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MINT-Report: Fachkräftemangel auf neuem Höchststand

Quelle: dapd

Der Fachkräftemangel nimmt ganz neue Ausmaße an. Deutschen Unternehmen fehlen 280.400 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschafter und Techniker. Das ist ein neuer Rekord.

Frau schraubt Motor Maschinenbau Quelle: dpa
Eine junge Frau schraubt an einem Motor. Vor allem Frauen entscheiden sich immer noch zu selten für die sogenannten MINT-Studiengänge. Quelle: dpa

Angesichts von fast 300.000 offenen Stellen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) fordern Experten Verbesserungen im Bildungssystem. Der Vorsitzende der MINT-Initiative, Thomas Sattelberger, kritisierte am Mittwoch in Berlin die mangelnde Praxisorientierung und das "Vollstopfen der Studiengänge" an den Universitäten. Den Fachhochschulen hingegen attestierte er "zunehmend besser reformierte Bachelor-Studiengänge".

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Im April gab es laut dem MINT-Frühjahresreport 280.400 offene Stellen in diesen Berufsfeldern - ein neuer Höchststand. Die Zahl der offenen Stellen habe sich damit gegenüber 2005 fast verdreifacht, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther.
Das IW hatte die Studie erstellt und gemeinsam mit der Initiative "MINT Zukunft schaffen" und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall vorgestellt. Der Arbeitsmarkt in den MINT-Berufen sei deutlich angespannter als in der konjunkturellen Hochphase im Jahr 2008, sagte Hüther.

Airbus plant an seinen deutschen Standorten vor allem zur Produktion seines neuen Verkehrsjets A350 XWB die Schaffung hunderter neuer Jobs. "Wir gehen von 1000 Neueinstellungen aus", sagte Airbus-Geschäftsführer Günter Butschek am 26. April im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Bei den Neueinstellungen handle es sich vor allem um Facharbeiter und Ingenieure. Den norddeutschen Standorten in Hamburg, Stade und Bremen mit derzeit rund 18.000 Mitarbeitern komme eine Schlüsselstellung bei der Entwicklung und Fertigung des Hightech-Fliegers zu. Im Sommer sei sein Erstflug geplant, Ende kommenden Jahres die erste Auslieferung.

Bild: dpa

Daran ändern offenbar auch die steigenden Zahlen der Hochschulabsolventen nichts. 98.4000 Studenten absolvierten laut Report im Jahr 2010 ein MINT-Erststudium. Zwischen 2005 und 2010 habe sich diese Zahl um 33.300 erhöht. Das sei aber noch zu wenig, um den bestehenden Bedarf decken zu können, sagte Hüther. Zudem werde künftig die Nachfrage nach MINT-Akademikern aufgrund des langfristigen Wachstums steigen.

Hohe Abbrecherquote an Universitäten
Sorgen bereitet den Experten die hohe Abbrecherquote, vor allen an den Universitäten. In einzelnen Fächern, insbesondere in Elektrotechnik und Maschinenbau, beendeten "inakzeptable 53 Prozent" ihr Bachelor-Studium vorzeitig, sagte Sattelberger. Auch von Arbeitgeberseite kam die Forderung nach Verbesserungen im Bildungsbereich. "Wir brauchen dringend mehr Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Gabriele Sons.

Sie warb zudem für mehr Frauen in Metall- und Elektroberufen. "Nach wie vor suchen wir händeringend junge Frauen, die Lust haben, einen technischen Beruf zu erlernen oder in den MINT-Studiengängen zu starten", sagte Sons. Die überdurchschnittliche Zunahme der Zahl junger weiblicher Fachkräfte in diesen Berufen sei ein erfreuliches Signal.

