MBA: Studenten auf Weltreise

MBA: Studenten auf Weltreise

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Viele Universitäten bieten mittlwerweile gemeinsame Abschlüsse an

Immer mehr Schulen schicken Studenten des Executive MBA auf Weltreise. Die internationale Ausrichtung bedeutet Mehrwert - doch nur, wenn dahinter keine akademische Touri-Tour steckt.

Von dem Projekt profitiert Ralf Neumann noch heute. Zusammen mit drei Amerikanern, einem Brasilianer, Mexikaner und Chinesen analysierte der 40-Jährige während seines MBA-Studiums die Lieferkette von Backwaren in Supermärkten. „Wir haben einen Fragebogen ausgearbeitet, und dann hat jeder von uns Supermärkte in seinem Land befragt“, sagt der Marketingleiter für Industrie-Backmittel bei Bakemark Deutschland. Heraus kamen zwei unterschiedliche Erfolgsmodelle: „Die einen steuern ihre Lieferkette zentral und setzen nur auf wenige und große Lieferanten, die anderen machen das dezentral und arbeiten mit kleinen lokalen Anbietern zusammen“, sagt Neumann.

Die Erkenntnis helfe ihm heute noch bei der Entwicklung von Verkaufsstrategien für Europa. Er gehe „automatisch mit einer globalen Sicht an eine Aufgabe heran“. Neumann belegte 2006 den „OneMBA“, ein Programm von fünf führenden Schulen aus Brasilien, Hongkong, Mexiko, den Niederlanden und den USA.

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Die globale Stoßrichtung bei Programmen des berufsbegleitenden Executive MBA (EMBA) liegt im Trend. Schulen kooperieren länderübergreifend, bieten gemeinsame Abschlüsse an, schicken Teilnehmer auf Studienaufenthalte an Partnerschulen oder zu Firmenbesuchen im Ausland: meist nach Europa und in die USA, aber zunehmend auch in Schwellenländer wie China und Indien. Die Qualität steigt enorm. Doch die Gestaltung der Programme ist höchst unterschiedlich. Manche überlassen es dem Einzelnen, in welchem Land er einen Kurs besucht, andere reisen im Klassenverband. Das macht die Auswahl schwer.

Der Lehrplan ist streng durchgetaktet. Neumann besuchte elf Wochenend-Module an der Rotterdam School of Management, seiner Heimatschule. Er bearbeitete in lokalen Teams Projekte zu den Themen Marketing, Finanzen, Strategie und Produktion. So konzipierte er etwa die Einführung der Balanced Score Card in einer Abteilung seines damaligen Arbeitgebers.

Zwischendrin ging es viermal auf je einwöchige Reisen: mit Stationen in Polen, Mexiko, Brasilien, Hongkong, Shanghai und den USA. In Washington traf er zum ersten Mal seine Kommilitonen der anderen vier Schulen. Dort besuchten die mehr als Hundert Manager Vorlesungen sowie Firmen und wurden einem sechs- bis siebenköpfigen internationalen Team zugeteilt. Eine Schnitzeljagd durch Washington schweißte die Arbeitsgruppe zusammen. Unter Zeitdruck erarbeitete sie eine Präsentation. Zu Hause in Holland arbeitete Neumann virtuell mit seinen Kollegen weiter.

Die Internationalität hat ihren Preis. Bis zu 90.000 Euro kostet die meist 18- bis 24-monatige Weiterbildung. Trendsetter war der Trium Executive MBA. Das gemeinsam von der Stern School of Business in New York, der London School of Economics und der HEC School of Management in Paris organisierte Programm verteilte erstmalig im Jahr 2001 den Unterricht auf sechs Module in New York, Paris, London, China und einem wechselnden Schwellenland.

Galt das Trium-Programm wegen seiner internationalen Lernorte damals als außergewöhnliches Konzept, haben etliche Anbieter nachgezogen. Für die MBA-Studenten bringt das etliche Vorteile: „Gut konzipierte internationale Programme schaffen einen enormen Mehrwert für die Teilnehmer“, erklärt Philippe Naert, Dekan der niederländischen TiasNimbas Business School. „Das meiste lernen sie voneinander.“

Beim EMBA hat „jeder bereits Verantwortung und langjährige Führungserfahrung“, sagt OneMBA-Absolvent Neumann. Die Teilnehmer sind durchschnittlich 36 Jahre alt und haben zwölf Jahre Berufserfahrung. Der Austausch findet daher „auf einem ganz anderen Niveau statt“. So sei es etwa bei dem Backwaren-Projekt interessant gewesen, von den Logistik-Erfahrungen des brasilianischen Marketingleiters von FedEx zu profitieren.

Wie stark Multi-Kulti im Hörsaal verankert ist, hängt von der Konzeption des Programms ab. So rekrutieren beim OneMBA alle fünf Schulen Teilnehmer aus ihrem regionalen Markt. Zunächst werden die Studiengebühren, die von Land zu Land variieren, in einen Topf geschüttet. Nachdem die Kosten gedeckt sind, wird der Rest nach Zahl der rekrutierten Studenten aufgeteilt. Vorteil: Das Vorgehen treibt jede Schule an, ihre Rekrutierungsbemühungen zu forcieren. Bei anderen Schulen – wie etwa beim Trium – ist die Rekrutierung dagegen zentral gesteuert.

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