Mittelschichtstudie: Privatleben wird wichtiger als Karriere

Mittelschichtstudie: Privatleben wird wichtiger als Karriere

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Laut einer Studie der Gothaer Versicherung sind die Angehörigen der Mittelschicht optimistisch, wenn es um ihre persönliche Zukunft geht.

Die Angehörigen der Mittelschicht sind optimistisch - zumindest soweit es es um ihre persönliche Zukunft geht. Die Familie ist ihnen wichtiger als der Beruf. Das zeigt eine Studie der Gothaer Versicherung.

Die Mittelschicht gilt als tragende Säule der Gesellschaft, die den Großteil der Bevölkerung in Deutschland stellt - und für Stabilität sorgt. Allen Krisenmeldungen und Burnout-Klagen zum Trotz scheint diese Mitte der deutschen Bevölkerung zufrieden mit der Gegenwart und optimistisch für die Zukunft zu sein. Zumindest mit ihrer persönlichen, materiellen lage, wie die zweite Mittelschichtstudie der Gothaer Versicherung zeigt, die heute vorgestellt wurde. Nach 2011 wurden im September 2013 nun zum zweiten Mal insgesamt 1.000 Personen nach einer genauen Definition der Mittelschicht (in die Bildungsstand, Beruf und Einkommen einfließen) ermittelt und befragt.

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Sehr optimistisch schätzt die Mittelschicht die eigene Zukunft ein. So sehen 85 Prozent der Befragten (2011:87) positiv in die eigene Zukunft, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 96 Prozent. Auch die eigene finanzielle Situation wird im Zweijahresvergleich sehr gut eingeschätzt. Nur 13 Prozent der Befragten sprechen von einer Verschlechterung der eigenen finanziellen Situation innerhalb der letzten zwei Jahre, 57 Prozent sehen sie unverändert und 29 Prozent spüren sogar eine Verbesserung, dies entspricht genau dem Niveau der letzten Befragung. Bei den über 60-Jährigen sehen hingegen nur 10 (unverändert) Prozent eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation, von einer Verschlechterung sprechen hier 18 Prozent (2011: 21) der Befragten aus dieser Altersgruppe.
Der Wunsch nach Kindern ist in der Mittelschicht deutlicher ausgeprägt als im Jahr 2011. Rund 87 Prozent (2011:78) der Studienteilnehmer beantworteten die Frage, ob sie einmal Kinder haben möchten, mit ja, wenn sie nicht bereits Kinder haben. Dieser Wunsch wird allerdings, wenn überhaupt, erst im fortgeschrittenen Alter realisiert. 68 Prozent aller Befragten haben eigene Kinder, bei den unter 30-Jährigen sind es gerade mal 8 Prozent.

Steuern und Abgaben Wie die Mittelschicht durch den Staat Plus macht

Angst vor dem sozialen Abstieg: Die Mittelschicht sieht sich oft als größten Verlierer der Eurokrise. Laut einer Studie geht es ihr prächtig: Sie bekommt sogar mehr Geld vom Staat, als sie einzahlt.

Experten haben Steuern und Sozialabgaben der Mittelschicht den Transferleistungen des Staates an sie gegenübergestellt. Das Ergebnis: Ein sattes Plus für rund 60 Prozent der Deutschen. Quelle: dpa

Eindeutig feststellbar ist die Tendenz, immaterielle Dinge und das Privatleben höher zu bewerten als materiellen Gewinn und beruflichen Erfolg. 97 Prozent finden es wichtig, viel Zeit mit dem Partner und der Familie zu verbringen, 86 Prozent wollen sich immer umweltbewusst verhalten. Einen hohen Lebensstandard zu haben, ist nur 45 Prozent der Mittelschichtmenschen wichtig.
Angst vor Pflegebedürftigkeit
Nach ihren Sorgen und Ängsten befragt, gaben wie 2011 rund 59 Prozent an, dass sie sehr große Angst davor haben, im Alter auf regelmäßige Pflege durch andere angewiesen zu sein. Besonders stark gestiegen (+7 Prozent) ist die Angst, dass die Rente im Alter nicht reichen könne, dies befürchten aktuell 54 Prozent der Befragten. Bei der privaten Vorsorge für das Alter sind Immobilienanlagen von Platz zwei auf Platz eins gerückt, gefolgt von Riester-Renten, die bei der letzten Befragung nach an erster Stelle standen,  sowie Sparbüchern oder Banksparplänen.

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Kein Optimismus für Deutschland

Der Zufriedenheit im Privaten steht allerdings eine weiterhin große Unzufriedenheit mit der ökonomischen und politischen Situation Deutschlands gegenüber. 22 Prozent der Befragten sehen den Zustand des politischen Systems beziehungsweise der Politiker als großes Problem. Die Einschätzung der Probleme deckt sich weitgehend mit derjenigen innerhalb der politischen Klasse: Trotz der weiter sinkenden Zahlen halten 24 Prozent der befragten Arbeitslosigkeit für ein großes Problem, die Euro-Krise nennen nur 19 Prozent. Die Brisanz der großen gesellschaftlichen Veränderungen scheint nur einer Minderheit Kopfzerbrechen zu machen: 4 Prozent sehen den demographischen Wandel, 10 Prozent den Zuzug und die Integration von Ausländern als großes Problem. "Soziale Probleme/Armut" bekümmern dagegen 18 Prozent.

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