Mitarbeiterführung: Praxisbericht: Mit Coaching die Führungsrolle stärken

Mitarbeiterführung: Praxisbericht: Mit Coaching die Führungsrolle stärken

Bild vergrößern

Andreas Häntsch hat langjährige Erfahrung als Unternehmensberater bei Accenture. Dort war er im Bereich Customer Relationship Management bei nationalen und internationalen Telekomunternehmen tätig und verantwortete einige Projekte. Im August 2007 übernahm er eine leitende Position bei Ebay. Als Projektleiter verantwortet er dort die Einführung einer neuen CRM-Software für den europäischen Kundensupport. Im vergangenen Jahr bewarb er sich beim Coaching-Programm von Wirtschafts-Woche und Dale Carnegie Deutschland und gewann eines von 20 persönlichen Coachings.

Andreas Häntsch hat vor Kurzem einen neuen Job als Projektmanager bei Ebay übernommen. Mit seinem Coach versucht er herauszufinden, wie er Konflikte mit einem Kollegen lösen und seine Führungsrolle überzeugender ausfüllen kann. Auszüge aus dem Protokoll seines Coachings.

(Häntsch und Olafsson setzen sich an einen runden Tisch, machen es sich bequem und lockern die Atmosphäre zunächst mit etwas Plauderei auf. Dann beginnt das Coaching.)

Olafsson: „Herr Häntsch, ich würde gerne eine bessere Vorstellung davon bekommen, wie ich Sie unterstützen kann. Wäre es für Sie in Ordnung, wenn ich Ihnen einige Fragen über Ihre derzeitige Situation stelle?“

Anzeige

Häntsch: „Selbstverständlich. Legen Sie los…“

Könnten Sie kurz für mich zusammenfassen, was in diesen ersten Monaten bei Ebay aus Ihrer Sicht bereits gut geklappt hat?

Positiv sehe ich, dass ich von meinem Team und meinen Kollegen sehr freundlich aufgenommen wurde. Außerdem verfüge ich über das notwendige Wissen für die Implementierung. Nach den ersten Einblicken in die Ebay-Welt traue ich mir zu, diese Aufgabe zu meistern.

Das ist erfreulich. Es zeigt, dass Sie mit Ihrer freundlichen und kompetenten Art positiv ankommen. Aus meiner Erfahrung gibt es in jedem Unternehmen und für jeden Manager immer Punkte, die noch verbesserungswürdig sind. Wenn Sie sich Ihre neue Rolle anschauen, was könnten Sie aus Ihrer Sicht optimieren?

Hm… Da fallen mir schon ein paar Dinge ein. Ich übernahm ein Projekt, das bisher von einem Kollegen aus dem IT-Bereich in den USA vorangetrieben wurde. Er hat bereits mehrere Monate in dieses Projekt investiert. Nach meiner Übernahme war unsere Arbeitsbeziehung anfangs nicht einfach. Heute bilden wir eine Art Doppelspitze, mit mir als Projektleiter. Ich habe oft das Gefühl, dass wir gegenüber dem Projektteam nicht genug Geschlossenheit demonstrieren.

Was könnten die Gründe dafür sein?

Ich glaube, ein Grund ist, dass wir einen unterschiedlichen Hintergrund haben und uns darüber noch nicht ausgetauscht haben. Ein weiterer Grund könnte sein, dass wir unsere Rollen noch nicht geklärt haben. Ich bin zwar der Projektleiter, fand es aber anfangs schwer, mich als Führungskraft eindeutig zu positionieren.

Das verstehe ich. Gibt es noch einen Punkt, den Sie gerne verbessern würden?

Ein weiterer Punkt ist, dass ich gerne meine Führungsrolle stärken und umfassendere Aufgaben übernehmen würde.

Können Sie mir das noch genauer erklären?

Ich wäre gerne präsenter, sowohl in meinem Team als auch beim Senior Management. Mein zweites Anliegen ist, dass ich nicht in die Schublade IT-Projektleiter gesteckt werden möchte. Ich will auch meine anderen Fähigkeiten einbringen können.

Fangen wir mit dem ersten Punkt an: Ihrem Wunsch nach mehr Präsenz. Erinnern Sie sich noch daran, welches Feedback Ihnen die anderen Teilnehmer des ersten gemeinsamen Coaching-Kurses gegeben haben?

Ja, daran erinnere ich mich noch gut. Sie gaben mir die Rückmeldung, dass ich zu leise und zurückhaltend spreche. Das wirke dann vorsichtig und zögerlich, obwohl ich auf der fachlichen Ebene einen kompetenten Eindruck vermittle. Mir selbst ist das so nie aufgefallen. Ich » dachte, ich kommuniziere mit einer angemessenen Lautstärke.

Wenn ich das also einmal kurz zusammenfassen darf, dann haben Sie bei Ebay einen positiven ersten Eindruck gemacht. Sie müssen sich aber auch besser mit Ihrem Counterpart auf der IT-Seite abstimmen, um gegenüber dem Team mehr Geschlossenheit zu demonstrieren. Und Sie möchten präsenter sein, damit Ihr Umfeld Sie nicht als vorsichtig oder zögerlich wahrnimmt. Beschreibt das Ihre Situation so korrekt?

So kann man es beschreiben. Während Sie es so zusammenfassen, fällt mir noch etwas ein: Was mich besorgt, sind die ziemlich engen Fristen. Wenn wir uns nicht besser abstimmen, können wir unsere Deadlines womöglich nicht einhalten.

