Management: Frauen verzweifelt gesucht

Management: Frauen verzweifelt gesucht

von Jochen Mai, Daniel Rettig, Jürgen Berke und Manfred Engeser

Mehr Frauen im Management? Um der gesetzlichen Quote zu entgehen, mühen sich Unternehmen, weiblichen Nachwuchs frühzeitig auf Top-Positionen vorzubereiten. Doch Umfragen zeigen: Es wird trotzdem nicht reichen.

Seit einiger Zeit hat Daniela Weber-Rey, Partnerin der Anwaltskanzlei Clifford Chance, eine Art Zweitjob: als Kupplerin. Alle sechs Monate, jeweils im Frühling und im Herbst, lädt die 53-Jährige eine Runde aus 20 Frauen in die großzügigen Räumlichkeiten ihrer Jugendstilvilla im Frankfurter Westend ein. Mischt Bankerinnen und Juristinnen mit Juwelierinnen und Galeristinnen, bringt leitende Angestellte mit Unternehmerinnen ins Gespräch – allesamt beruflich erfolgreiche und ambitionierte Frauen, die ihr Netzwerk erweitern, über ihren Tellerrand hinausschauen wollen. Und bereit sind für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Eine illustre Runde, auf die auch Headhunter und Personalchefs längst aufmerksam geworden sind – und Weber-Rey neuerdings regelmäßig kontaktieren, um nach geeigneten Kandidatinnen zu fragen: für einen zu besetzenden Posten im Vorstand, im Aufsichtsrat oder in anderen leitenden Funktionen.

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Im Grunde seien das zwar „ganz andere Kreise als die, in denen Headhunter klassischerweise Ausschau halten“, sagt Weber-Rey. Doch was soll man machen in der Not? Überall wollen die Unternehmen mehr Frauen einstellen, fördern und befördern. Doch es gibt sie nicht. Der Markt ist leergefegt, Querdenken angesagt.

Umso händeringender werden sie von den Unternehmen derzeit gesucht. Einerseits aus Angst vor einer gesetzlich vorgeschriebenen Quote, die sie dazu zwingen würde, jede dritte Führungsposition mit einer Frau zu besetzen. Andererseits, weil sie wissen, dass ihnen der demografische Wandel und der damit einhergehende Mangel an Fachkräften keine Alternative lässt.

Entsprechend früh beginnen die Unternehmen, Frauen aus dem mittleren Management auf der Karriereleiter nach oben zu hieven.

Der Münchner Rückversicherer Munich Re etwa hat im vergangenen März ein Diversity-Projekt gestartet. Seitdem hält der Konzern Müttern, die in Elternzeit gehen, denselben Posten bis zu einem Jahr frei – der Gesetzgeber verlangt lediglich, dass der Arbeitgeber einen „vergleichbaren“ Job reserviert.

Eigener Betriebskindergarten

„Im Laufe der Jahre gehen uns viele Frauen sprichwörtlich verloren“, sagt Katja Bucher, Personalleiterin des Munich-Re-Konzerns. Vor allem, weil sich talentierte Frauen oft immer noch entscheiden müssen – für die Familie oder für die Karriere. Nun sollen sie nicht nur beides vereinbaren, sondern sich während der Elternzeit auch weiterbilden können. Zudem unterstützt sie Munich Re bei der Suche nach einem Kindergartenplatz und kooperiert mit Kindertagesstätten.

Auf solche Kooperationen ist RWE nicht mehr angewiesen. Der Energiekonzern hat vor wenigen Tagen am Stammsitz in Essen seinen ersten selbst gebauten Betriebskindergarten „Lumiland“ eröffnet. 105 Kinder zwischen vier Monaten und sechs Jahren werden hier ganztägig von einem zweisprachigen Team betreut, um Müttern den Rücken freizuhalten, während diese tagsüber ihre Karriere vorantreiben.

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