Quelle: dapd
6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.11.2012, 14:22 UhrAkademiker

    Das Problem liegt darin, dass die potentiellen Arbeitgeber nach sehr gut ausgebildeten Fachkräften suchen, dafür aber nur wenig zahlen wollen. In Akademia ist es auch nicht anders, TVL E13 für einen promovierten Akademiker? Also bitte, etwas mehr als 40.000 EU brutto für jemanden der fünf Jahre lang ein höchst anspruchsvolles MINT-Studium und auch noch eine 3,5-4 jährige Promotion gemacht hat und dabei nicht nur am Existenminimum leben dürfte, sondern auch Schlden machen musste (z.B. BaföG-Schulden 10.000 EU)und dabei am Rande der psychischen Über-Belastung zehn Jahre seines Lebens geopfert hat? Da verdient ein Mechaniker mit Ausbildung und "Nebenbeschäftigung" viel mehr. Schliesslich muss die Investition in eine sog. Facharbeiterausbildung adequat honoriert werden.
    Wenn nicht, dann viel Spass mit chinesichen und indischen Akademikern, nach denen unsere Industrie so dürstet. Deren Bildungsstand entspricht nämlich bei Weitem nicht unserer akademicher Ausbildung.

  • 11.06.2012, 18:35 UhrEOE

    Gratuliere erst einmal zur Promotion mit 28 Jahren! Und mein Beileid für das falsche Fachgebiet.
    Ein Bekannter von mir ist Elektrotechniker an einer Uni, die haben seit rund einem Jahr eine Stelle offen, aber "nur" TVL E13 vergütet und nur für 4 Jahre: dafür finden die keinen, der genug Theorie kann, schon gar keinen Promovierten.

    Die beiden Beispiele zeigen: es ist haarsträubender Unfug, ganz allgemein von "Fachkräften" bzw. einem Mangel davon zu reden, wenn es ca. 20 - 40 verschiedene Fachgebiete gibt und innerhalb der Fachgebiete noch mal 4 - 5 Qualifizierungsstufen vom einfachen Facharbeiter bis zum hochqualifizierten Ingenieur, der alleine ein Semester höhere Mathematik studieren muß, um bestimmte Bauteile oder Geräte berechnen zu können.

    Das mindeste wäre, die Gesamtzahl der offenen Stellen nach Fachgebieten und Qualifizierungsstufen aufzschlüsseln.

    Es grenzt an absurdes Theater, wenn Frau Sons, die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, "händeringend junge Frauen [sucht], die Lust haben, einen technischen Beruf zu erlernen oder in den MINT-Studiengängen zu starten".
    Sie sollte mit dem Ringen mal kurz Pause machen und die Zeit dazu benutzen, in ihrem Lebenslauf zu blättern - siehe da, Juristin! Zufälligerweise verdienen Juristen (sowie Wirtschaftswissenschaftler) anfangs weniger, später aber mehr als Ingenieure, d.h. wer zwei und zwei zusammenzählen kann, entscheidet sich eher für Jura oder BWL als Studienfach, die sind außerdem weitaus leichter, wie man aus Studentenkreisen so hört...
    Frau Sons ist der lebende Gegenbeweis zu dem, was sie laut verkündet!
    Das merken auch die talentierten jungen Damen, und deshalb kann man ihnen eigentlich nur gratulieren, trotz aller Werbung einen weiten Bogen um die MINT-Fächer zu machen und lieber BWL oder Medizin (inzwischen weitgehend Frauenfächer) zu studieren.

  • 24.05.2012, 13:14 UhrGast

    Teil 2:

    Mein Fazit aus meinem jetzigen Bewerbungsprozess und den meiner Kommilitonen:
    1.) Ich gewinne den Eindruck, dass die Firmen nicht an einer Stellenbesetzung interessiert, sondern lieber jammern. Vielleicht dient dies nur für einen Import von günstigen Arbeitskräften aus dem Ausland? Und warum sind so wenige Stellen überhaupt ausgeschrieben?

    2.) Ich frage mich, warum braucht man für Trainee-Stellen schon zig Jahre Berufserfahrung? Woher soll man diese nehmen? Das ist utopisch.

    3.) Haben die Unternehmen keine Lust mehr Absolventen auszubilden und ihnen eine Chance zu geben? Sprich ein idealer Arbeitnehmer ist kein Absolvent und keine Person, die ca. 10 Jahre vor ihrem Renteneintritt steht. Wir sollen alle eine qualifizierte Ausbildung absolvieren, dann bis 67 Jahren arbeiten und ebenso kein Hartz4 kassieren. Irgendetwas stimmt nicht mehr in Deutschland und der EU!!!

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