Danke, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir haben jetzt verschiedene Problemfelder und Ziele herausgearbeitet. Lassen Sie uns jetzt gemeinsam eine neue Perspektive für Sie entwickeln. Stellen Sie sich bitte vor, dass ein Jahr vergangen ist und wir in Ihrem Büro sitzen. Stellen Sie sich bitte weiter vor, dass wir den Ihrer Meinung nach idealen Zustand dann erreicht haben. Wie würde dieser aussehen?

In einem Jahr? (denkt nach) ...In einem Jahr ist das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Ich werde als Führungskraft mit einer starken, glaubwürdigen und positiven Präsenz wahrgenommen. Und ich kann mein Team mit meiner Begeisterung anstecken.

Gut. Und wie sieht die Zusammenarbeit mit dem anderen Manager aus?

In einem Jahr haben wir unsere jeweiligen Rollen geklärt und Verantwortungsbereiche etabliert. Es kommt zu weniger Missverständnissen und Konflikten. Unsere Zusammenarbeit hat sich entscheidend verbessert.

Habe ich also richtig verstanden, wenn ich das so zusammenfasse, dass Sie einen ganz guten Start bei Ebay hatten, aber Ihre Rolle noch besser klären und Missverständnisse reduzieren müssen, Ihre Führungskompetenz für das CRM-Projekt schärfen und Ihren eigenen Führungsstil entwickeln wollen, um präsenter zu sein? Dies zusammen soll dann dazu führen, dass das Projekt rechtzeitig und innerhalb des Kostenrahmens abgeschlossen wird. Richtig?

Ganz genau.

Nun haben wir geklärt, vor welcher Herausforderung Sie stehen. Lassen Sie uns nun über Optionen nachdenken, die Sie Ihrer Vision näher bringen. Was könnten Sie tun, um Ihre Ziele zu erreichen?

Ich könnte mich mit meinem Kollegen zusammensetzen und unsere Rollen in der Projektleitung klären.

Gut, was ginge noch?

Ich müsste meinen Kommunikationsstil überdenken, insbesondere in internen Meetings, und dafür sorgen, dass ich noch deutlicher, überzeugender und mit mehr Nachdruck kommuniziere.

Wie könnten Sie sich darauf vorbereiten und wann haben Sie das nächste Mal Gelegenheit, es auszuprobieren?

Das nächste Projektmeeting findet nächste Woche statt. Bis dahin könnte ich üben, meinen Standpunkt deutlicher zu machen.

Ja, das ist eine gute Idee. Und wie könnten Sie das konkret umsetzen?

Nun, ich würde vor allem üben, meine Gedanken in Worte zu fassen und sie mir laut vorsprechen. Und dann würde ich einen Vortrag vorbereiten und diesen mehrere Male proben.

Wie geht es Ihnen damit, wenn Sie daran denken, so etwas zu machen? Ich meine, wenn Sie das wirklich zu Hause oder im Büro machen?

Ich muss gestehen, dass es sich schon etwas seltsam anfühlt. Aber andererseits war der Erfolg bei mir und einigen anderen Teilnehmern des ersten Coaching-Kurses mit dieser Methode ganz deutlich zu sehen.

Thor Olafsson

Thor Olafsson war, bevor er seine Masterlizenz bei Dale Carnegie machte, Vorstand und Geschäftsführer in verschiedenen Unternehmen und Branchen.

Vielleicht hilft es Ihnen ja, wenn Sie sich daran erinnern, dass professionelle Redner neue Reden grundsätzlich ein paar Dutzend Mal üben...

...das wird mir wohl nicht anders ergehen.

(beide lachen) Hervorragend. Haben Sie noch andere Ideen, was Sie ebenfalls tun könnten?

Ich weiß nicht, was Sie meinen.

Haben die Mitglieder Ihres Teams klar festgelegte Rollen?

Nun ja, hier gibt es sicher noch Klärungsbedarf…

Halten wir also fest: Sie vereinbaren ein Treffen mit Ihrem Kollegen, um die unterschiedlichen Rollen zu definieren: Was liegt in Ihrer Verantwortung, was in seiner? Für das nächste Projektmeeting bereiten Sie Ihre Argumente vor und üben Ihre Rede. Zudem sollten Sie am nächsten Gruppenseminar teilnehmen. Dort üben wir, Leistungsstandards zu definieren und Verbindlichkeit zu schaffen. Klingt das nach einem guten Anfang?

Ja, das ist machbar für mich!

Um sicherzustellen, dass unser Aktionsplan erfolgreich ist, sollten wir auch » mögliche Hindernisse klären. Was könnte verhindern, dass Sie Ihre Ziele erreichen?

Das Tagesgeschäft könnte sich hier störend auswirken. Also dass ich nicht genug Priorität auf die Definition der Rollen oder die Vorbereitung von Meetings lege, weil es Wichtigeres zu tun gibt.

Hm, was könnten Sie denn tun, um sicherzugehen, dass das nicht passiert?

Ich könnte diese Punkte sofort als Termin in meinen Outlook-Kalender eintragen. Oder haben Sie eine andere Idee?

Outlook ist sicher ein Anfang. Auch den Termin mit Ihrem Kollegen sofort zu vereinbaren, könnte Verbindlichkeit schaffen. Wir beide könnten zudem ein Telefonat in ein paar Wochen vereinbaren, wo ich den Stand der Umsetzung erfrage und Sie bei Bedarf beraten kann.

Das klingt gut. So machen wir es.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%