Lohnunterschied: "Frauen holen mächtig gegenüber Männern auf"

Lohnunterschied: "Frauen holen mächtig gegenüber Männern auf"

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Frauen-Forscherin Francine Blau

von Malte Fischer

Die Arbeitsmarktexpertin Francine Blau über die Lohnunterschiede von Männern und Frauen.

WirtschaftsWoche: Frau Professor Blau, häufig ist der Vorwurf zu hören, Frauen würden auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Männern diskriminiert – vor allem was die Entlohnung betrifft. Wie berechtigt ist der Vorwurf?

Blau: In den vergangenen Jahrzehnten hat es in den Industrieländern große Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Als ich mit meinen Forschungsarbeiten in den Siebzigerjahren -begann, verdienten vollzeitbeschäftigte Frauen im Schnitt 60 Prozent dessen, was Männer verdienten. Heute sind es 80 Prozent. Allerdings bleibt die Frage berechtigt, warum es noch immer eine Lohnlücke von 20 Prozent gibt.

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Und? Wie lautet die Antwort?

Blau: Dafür ist ein ganzes Bündel an Faktoren maßgeblich, angefangen von der Berufs- und Branchenwahl bis hin zur von Frauen stärker genutzten Teilzeitarbeit. Aber selbst wenn man diese Faktoren ausschaltet, bleibt eine Lohndifferenz. Ein Grund dafür könnte tatsächlich eine Diskriminierung von Frauen sein. Und ein diskriminierungsbedingter Lohnabstand beeinflusst das Arbeitsangebot von Frauen.

Inwiefern?

Blau: Nehmen Sie zum Beispiel ein Paar, das sich nach der Geburt eines Kindes entscheiden muss, wer seine Karriere vorübergehend unterbricht, um sich dem Kind zu widmen. Wegen des Lohnvorteils der Männer bleiben schon aus ökonomischen Gründen meist die Frauen zu Hause. Anschließend fällt es ihnen schwer, im Beruf wieder Fuß zu fassen. In der Zwischenzeit sind die männlichen Kollegen in puncto Karriere und Einkommen vorbeigezogen.

Wie lässt sich das ändern?

Blau: Ein entscheidender Punkt ist eine umfassende Kinderbetreuung durch private oder staatliche Institutionen. Das gibt Frauen die Möglichkeit, nach der Geburt eines Kindes rasch wieder eine Vollzeittätigkeit auszuüben. Das heißt nicht, dass jede Frau das machen muss. Aber man sollte die Möglichkeit dazu schaffen, ohne die Frauen gleich in eine bestimmte Richtung zu drängen.

In Deutschland dominiert vielfach noch das traditionelle Rollenverständnis, wonach der Frau die Aufgabe der Kinderbetreuung zukommt...

Blau: ...was dazu geführt hat, dass in Deutschland die Teilzeitbeschäftigung von Frauen stärker verbreitet ist als in den USA und anderen Industrieländern.

Wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, geben die Firmen aber meist Vollzeitbeschäftigten den Vorzug. Allerdings scheint sich die Einstellung zur Erwerbsarbeit von Frauen auch in Deutschland zu ändern. Je mehr die Gesellschaft die Erwerbstätigkeit von Frauen akzeptiert, desto mehr sind diese bereit, zu arbeiten.

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