Management: Nur schlechte Manager nehmen sich allzu wichtig

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InterviewManagement: Nur schlechte Manager nehmen sich allzu wichtig

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Helmut Geiselhart, Management-Berater, Buchautor und Leiter von "Geiselhart Seminare"

von Ferdinand Knauß

Rechthaberei und Machtansprüche von Führungskräften sind fatal für Unternehmen, glaubt der Philosoph und Berater Helmut Geiselhart. Er empfiehlt, Derrida oder Popper zu lesen - und die wichtigste aller Fragen zu stellen: Was ist der Mensch?

WirtschaftsWoche: Der Philosoph Platon forderte bekanntlich, dass entweder die Könige Philosophen werden sollten oder die Philosophen Könige. Heute würde er vermutlich Philosophen in den Vorständen fordern. Hätte er damit Recht.

Helmut Geiselhart: Ich glaube, dass es wirklich kein Schaden wäre, wenn mehr Topmanager Philosophie, Literatur oder Geschichte studiert hätten. Aber Philosophen an der Spitze von Unternehmen wären nicht die Lösung für alle Probleme. Denn Platons Frage "Wer soll herrschen?" ist nicht die entscheidende. Es geht, wie Karl Popper sagt, nicht darum, dass der Weiseste an der Spitze steht, sondern darum, dass die Systeme so beschaffen sind, dass es darauf nicht ankommt, wer an der Spitze steht. Dass das Zusammenwirken so gestaltet ist, dass der einzelne, der den höchsten Ansprüchen ohnehin nie gerecht wird, zumindest nicht viel Schaden anrichten kann. Wir haben ja auch in Deutschland ein solches System. Wir haben nicht die überragende Führungsgestalt, nach der die Franzosen immer Ausschau halten. Angela Merkel ist eine ganz gewöhnliche Frau, auch Gerhard Schröder und Helmut Kohl, und sie leisten doch Ungewöhnliches.

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10 Tipps für den perfekten Chef

  • Ein perfekter Chef macht Fehler

    Jeder Mensch macht Fehler, denn Menschen sind nicht perfekt. Durch diese Eigenschaft werden Menschen überhaupt erst liebenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir um unsere Fehler wissen und Wege finden, wie diese Fehler behoben werden können. Fehler, richtig verstanden, führen zu einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und des Unternehmens.

  • ... ist nicht perfekt

    Es ist daher verwunderlich, warum immer noch so viele Chefs meinen, dass sie perfekt sind. Eine solch grobe Selbstüberschätzung führt letztlich zu Arroganz und einem Stillstand an Wachstum (sowohl persönlich als auch unternehmerisch).

  • ... verbessert sich ständig

    Darin liegt die Größe eines wirklich „perfekten“ Chefs. Er verwendet die Kenntnis seiner Fehler für die persönliche Weiterentwicklung. Gute Führungspersönlichkeiten meinen nicht, „jemand zu sein“, sondern verstehen sich als „jemand, der wird“ und zwar jeden Tag ein wenig mehr.

  • ... ist Menschenfreund

    Eine wesentliche Eigenschaft von „perfekten“ Chefs ist, dass sie Menschen mögen. Viele so genannte Führungskräfte mögen aber nicht einmal sich selbst, geschweige denn andere Menschen. Unter solchen Umständen wird Führung nur schwer möglich sein. Um exzellent zu sein, muss man das, was man tut, lieben. Und um exzellent zu führen, muss man Menschen lieben.

  • ... ist Teamplayer

    Der „perfekte“ Chef sagt und meint „Wir!“ und nicht „Ich!“ Er ist ein Teamspieler. Im 21. Jahrhundert werden nur Teams gewinnen und nicht Einzelspieler. Die Mondlandung beispielsweise war auch nicht das Werk eines einzelnen Menschen, sondern das mehrerer tausend Ingenieure, auch wenn die visionäre Kraft eines Wernher von Brauns dahinter stand. Aber er hätte es niemals alleine geschafft.

