Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

Neuer Service bei Google: Mit Quelle: dpa

Neuer Service bei Google: Mit Google Profile kann man seine eigene digitale Visitenkarte erstellen

Bild: dpa

Wer sich regelmäßig einen Überblick über seine digitalen Hinterlassenschaften verschafft, der handelt somit verantwortungsbewusst und vorausschauend.

Dass das der kommende Web-Trend wird, hat offenbar Google selbst erkannt. Seit ein paar Wochen bietet das Suchimperium einen neuen Dienst an, mit dem die Nutzer Fundstellen über sich besser beeinflussen sollen: Auf „Google Profile“ lassen sich zum eigenen Namen Foto, Kurzbeschreibung, Beruf und Wohnort sowie selbst gewählte Links verknüpfen und so eine Art Web-Visitenkarte formen. „So können andere mehr über Sie erfahren“, heißt es lakonisch im Begleittext.

Der Prozession der Laienselbstdarsteller wird sich künftig kaum einer entziehen können. Denn im Gegensatz zu den unendlichen Weiten des Webs sind die dortigen Markenplätze begrenzt.

Die Domain ottonormal.de zum Beispiel gibt es eben nur einmal. Sollte Otto Normal tatsächlich der Erste sein, der sie kauft und dazu alle Namensvariationen registriert, haben seine Namenszwillinge bereits erhebliche Nachteile, jemals vor ihm im Netz gefunden zu werden. Und „wenn Sie heutzutage nicht über Google gefunden werden, ist es beinahe so, als existierten Sie nicht“, prophezeit der Bestseller-Autor Jeff Jarvis in seinem jüngsten Bestseller „Was würde Google tun?“

Die Kehrseiten der neuen Offenheit

Seine nachdrückliche Empfehlung lautet daher, unter allen Umständen unter den Suchergebnissen zu erscheinen. „Man kann nie wissen, wann der nächste Job in Aussicht ist.“

So viel Offenheit hat natürlich auch Kehrseiten: Wer im Internet gezielt Fährten legt, steht zwar schnell im Rampenlicht, geht mitunter aber auch große Risiken ein. Eine Online-Marke aufzubauen heißt, sich permanenter Beobachtung sowie nicht selten harten bis unfairen Urteilen auszusetzen. Gleichzeitig erhöht die Eigenmarke den Zwang, selbiger zu entsprechen. Allzu starke Imagebrüche interpretiert die Netzgemeinde häufig als Indiz für Unaufrichtigkeit und straft sie entsprechend ab. Der Druck kann so rasant wachsen – und Karrieren abrupt beenden.

Selbst in vermeintlich privateren Bereichen. So verlor erst kürzlich eine 31-jährige Schweizerin ihren Job bei der Nationale Suisse Versicherung, weil sie vergaß, wie öffentlich das Web ist. Sie habe starke Migräne, teilte die Baslerin ihrem Chef mit, und müsse deshalb im Dunkeln liegen, am Bildschirm könne sie jedenfalls nicht arbeiten. Zu Hause loggte sie sich allerdings bei Facebook ein, bastelte an ihrem Profil – und flog auf. „Wer dies kann, kann auch arbeiten“, begründete ihr Chef die anschließende Kündigung.

Streisand-Effekt: Sich selbst verstärkende Skandale

Ähnlich erging es einem Beinahe-Cisco-Mitarbeiter, der sich um Kopf und Kragen twitterte. Just nach seinem Bewerbungsgespräch zwitscherte er, der Job sei zwar gut bezahlt, dafür aber würde er ihn „hassen“. Ein mitlesender Cisco-Mitarbeiter pfiff umgehend zurück: „Wer ist der Einstellungsmanager? Ich bin sicher, er liebt es zu hören, dass du den Job hassen wirst.“

Und machen solche Geschichten erst einmal die Runde, lassen sie sich kaum je wieder löschen. Allein der Versuch kann das Desaster verstärken. „Streisand-Effekt“ heißt das Phänomen im Fachjargon: Die durch Dementis ausgelösten Zitierungen breiten sich im Netz erst recht aus und vergrößern die Anzahl der Fundstellen. Der Skandal ist für lange Zeit ganz oben auf den Trefferlisten.

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„Wer damit anfängt, seine Marke aufzubauen, sollte sich anfangs auf keinen Fall zu viel vornehmen“, warnt der Berliner Markenberater Johannes Barho. Wer es eilig hat, erhöht nur die Chance, Fehler zu machen. Bis man von einem gewissen Bekanntheitsgrad sprechen könne, sagt Barho, dauere es in der Regel bis zu einem Jahr – und auch nur dann, „wenn derjenige bereit ist, jeden Tag rund eine Stunde Zeit in seine Markenpflege zu investieren.“

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