Regenguss zu sammeln, ist es hier im Schatten angenehm kühl. Vom Eukalyptushain weht ein Duft stark wie Patschuli herüber. Doch der Mann mit dem weißen Indien-Hemd insistiert: „Kunst weckt die Menschen auf, motiviert sie, Visionen zu entwickeln! Damit sie aktiv werden! Damit sie lernen!“

Aus dem Munde von Bernardo Paz bekommen diese Sätze automatisch Ausrufezeichen. Denn der 62-Jährige redet nicht nur über Kunst und Kultur – er macht vor, wie er mit ihrer Hilfe die Welt zum Besseren verändern will. Er hat mit seinem Kunstpark Inhotim inmitten der Minengebiete im bergigen Landesinnern von Brasilien in nur zehn Jahren etwas Außergewöhnliches geschaffen: Dort, wo Brasilien noch wie im 19. Jahrhundert wirkt, hat er ein Kulturzentrum des 21. Jahrhunderts geschaffen, das als wegweisend gelten kann. Als Antwort auf die Frage, wie künftig Kunst ausgestellt, wie Kunst wirken soll. Es ist die spannendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst überhaupt.

Denn sie zeigt, wie sich in der Kunstwelt die globalen Gewichte neu verteilen. Nicht mehr nur in London, Miami oder Venedig werden die Wegmarken des weltweiten Kunstbetriebs gesetzt. Immer öfter geschieht das an Orten wie Inhotim – in der Nähe eines Dörfchens, durch das pausenlos Trucks voller Eisenerz poltern und wo die Menschen schwatzend zusammenstehen, weil nicht viel zu tun ist.

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