Lebensdauer von Geräten: Auch Kunden haben Schuld am Murks

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Lebensdauer von Geräten: Auch Kunden haben Schuld am Murks

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Der Verein "Murks? Nein Danke" sammelt Beispiele von angeblich bewusst eingebauten Schwachstellen in Produkten.

von Ferdinand Knauß

Viele technische Geräte gehen bereits kurz nach Ablauf der Garantie kaputt. Steckt eine Absicht dahinter? Eine Studie des Umweltbundesamtes sorgt für neue Diskussionen um die Lebensdauer von Geräten.

Manche Dinge halten so gut wie ewig, wenn man sie halbwegs gut behandelt. Das Meißener Porzellan zum Beispiel, das Oma vorm Krieg als Aussteuer bekam, erfüllt immer noch seinen Zweck, solange man es nicht auf den Boden fallen lässt. Für die weltberühmte Meißener Manufaktur ist der lange Lebenszyklus ihres Edel-Geschirrs allerdings auch ein großes Problem und wohl auch ein Hauptgrund dafür, dass sie ohne staatliche Subventionen aus Dresden längst nicht mehr bestehen würde. Was Jahrhunderte übersteht, muss man nicht neu kaufen.

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Nutzungsdauer von Elektrogeräten

  • Allgemein

    Das Umweltbundesamt untersucht in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut und der Universität Bonn, wie lange Elektro- und Elektronikgeräte genutzt werden. Außerdem wird erhoben, wann die Geräte das erste Mal Defekte aufweisen und warum sie ausgetauscht werden. Erste Zwischenergebnisse wurden am 1. März 2015 vorgestellt, die Studie soll bis Ende 2015 abgeschlossen sein.

  • Flachbildfernseher

    Schneller, größer, mehr Funktionen: Besonders bei TV-Geräten ist die Bereitschaft der Verbraucher hoch, nach kurzer Zeit ein neues anzuschaffen - auch, wenn es der alte noch tut. Im Jahr 2012 wurden mehr als 60 Prozent der noch funktionstüchtigen Flachbildfernseher durch ein besseres Gerät ersetzt. Nur ein Viertel der Neukäufe wurde getätigt, weil das alte Gerät kaputt war. Durchschnittlich waren die ausgetauschten Fernseher 2012 gerade einmal 5,6 Jahre alt. Zum Vergleich: Der gute alte Röhrenfernseher brachte es im Schnitt auf zehn bis zwölf Jahre Nutzungsdauer.

  • Große Haushaltsgeräte

    Hierzu zählen etwa Waschmaschine, Trockner oder Kühlschrank. Die durchschnittliche "Erst-Nutzungsdauer" hat sich im Untersuchungszeitraum  2004 bis 2012 um ein Jahr verkürzt: Im Schnitt sind die Produkte ab Kauf 13 Jahre im Einsatz. Ein Drittel der Geräte war zum Zeitpunkt des Ersatzkaufs noch funktionstüchtig. Die Verbraucher trieb vor allem der Wunsch nach einem besseren Gerät an. Zugleich hat sich aber auch der Anteil der Geräte, die wegen eines Defekts schon innerhalb von fünf Jahren ersetzt werden mussten, mehr als verdoppelt: Von 3,5 auf 8,3 Prozent.

  • Notebooks

    Die tragbaren Computer stellen eine Ausnahme dar. Ihre "Erst-Nutzungsdauer" blieb über die Jahre nahezu konstant. Im Schnitt ist ein Laptop fünf bis sechs Jahre im Einsatz. Die Gründe für den Neukauf haben sich aber trotzdem gewandelt: Während im Jahr 2004 noch 70 Prozent der funktionsfähigen Notebooks wegen einer technischen Neuerung ausgetauscht wurden, war der Wunsch nach einem besseren Gerät 2012/13 nur noch bei einem Viertel ausschlaggebend. Technische Defekte hingegen waren für ein Viertel der Neukäufe verantwortlich.

Viele Elektrogeräte dagegen überstehen nicht mal ein Jahrzehnt. Bei vielen Druckern, Computerbildschirmen oder Waschmaschinen ist oft schon kurz nach Ablauf der Garantie Schluss. Steckt eine Absicht dahinter? Dass Hersteller bewusst Schwachstellen einbauen, um Kunden zum Kauf neuer Geräte oder zumindest zu teurer Reparaturen zu zwingen, galt bis vor einigen Jahren noch als eine Legende von Verschwörungstheoretikern. Doch den Erfahrungen vieler Konsumenten zufolge liegt es nahe, dass es tatsächlich so etwas wie „geplante Obsoleszenz“ gibt. Worunter nicht nur der Verbraucher, sondern vor allem die Natur zu leiden hat, weil sie mehr Rohstoffe liefern und Abfälle zurücknehmen muss, als notwendig wären.

