Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

Marke Eigenbau: Wie man im Internet zur Marke wird

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wiwo.de startet Ideenwettbewerb im Internet

Gestern noch ein Niemand, heute ein großer Name: Die digitalen Bühnen des Internets dienen immer mehr Menschen zur persönlichen Markenbildung – mit vielen Vorteilen für die Karriere. Aber auch einigen Risiken und Nebenwirkungen.

Es war ein halbes Jahr Arbeit. Alle paar Tage tippte Claudia Sommer ihren Namen bei Google ein. Mal in Anführungszeichen, mal ohne. Nur was dabei herauskam, gefiel ihr nicht. Immer wieder hieß es ganz oben: „Herzlich Willkommen auf der Seite von Claudia Sommer. Diese Seite enthält pornografischen Inhalt und ist für Jugendliche unter 18 Jahre nicht geeignet.“ „Ärgerlich“ sei das gewesen, sagt Claudia Sommer über die andere Claudia Sommer, ihren Namenszwilling. Diese permanente Verwechslungsgefahr.

Ihr eigenes Profil folgte erst auf Platz 2 in den digitalen Namenscharts – das jener Claudia Sommer, die als Webmanagerin bei Greenpeace in Hamburg arbeitet. „Schon allein deshalb musste ich etwas dagegen tun“, sagt die Greenpeace-Mitarbeiterin. „Ich will kein Porno-Image.“ Also meldete sie sich bei Twitter an, vernetzte Ihre Profile bei Xing & Co., schrieb ein privates Blog, sexfrei, mit inzwischen 150 Lesern. Vergangene Woche war es endlich soweit: Platz 1 bei Google. „Ehre gerettet.“

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Mit solchen Problemen muss Judith Peper nicht kämpfen. Ihr Image strahlt so reinweiß wie ihre Zähne. Seit zwei Wochen präsentiert sich die Düsseldorfer Zahnärztin bei dem Mikronachrichtendienst Twitter als „innovative“ Ärztin mit Golf-Handicap und gebleachtem Lächeln. „Meine PR-Beraterin hat mir dazu geraten“, sagt sie. „Es ist ein Versuch.“

Twittern für die Karriere

Seitdem twittert „Doktorjudith“ bis zu viermal täglich in maximal 140 Zeichen, was gerade in ihrer Praxis passiert („Sehr, sehr viel zu tun. Notfallpatient über Notfallpatient. Ich eile. Ich renne.“), macht Werbung für sich („Hallo, lies bitte auf meiner Seite mouthness.de (Idee meiner Beraterin) nach, was die Peper-Methode ist.“) oder erklärt ihren neuen Mitteilungsdrang („Genau deshalb bin ich hier. Vertrauen aufbauen, Misstrauen abbauen. Zahnärzte sind auch gut“). Immerhin: 80 Menschen verfolgen das rezeptfreie Gezwitschere. Ein paar Kunden haben sich ebenfalls gemeldet.

Es hat sich einiges geändert in Deutschland. Seit mehr als zwei Drittel der Deutschen online sind und dort im Schnitt 88 Minuten täglich verbringen, wie eine Studie des Branchenverbands Bitkom kürzlich feststellte, gibt es dort viel potenzielle Aufmerksamkeit, von der immer mehr profitieren wollen. Sei es in Sachen Prestige, Ruhm oder für die Karriere.

Täglich wächst die Schar von Netzaktivisten, die die Gunst der Stunde nutzen, um sich gezielt einen Namen zu machen. Erst im Internet, dann – hoffentlich – auch im realen Leben. Ein neuer Name ist dafür auch schon gefunden: Personal Branding – die digitale Form der Marke Eigenbau. Dabei geht es um das gezielte Inszenieren und Steuern eines ebenso originellen wie möglichst positiv besetzten Profils im Web.

Für Marktbeobachter ist das nur eine logische Evolution. Soziale Netzwerke wie Xing, Facebook, LinkedIn oder Myspace haben die Online-Profilierung zuerst kinderleicht, dann zu einer weltweiten Massenbewegung gemacht. Ein Paradies für die Freunde der medialen Inszenierung und des Vernetzens.

Allerdings folgte auch darauf eine Phase der Erkenntnis und der publizistischen Peinlichkeiten. Fotos von betrunkenen Party-Studenten waberten ebenso durchs Web wie verhuschte Halbakte von Möchtegernmodels.

Inzwischen aber wird mehr und mehr Nutzern bewusst, dass auch das, was sie können und wissen, andere im Netz interessiert. Seitdem profilieren sich Angestellte und Freiberufler als Experten, Ehrenamtler werben für ihre Sache, Nachwuchsmusiker bieten ihre Songs als Gratis-Hörproben an. Die Online-Netze haben längst die Form einer gigantischen Ansammlung von Talent-agenturen angenommen, deren Mitglieder nur darauf warten, den nächsten Superstar zu entdecken – eine Art digitales DSDS, nur ohne Dieter Bohlen.

Die Gründe für den medialen Profilierungsdrang liegen auf der Hand. Schon heute sehen laut einer US-Studie rund 61 Prozent der Arbeitgeber soziale Netzwerke wie Face-book oder Twitter als Fundgruben, um verheißungsvolle Jobkandidaten aufzuspüren. Eine Studie der US-Marktforschung Pew wiederum ergab 2008, dass bereits jeder zweite Internet-Nutzer sich intensiv damit beschäftigt, welches Image er im Netz hinterlässt. Zum Vergleich: 2002 waren es erst 22 Prozent. Man muss dabei ja nicht gleich so weit gehen wie der Medienwissenschaftler Norbert Bolz, der bereits ein „Zeitalter des Self-Design“ heraufziehen sieht, eine Phase, in der es wichtiger sein wird, sein Selbst zu erschaffen, als sich zu entdecken.

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