Modell für Deutschland?: US-Firmen sollen Gehaltsvorsprung von Chefs offenlegen

Modell für Deutschland?: US-Firmen sollen Gehaltsvorsprung von Chefs offenlegen

In den USA sollen Unternehmen offenlegen, wie hoch die Bezahlung der Chefs im Vergleich zur Belegschaft ausfällt. Auch in Deutschland bricht das Tabuthema immer weiter auf.

Das neue Modell in den USA sieht die Einführung einer Vergütungskennziffer vor, der sogenannten "CEO pay ratio". Diese soll zeigen, um wie viel der Chief Executive Officer (CEO) mehr verdient als die Beschäftigten im Mittel. Von den Firmen wird verlangt, dass sie den Median des jährlichen Gesamtverdiensts ihrer Mitarbeiter bekanntmachen. Ferner sollen sie diesen dann ins Verhältnis setzen zum Einkommen des CEO. Das Ziel: Die Aktionäre sollen Verdienst und Leistung des Unternehmenschefs besser miteinander vergleichen können. "Die Veröffentlichung der Vergütungskennziffer kann eine wertvolle neue Perspektive liefern bei Entscheidungen über die Entlohnung", sagte der SEC-Kommissar Luis Aguilar.

Die Neuerung ist hochumstritten - auch innerhalb der SEC. Von den fünf Kommissaren stimmten die drei Demokraten dafür, die beiden Republikaner dagegen. Letztere sprechen von einer überflüssigen Vorgabe, die Investoren keinen Nutzen bringe. Ähnlich argumentieren Wirtschaftsverbände. Ihrer Darstellung nach ist es zudem kostspielig und sehr aufwendig, die Daten zur Vergütung aller Beschäftigten zu sammeln und auszuwerten. Gewerkschaften dagegen begrüßen die Pläne der Aufseher.

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Für Empörung sorgten in den USA die hohen Managergehälter in der Branche, die in der Finanzkrise mit Steuergeldern vor dem Kollaps gerettet wurde. Eine jüngst vorgelegte Untersuchung des Institute for Policy Studies kam zu dem Ergebnis, dass unter den 500 CEOs mit den höchsten Vergütungen 112 waren, deren Unternehmen zusammenbrachen oder Regierungshilfen erhielten.

Die Gehaltsdifferenzen nach Alter

  • 24 Jahre und jünger

    Die Verdienstunterschiede der jüngsten Gruppe ist gleich geblieben: 2006 wie auch 2010 verdienten Männer dieses Alters zwei Prozent mehr als ihre Kolleginnen.

  • 25 bis 34 Jahre

    Tendenz fallend: Verdienten Frauen dieses Alters 2006 zwölf Prozent weniger als ihre Kollegen, waren es 2010 elf Prozent.

  • 35 bis 44 Jahre

    Deutlich höher als bei jüngeren Mitarbeitern ist der Gehaltsunterschied in dieser Altersgruppe: 2006 wie auch 2010 verdienten Frauen 24 Prozent weniger als die Männer.

  • 45 bis 54 Jahre

    Ebenso hoch wie die nächst-jüngere Generation von Arbeitnehmern verdienen in dieser Altersgruppe Frauen deutlich weniger als Männer: 27 Prozent

  • 55 bis 64 Jahre

    In keiner Altersgruppe sind die Unterschiede so groß wie hier: Zwar ging der Prozentsatz leicht zurück, ist aber immer noch am höchsten. 2006 verdienten Frauen dieses Alters 30 Prozent weniger, 2010 waren es immer noch 28 Prozent - deutlich über dem Gesamtdurchschnitt.

  • 65 Jahr und älter

    In der Gruppe der ältesten Arbeitnehmer verdienten Frauen 2006 22 Prozent weniger als ihre Kollegen. Zwei Jahre später lag der Wert zwei Prozent niedriger bei 20 Prozent.

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Forderungen nach transparenten Managergehältern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt etwa Pläne der EU, zum Teil extrem hohe Bezüge in der Finanzwirtschaft zu begrenzen. Sie finde es zudem „sehr gut“, dass die EU nun einen Vorschlag erarbeite, wie nicht mehr allein die Aufsichtsräte, sondern auch die Aktionärshauptversammlungen die Spitzengehälter festlegen können. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will bis Jahresende einen Vorschlag nach dem Schweizer Modell erarbeiten.

Bundesrat stimmt über Gesetzesnovelle ab

Schon an diesem Freitag stimmt der Bundesrat über eine Novelle des Aktiengesetzes ab, wonach der Aufsichtsrat von börsennotierten Unternehmen künftig die Managergehälter jährlich von der Hauptversammlung genehmigen lassen muss. Diese Beteiligung der Aktionäre soll übermäßige Vorstandsbezüge verhindern. Das Gesetz war Ende Juni vom Bundestag verabschiedet worden. Der SPD reichen die neuen Regeln aber nicht aus. Sie setzt, wie das neue Modell aus den USA, auf eine Höchstgrenze für das Verhältnis zwischen der Vorstandsvergütung und dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen. Diese Grenze sei von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat zu beschließen.

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In der neuen RTL-Doku „Was verdienst du?“, die in dieser Woche gestartet ist, gehen die Unternehmen noch einen Schritt weiter. Jeder Mitarbeiter, vom Chef bis zum Lageristen, legt seine Gehaltsabrechnung offen - mit dem Ziel, mehr Fairness für die Mitarbeiter zu erreichen. So wird nicht nur das Verhältnis gegenüber dem Managergehalt sichtbar, sondern auch Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen sowie langjährigen und neuen Mitarbeitern in der gleichen Position. Alle befragten Angestellten fanden das Experiment gut, auch, wenn es für heftige Diskussionen in der Firma geführt hat. Und tatsächlich sind die Deutschen in Bezug aufs Geld lockerer geworden: Bei einer Online-Umfrage der Jobbörse "stellenanzeigen.de" Anfang 2013 mit mehr als 1.000 Befragten gaben immerhin 45 Prozent an, völlig offen über ihr Gehalt zu sprechen.

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