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Master oder Diplom: Welcher Titel lohnt für wen?

Die Hochschulen in Deutschland ersetzen Staatsexamen, Magister und Diplom durch Bachelor- und Masterabschlüsse. Für wen sich welcher Titel lohnt.

Fortschritt

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45 Prozent der insgesamt 11 492 Studiengänge in Deutschland sind bereits auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Fachhochschulen sind dabei die Vorreiter: Sie bieten bereits zu 70 Prozent Bachelor- und Masterabschlüsse an. Die Universitäten hinken mit einer Umsetzungsquote von 39 Prozent hinterher. Vor allem die technischen Fächer Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen sowie die rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächer kommen bei der Neuausrichtung voran: Je 61 Prozent der Studiengänge sind neu. Rückständig zeigen sich Mediziner, Natur- und Geisteswissenschaftler. Bis 2010 müssen alle Studiengänge umgestellt sein. So verlangt es die Bologna-Erklärung, die die europäischen Staaten 1999 unterzeichnet haben. Ziel ist ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum mit vergleichbaren Abschlüssen.

Konzept

Grundsätzlich gilt: Der Bachelor lehrt praxisrelevante Grundlagen, der Master führt zu theoretischer Spezialisierung — stärker als das beim Diplom der Fall ist oder war. In der Regel sind Bachelorprogramme auf sechs Semester ausgelegt, an Fachhochschulen bei ingenieur-, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen oft auch auf sieben Semester. Die Masterprogramme dauern meist vier Semester, an Fachhochschulen mit längeren Bachelorprogrammen auch nur drei. In der Regel sind die Masterstudiengänge konsekutiv, das heißt sie bauen auf den Bachelor auf. Hochschulen werden künftig aber auch nicht-konsekutive Masterprogramme anbieten, die vom Bachelor inhaltlich unabhängig sind.

Akzeptanz

Die Unsicherheit bei Unternehmen ist groß. Jedem dritten Personalchef fehlt Erfahrung mit dem Master. Allerdings: Mehr als 60 Prozent halten den neuen Abschluss für mindestens genauso gut wie das Diplom. Nur sieben Prozent glauben, dass das akademische Niveau durch die Umstellung leidet. Die Empfehlung der Personalchefs: Gut jeder Zweite hält den Master für den bevorzugten Titel. Aber fast 50 Prozent halten den Bachelor ebenfalls für sinnvoll. Da die Absolventen dann auch mit internationalen Bewerbern vergleichbar sind, wird es mehr und mehr auch auf Eigenmarketing ankommen: Auslandsaufenthalte, Fremdsprachen, Persönlichkeit – und das Renommee der Hochschule.

Karriere

Ob Studenten den Bachelor oder Master anpeilen sollten, hängt von zwei Aspekten ab: Fach und individuelles Karriereziel. Im kaufmännischen Bereich scheint sich der Bachelor bereits als Regelabschluss durchzusetzen. Das heißt: Mit dem Kurzzeitstudium in der Tasche schaffen Absolventen problemlos den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Das gilt in etwas abgeschwächter Form auch für IT- und Ingenieurstudenten. Vor allem, wenn sie in Servicebereiche einsteigen möchten — auch ein Bachelor kann Vertriebsvorstand werden. Aber wenn ein Akademiker nach seinem Studium eine Expertenlaufbahn einschlagen möchte, ist ein Master eher sinnvoll. Zum Beispiel wer als Ingenieur in die Forschung oder als IT-Fachmann in die Softwareentwicklung will oder als Ökonom Derivatespezialist werden möchte.

Studienort

Master-Studenten sind gut beraten, sich genau zu überlegen, mit welchem Schwerpunkt und wo sie abschließen wollen. Die Hochschulen spezialisieren sich zunehmend und haben besondere inhaltliche Stärken. Die Zahl der Uniwechsel nach dem Bachelor wird deshalb künftig steigen. Die Auswahl des Studienortes ist aber auch deshalb wichtig, weil die Unternehmen stark auf fachliche Kompetenz der jeweiligen Hochschule schauen. Gleichzeitig wächst der Konkurrenzdruck: Der Zugang zu Masterprogrammen wird begrenzt. Nicht jeder Bachelor-Absolvent erhält einen Studienplatz seiner Wahl, weil sich die Hochschulen ihre Studenten aus den Bewerbungen zunehmend aussuchen können. Bewerber, die bereits den Bachelor an der Hochschule gemacht haben, könnten gegenüber gleich starken Kandidaten von auswärts einen Heimvorteil haben.

Gütesiegel

Bachelor- und Masterstudiengänge können sich von offiziellen Zertifizierungsstellen akkreditieren lassen. Rund 40 bis 50 Prozent tragen bereits ein solches Qualitätssiegel. Auch darauf werden Personaler künftig verstärkt achten — vor allem beim Master.

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