  • ...fordert Menschen

    Der „perfekte“ Chef fordert Menschen heraus. Er will Leistung erleben und regt Menschen an, sie zu erbringen. Dabei orientiert er sich nur ungern am Durchschnitt, sondern an Spitzenleistungen. Der „perfekte“ Chef gibt sich mit dem zweitbesten Ergebnis nicht zufrieden.

  • ... ist fachlich selten der Beste

    Von dem Gedanken, stets der Beste in allen Bereichen sein zu wollen, müssen sich Führungspersönlichkeiten trennen. Der „perfekte“ Chef konzentriert sich auf seine Stärken und seine Hauptaufgaben.

  • ... verkörpert Werte

    Grundvoraussetzung eines „perfekten“ Chefs sind gelebte Werte, die von allen Mitarbeitern als Führungsgrundsätze empfunden werden. Nur so entsteht das viel geforderte Vertrauen.

  • ... ist wirksam

    Letztlich geht es um das wesentliche: Der „perfekte“ Chef bewirkt, dass Menschen Ziele erreichen. Das Wesen guter Führung ist Wirksamkeit.

  • ... ist offen für andere Wirklichkeiten

    Meistens halten wir unsere Meinung für die Wahrheit, basierend auf der Wirklichkeit, wie wir sie empfinden. Häufig entspricht unsere Wirklichkeit jedoch nicht der Realität. Der „perfekte“ Chef setzt sich auf den Stuhl des anderen. Wer durch die Augen anderer sieht, entdeckt eine Fülle von Wirklichkeiten.

    Quelle: Perspektive Mittelstand

Philosophieren heißt zunächst einmal, existentielle Fragen zu stellen, absolute Wahrheiten in Zweifel zu ziehen, selber zu denken. Ist solch eine Lebenseinstellung beim Führen nicht eher hinderlich?

Ich glaube das nicht. Rechthaberei, Machtansprüche und Ideologien, die im Besitz der Wahrheit zu sein behaupten, sind doch fatal.

Fatal für die Geführten. Der Führende überzeugt doch vor allem durch seine Entschlossenheit und dadurch, dass er zumindest nach außen demonstriert, dass er überhaupt keinen Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidungen hat.

Er kann ja entschlossen sein, dass er mit anderen zusammen nach der besseren Lösung sucht. Der Anspruch, Recht zu haben und es durchzusetzen, hat heute verheerende Folgen. Das sieht man immer wieder. Bei ThyssenKrupp, bei Siemens, bei der Deutschen Bank. Eine Erklärung unter vielen dafür ist, dass die Positionen der Führenden zu wenig überprüft wurden. Was fehlte war also die Falsifikation, wie das Karl Popper nennt, das kritische Überprüfen von Überzeugungen.

Wissenschaftsformate feiern Erfolge Das Denken wird zum lukrativen Geschäft

Die Ökonomen wollen die Welt nur vollends erklären, aber es kommt darauf an, sie annähernd zu verstehen. Die Philosophie ist wieder gut im Geschäft, nicht nur auf der Phil. Cologne.

Quelle: dpa/Montage

In Ihrem Buch beschreiben Sie auch Grenzsituationen, also vor allem die Begegnung mit dem Tod, die Menschen zum Philosophieren bringen, zur Suche nach einem Sinn. Welche Situationen im Geschäftsleben werfen philosophische Fragen auf?

Wenn zum Beispiel eine Geschäftsbeziehung, eine große internationale Kooperation, in die man große Hoffnungen gesetzt hat, nicht gelingt. Wenn klar wird, dass der andere nicht der ist, für den man ihn gehalten hat. Oder wenn klar wird, dass eine technische Lösung, von der alle überzeugt waren, sich als untauglich entpuppt. Solche Situationen machen viele Manager sehr nachdenklich. Das habe ich in meiner Tätigkeit als Berater nicht selten erlebt. Genau dann, in unüblichen Situationen, sind wir ja gefragt.

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