Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

Reid Hoffman, Mitbegründer Quelle: REUTERS

Reid Hoffman, Mitbegründer von LinkedIn: "Jedes Individuum ist eine Art Ich-AG"

Bild: REUTERS

Doch genau das ist das Problem: In einer Welt, in der Arbeitnehmer nur so bekannt und erfolgreich sind wie ihr jüngstes Projekt, wird der Aufbau einer digitalen Referenz, einer nachhaltigen Eigenmarke essenziell für das berufliche Fortkommen.

„Heute ist jedes Individuum eine Art Ich-AG“, sagt Reid Hoffman, Mitgründer von LinkedIn. „Mit jedem Arbeitgeber und Kunden, für den man arbeitet, baut man sein Geschäft, seine Kontakte und Fähigkeiten aus. Selbst wenn man drei oder vier Jahre für einen Arbeitgeber tätig ist, identifiziert man sich nicht mehr so stark. Es ist wichtiger, die eigene Marke aufzubauen und zu pflegen.“

Das deckt sich auch mit einer Umfrage, die die Düsseldorfer Personalberatung Lachner Aden Beyer & Company (LAB) vergangene Woche exklusiv für die WirtschaftsWoche unter 334 Managern durchgeführt hat: Demnach ist bereits rund 71 Prozent der Manager ihre Marke im Netz wichtig bis sehr wichtig. 33,2 Prozent beschäftigen sich regelmäßig damit, welche Informationen über sie im Internet kursieren; 56 Prozent machen das gelegentlich. Zum Vergleich: 2007 beschäftigte sich erst jeder Vierte mit seiner Online-Marke. Und über 14 Prozent pflegen ihr Online-Image aktiv und regelmäßig, 33,5 Prozent tun dies „gelegentlich“ – durch eigene Profile in Netzwerken, durch Beiträge in Fachforen oder Xing-Gruppen.

Image-Aufwertung durch Online-Spionage

„Personen-Recherchen im Internet sind inzwischen völlig normal. Das machen nicht nur Personalberater, sondern längst auch Geschäftspartner untereinander“, sagt LAB-Geschäftsführer Klaus Aden. Mehr noch: Rund 90 Prozent der befragten Manager sind überzeugt, dass die Bedeutung der digitalen Marke weiter zunehmen wird.

Wir sind alle kleine Hobbyspione. Jeder kennt den Spruch: „Es geht nicht darum, was du weißt, sondern wen du kennst.“ Dank Internet ist daraus jedoch eine neue Ableitung entstanden: „Es geht nicht darum, wen du kennst, sondern darum, wer dich kennt.“

Doro Wiebe hat dieses Prinzip sofort verinnerlicht. Mit 28 Jahren moderiert die Mainzerin bereits Radiosendungen sowie beim ZDF TV-Formate, darunter „37°plus“. Ein guter Start. Sie hat Fans, bekommt regelmäßig Zuschauerpost. „Allerdings stehe ich mit meiner Karriere erst am Anfang“, sagt die quirlige Blondine. Entsprechend emsig bastelt sie an ihrem virtuellen Mikrouniversum, damit es zügig weitergeht.

Unter ihrem Namen betreibt sie eine Web-Seite, publiziert dort Dreh-Fotos, ihre Moderationstermine für die Fans sowie einen Videoclip über ihr Arbeitsspektrum. Zusätzlich hat sie ein Xing-Profil angelegt sowie eins bei Facebook. Und tatsächlich: Seit sie sich dort mit einer wachsenden Zahl von Menschen vernetzt, mehren sich die Moderationsanfragen. „Solche Seiten sparen ja Zeit, weil sich die Leute vorab über mich informieren können“, sagt Doro Wiebe. Keiner kauft gerne die Katze im Sack.

Ego-Googeln ist kein Zeichen für Profilneurose

Dass ihre Auftraggeber sie online ausspionieren, ist ihr durchaus bewusst. Dafür testet sie regelmäßig ihre Suchmaschinen-Ergebnisse und prüft, was dort unter ihrem Namen erscheint. Sie weiß: Image ist vielleicht nicht alles, aber es kommt der Bedeutung von Leistung zunehmend näher.

„Ego-Googeln“, „Vanity-Search“, „Eigenmarketing“ – die Fachbegriffe zu derlei Ambitionen klingen weniger schmeichelhaft. Ihnen haftet der Hautgout der Selbstbezogenheit und Profilneurose an. Der Verdacht: Nur ein extrem eitler Mensch beschäftigt sich ständig damit, was über ihn im Netz publiziert wird oder welchen Rang er dort einnimmt.

Doch dieses Klischee ist falsch. Gefährlich ist es dazu. Das Internet ist nicht mehr nur ein gigantischer Wissensspeicher und Marktplatz für Eitelkeiten, sondern zunehmend auch unfreiwilliges Reputationsinstrument: Netzwerk-Profile, Blogkommentare, Foreneinträge oder 140-zeilige Tweets – je mehr im Web über jemanden zu lesen ist, desto mehr entsteht daraus ein glaubhaftes Bild dieser Person.

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Das muss mit der Realität wenig gemein haben, womöglich ist es nur ein Charakterfragment, vielleicht nur Fiktion. Aber wen interessiert das schon? Je öfter sich solche Informationen im Netz wiederholen, desto realer werden sie in den Augen der Beobachter. Oder kurz: Sie formen eine digitale Marke, die den Menschen ein Leben lang anhängt. Ob sie wollen oder nicht.

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