Die immer lauter werdenden Vorwürfe haben die Politik auf den Plan gerufen. Unter anderem forderte die Verbraucherschutzministerkonferenz bereits 2013 Maßnahmen auf bundesweiter Ebene. Das erste Ergebnis dieser Maßnahmen liegt jetzt vor. In Form einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes, die über die tatsächliche Bedeutung des Problems aufklären soll. Die Diskussion über das Phänomen hat dadurch eine neue Richtung erhalten.

Wie Sie Elektronik recyclen können

  • Auktionsportale / Kleinanzeigen

    Auktionsportale wie eBay oder Kleinanzeigenplattformen sind eine gute Anlaufstelle, um Altgeräte loszuwerden. Was bei Auktionen zu beachten ist: Es kann passieren, dass Geräte unter Wert den Besitzer wechseln.

  • Gebrauchtportale

    Über Portale wie reBuy, Wirkaufens oder Flip4New können alte Geräte noch zu Geld gemacht werden: Oft liegen die Angebote der Portale deutlich unter den Preisen, die man auf zum Beispiel auf eBay erzielen würde, dafür spart man sich das Risiko, Smartphone und Co. unter Wert zu verkaufen.

  • Spenden

    Wer möchte, kann mit seinen alten Geräten einen guten Zweck unterstützen. Einige Mobilfunkanbieter arbeiten dafür mit gemeinnützigen Organisationen zusammen. Alternativen: Vor Ort nach Institutionen wie der Obdachlosenhilfe schauen.

  • Recycling vor Ort

    Ist ein Gerät kaputt, kann man es bei einer lokalen Sammelstelle, zum Beispiel beim Wertstoffhof, abgeben. Die Entsorgung kostet in den meisten Kommunen nichts, sofern man haushaltsübliche Mengen anliefert.

  • Recycling per Post

    Wer sich den Weg zum Wertstoffhof sparen will, kann seine Elektrokleingeräte per Post verschicken. Die Deutsche Post bietet mit Electroreturn einen einfachen Dienst an. Online lassen sich kostenlose Versandmarken herunterladen und ausdrucken, mit denen die Geräte in die Post gegeben werden dürfen.

Zwar stellen die Autoren der Studie, Wissenschaftler des Öko-Instituts in Freiburg und der Universität Bonn, fest, dass die negativen Umweltauswirkungen von kurzlebigen Geräten in sehr vielen Fällen eindeutig sind. „Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel“, gab die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger bei der Vorstellung der Studie zu Protokoll. Man müsse daher über „eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte“ nachdenken.

Aber die Tendenz der Schlussfolgerungen und Handlungsstrategien, die die Autoren vorschlagen, widerspricht stark den Forderungen der Aktivisten, die das Thema in den vergangenen Jahren ins öffentliche Bewusstsein gebracht haben. Die Studie stellt nämlich fest, dass Obsoleszenz „nicht so eindimensional“ sei, wie das die Medienberichterstattung darstelle. Letztere sei meist „sehr emotional“ und zeige Hersteller und Industrie als „Täter“, die das Design ihrer Produkte manipulieren, um sie nach Ablauf einer definierten Dauer geplant ausfallen zu lassen, um den Absatz anzukurbeln. Die Verbraucher seien in dieser Darstellung „Opfer“ einer „Verschwörung“.

Dem hält die Studie entgegen: „Hersteller und Verbraucher interagieren miteinander in einer sich stetig wandelnden Umgebung und beeinflussen gegenseitig die Produktentwicklung und Konsummuster.“ Die Produktlebensdauer sei zwar „in der Regel eine planbare Größe, an der sich die Produktentwickler orientieren.“ Deren Prinzip sei also, „Produkte so zu gestalten, dass sie so lange wie nötig und nicht so lange wie möglich halten.“  Zu Deutsch: Wenn der Konsument nun einmal alle paar Jahre einen neuen Fernseher haben möchte, wird die Industrie keine Fernseher bauen, die Jahrzehnte halten.

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