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Millionen-Schaden: Wirtschaft will Rauch-Pausen verbieten

von maz und dpa

Rauchende Mitarbeitern soll die kleine Pause zwischendurch verboten werden. Mittelständische Unternehmen nehmen sich Schweden als Vorbild. Dort kostet jeder Fünf-Minuten-Raucher die Unternehmen angeblich bis zu 3500 Euro pro Jahr.

Künftig soll es nur noch in der Mittagspause oder nach Feierabend erlaubt sein: Die fünf-Minuten-Kippe zwischendurch. Quelle: dpa
Künftig soll es nur noch in der Mittagspause oder nach Feierabend erlaubt sein: Die fünf-Minuten-Kippe zwischendurch. Quelle: dpa

Es ist die notwendige kleine Auszeit für alle Angestellten: Jeder Arbeiter klinkt sich während der Arbeit für fünf kurze Minuten aus und schaut aus dem Fenster. Raucher gehen dann vor die Tür und stecken sich eine Fluppe an. Es ist einer ihrer letzten Rückzugsorte: die fünf-Minuten-Kippe für Zwischendurch.

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Medienberichten zufolge könnte damit bald Schluss sein: die Wirtschaftsverbände des Mittelstands wollen eine komplett rauchfreie Arbeitszeit einführen. Beschäftigte, die sich jetzt ab und an eine Kippenpause gönnen, sollen künftig nur noch in der Mittagspause oder nach Feierabend rauchen dürfen. „Schluss mit dem blauen Dunst während der Arbeit“, fordert der Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven. Der Grund: „Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf.“

Ohovens Vorbild: das Land Schweden. Dort herrscht in Firmen und Kommunen seit längerem die sogenannte „rökfri arbetstid“, die rauchfreie Arbeitszeit. Nach Berechnungen des Volksgesundheitsinstituts kostet jeder Raucher seinen schwedischen Arbeitgeber im Jahr umgerechnet mehr als 3500 Euro zusätzlich. Im Schnitt summierten sich die Raucherpausen täglich auf eine halbe Stunde Arbeitszeit.

Die Chefin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft, Ursula Frerichs, ist auf die Forderung mit aufgesprungen. Auch sie fordert: „Extra-Pausen für Raucher müssen abgeschafft werden. Es kann nicht sein, dass Nichtraucher bestraft werden.“ Oft würden mehrere Raucher zusammen stehen und mehr als nur eine Zigarette rauchen, was im Extremfall den ganzen Betrieb lahmlegen könne.

Droht ein Kippenaus für rauchende Mitarbeiter?

Ob es zu einem generellen Raucherpausenverbot kommt, ist allerdings fraglich. Eine gesetzliche Regelung des Nichtraucherschutzes über das bereits geltende Maß hinaus ist nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unnötig. Der Verband teilte mit: „Entscheidungen über Rauchverbote und den Nichtraucherschutz muss jedes Unternehmen selbst treffen“. Auch künftig sollen der Betriebsrat und die Arbeitgeber bestimmen, wie der Nichtraucherschutz in den Betrieben umgesetzt wird.

Jetzt halten die Gewerkschaften dagegen: „Die Behauptung, Raucherpausen würden den Arbeitsablauf stören oder gar den Betrieb lahmlegen, ist geradezu grotesk“, erklärte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Pausen seien angesichts der zunehmenden Arbeitsbelastung immer wichtiger. Ein Rauchverbot auch während dieser Pausen erhöhe unnötig den Druck auf die Arbeitnehmer. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht darin: „Eine massive Diskriminierung und ein Schritt Richtung Nichtraucher-Diktatur“.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.01.2012, 16:16 UhrAnonymer Benutzer: Max

    Liebe Chefin des Unternehmerverbands mittelständische Wirtschaft,
    schön zu lesen, dass Sie sich Sorgen machen und auf diesen Zug aufgesprungen sind! Aber vielleicht hätten Sie sich zuerst vergewissern sollen, wohin dieser Zug fährt - und wie sich die von Ihnen uns "rauchenden Volkswirtschaftsschädigern" aufgezeigten Kosten bzw. Summe ergeben?
    Mal durchrechnen:
    2011 waren es 253 AT (Arbeitstage)durchschnittlich.
    253 AT - 24 (gut gemeinte durchschnittl.) Ulaubstage = 229 AT
    An 229 AT jeweils 3x5=15 Min Raucherpausen = 3435 Min/Jahr = 57,25 Std/Jahr.
    Der oben angegebene "Raucherschaden" soll € 3500.- per Anno sein.
    Das wäre also nach Adam Riese 3500€ / 57,25Std = 61,13€ pro Stunde Raucherpause Schaden - oder umgekehrt auch "normaler" Stundenlohn!

    Äh, einen Moment bitte, Frau Ursula Frerichs! Verschaffen Sie mir einen Job mit € 61.- Stundenlohn und ich mache garantiert keine Raucherpause mehr. Versprochen!
    Oder lernen sie das nächste mal erstmal Rechnen.

  • 16.01.2012, 01:38 UhrAnonymer Benutzer: Blaudunst

    Wer ist überhaupt Herr Mario Ohoven? Da wird man schnell bei Wikipedia (und nicht nur!) fundig: http://de.wikipedia.org/wiki/Mario_Ohoven
    "Verfahren gegen Ohovens Finanzdienstleistungsunternehmen"
    Und dieser Herr möchte, dass ein knappes Drittel der Mitarbeiter komplett demotiviert bei der Arbeit erscheinen, weil sie sich total ungerecht behandelt fühlen...
    Es bleibt nur zu hoffen, dass die meisten kleineren Unternehmer klug genug sind, um diese Hetze nicht ernst zu nehmen. Ich hoffe sogar, dass sie klug genug sind, um zu begreifen, das ihr Erfolg vor allem in ihrer eigenen Hand liegt: Innovative Produkte, die gefragt sind, gut überlegte und vernünftig organisierte Arbeitsabläufe (keine sinnlose oder doppelte Tätigkeiten), flache Hierarchien, Kundenfreundlichkeit und, aber nicht zuletzt, gute, motivierte Mitarbeiter gewinnen und behalten!
    Das sind alles Aufgaben, die eine Unternehmensführung alleine erledigen muss. Sie kann das nicht durch Mitarbeiter-Terror ersetzen, es funktioniert so nicht.
    Übrigens: Kurze Pausen (mit oder ohne Zigarette!) können große Fehler vermeiden! Menschen sind keine Roboter, nach 1-3 Stunden Intensivarbeit lässt die Konzentration nach und die Fehler häufen sich. Je komplizierter und anspruchsvoller die Arbeit, desto schneller passiert das.

  • 14.01.2012, 15:54 UhrAnonymer Benutzer: gerechtigkeit

    dann aber bittre auch die toilettenzeiten festlegen

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