Mary Osborn: Vorkämpferin für Gleichberechtigung

Mary Osborn: Vorkämpferin für Gleichberechtigung

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Prof. Dr. Mary Osborn, Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie Göttingen

Die Britin Mary Osborn, die seit mehr als dreißig Jahren in Deutschland lebt, hat Farbe in die Zellbiologie gebracht. Mit der von ihr und ihrem Ehemann Klaus Weber in den Siebzigerjahren eingesetzten Mikroskopiermethode gelang es erstmals, das Innenleben von Zellen nicht nur dreidimensional, sondern auch farbig darzustellen – und damit bis dahin unsichtbare Strukturen abzubilden. Die als Immunfluoreszenz-Mikroskopie bekannt gewordene Technik, die heute tagtäglich von Forschern auf der ganzen Welt angewandt wird, revolutionierte die Zellbiologie. Auch aus der Krebsdiagnostik ist Mary Osborns Mikroskopiertechnik nicht mehr wegzudenken. Aber die Vorzeige-Forscherin hat noch eine weitere Leidenschaft: die Gleichstellung der Geschlechter in den Laboren.

Wenn Mary Osborn eines nicht leiden kann, dann ist es das Gefühl, dass man ihr Zeit stiehlt. Dafür ist die Zellbiologin, obwohl seit 2005 im Ruhestand, einfach viel zu beschäftigt. Journalisten, die sich mehr für das interessieren, was sie zum Frühstück isst, als für ihre Arbeit, wimmelt sie daher auch schon mal gerne ab. „Was möchten Sie wissen?“, fragt sie schon zur Begrüßung und fängt gleich selbst zu erzählen an. Von ihrem Lebenswerk, der mit ihrem Namen untrennbar verbundenen Immunfluoreszenz- Mikroskopie.

Mary Osborn ist eine energische Frau. Graues Haar, geschminkte Lippen – so sitzt sie noch immer jeden Tag in ihrem Büro im Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie. Auf dem Schreibtisch steht ein großer Flachbildschirm. Darüber hängt ein Foto von ihr und ihrem Mann beim Schachspiel, daneben ein Andy-Warhol-Siebdruck von Mildred Scheel, der Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Bilder, die einiges über sie und ihre Arbeit erzählen: Wie Mary Osborn 1975 ihrem deutschen Ehemann Klaus Weber nach Göttingen folgte, wo dieser einen Direktorenposten angenommen hatte. Wie sehr sie es genoss, einen Partner zu haben, der ihre Leidenschaft für die Forschung teilte. Der sich niemals beklagte, dass sie zu wenig Zeit für ihn habe, weil er selbst zwölf Stunden am Tag und länger im Labor stand. Der gemeinsam mit ihr so manche wissenschaftliche Kontroverse durchfocht.

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Zynische Kritiker

Denn die mikroskopischen Aufnahmen aus dem Inneren der Zelle, die Osborn und Weber in den Siebzigerjahren veröffentlichten, hielten einige ihrer Kollegen zunächst für gefälscht. Dem Wissenschaftler-Paar war es damals gelungen, die Mikrotubuli der Zelle vollständig sichtbar zu machen. Diese filigranen Röhrchen verlaufen wie ein dreidimensionales Netz kreuz und quer durch die Zelle. Mithilfe der Mikrotubuli gelangen die winzigen Vesikel, in denen die Zelle beispielsweise Nährstoffe oder Abfallprodukte transportiert, von einem Ort zum anderen. Für ihre revolutionäre Technik hatten Osborn und Weber fluoreszierende Antikörper an die Mikrotubuli geheftet. Deren Leuchten machte den Verlauf der Röhrchen unter dem Lichtmikroskop sichtbar.

Frauen, die forschen

Frauen, die forschen

Im Elektronenmikroskop hingegen, mit dem damals sämtliche Zellbiologen arbeiteten, waren immer nur Bruchstücke der Röhrchen zu sehen gewesen. Ein Kritiker vermutete daher sogar, dass Osborn und Weber in ihren Aufnahmen die Mikrotubuli von Hand eingezeichnet hätten. „Es war nicht besonders lustig“, erinnert sich Mary Osborn. Doch sie konnten zeigen: Da im Elektronenmikroskop immer nur hauchdünne Zellschichten zu sehen sind, erschienen die Mikrotubuli dort nie als Ganzes. „Wer zwanzig Jahre lang durch ein Elektronenmikroskop geguckt hat, dem fällt es natürlich schwer zu glauben, dass er dort nie das Richtige gesehen hat“, sagt die Forscherin trocken.

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