Mythen des Laufsports: Fünf Irrtümer über das Laufen

Mythen des Laufsports: Fünf Irrtümer über das Laufen

von Thorsten Firlus-Emmrich

Mit dem Frühling beginnen viele Menschen erstmals in ihrem Leben mit dem Laufen. Vor diesen Trugschlüssen sollten sich Anfänger in Acht nehmen.

Wenn die Krokusse und Narzissen sprießen, kommen die Läufer aus ihrem Winterlager. Jedes Jahr kommen hoffnungsvolle, motivierte Menschen dazu. Die haben sich vorgenommen, endlich mal etwas für die Gesundheit und gegen den Winterspeck zu tun. Rund um Ostern ist für viele Einsteiger der richtige Moment gekommen, um die Schuhe zu schnüren und sich auf den Weg zu machen.

Was messen die Gadgets?

  • Herzfrequenz

    Die Herzfrequenz, oder auch Puls, sagt viel über den Zustand des Körpers aus. Ein Ruhepuls, der früh am morgen sehr niedrig ist, wird meist als Hinweis auf eine gute Kondition genommen. Liegt diese unter 40 gehört der Mensch vermutlich zur Gruppe der sehr sportlichen Menschen. Einzelne Sportuhren messen aus der Herzfrequenz und der der Herzfrequenzvariabilität den Fitnesszustand. Dieser Test wird zum Beispiel im Ruhen ausgeführt. Wichtig ist, dass der Nutzer die eigene maximale Herzfrequenz kennt. Als Faustregel gilt 220 minus Alter. Das ist jedoch recht ungenau. Am leichtesten lässt sie sich mit einer Sportuhr bei einem Dauerlauf ermitteln. Dazu einen Dauerlauf von mindestens 30 Minuten, gerne länger, mit einem Sprint, wenn möglich sogar leicht bergauf abschließen.

  • Schlaf

    Der Mensch schläft in verschiedenen Phasen. Zu den wichtigsten zählen die Tiefschlafphasen. In denen bewegt sich der Mensch vergleichsweise wenig. Diesen Umstand nutzen die Activity Tracker. Ihr integrierter Sensor verzeichnet keine oder wenig Bewegung. Auch unruhiger Schlaf wird somit aufgezeichnet. Einzelne Modell geben an, zu wie viel Prozent der Schlaf erholsam war.

  • Schritte

    Der Körper bewegt sich mit jedem Schritt nach vorne - und nach oben und zur Seite. Die Activity Tracker sind mit Sensoren ausgestattet, die Bewegung in jede Richtung messen. 10.000 Schritte werden oft als erstrebenswerte Zahl pro Tag angesehen. Wer viel Fahrrad fährt, macht für einen Activity Tracker im Prinzip keinen Schritt und es zählt so viel wie Auto fahren. Deswegen ist es sinnvoll, einen Tracker zu nutzen, der es erlaubt, Sporteinheiten zu aufzuzeichnen.

  • Ernährung

    Neben der Frage, wie viel Kalorien der Nutzer verliert, ist für den Wunsch nach Gewichtsverlust entscheidend, wie viel er zu sich nimmt. So verbrauchen viele Sportarten weit weniger Kalorien als man sich erhofft. 1 Stunde Laufen sind unter Umständen rund 700 Kalorien - das ist gerade mal etwas mehr als eine Tafel Schokolade mit sich bringt. Wer ein Kalorientagebuch führen möchte, kommt leider nicht drum herum, dies in einer App im Smartphone einzutragen. Ein System, das erkennt, was man isst, ist bei den hier vor gestellten Modellen nicht dabei.

  • Trinken

    Was für die Ernährung gilt, gilt auch für den Wasserhaushalt. Apps wie Lifesum für Apples iOS erlauben es, die Zahl der getrunkenen Gläser Wasser einzugeben. Ein Gerät, dass dies von allein erkennt, gibt es leider nicht.

Hier sind einige Hinweise, damit der Schwung der Spaß an der Bewegung länger als bis Pfingsten reicht - und die Warnung vor Trugschlüssen.

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Laufen hilft beim Abnehmen

Es gibt kaum einen fatalere Annahme als das Laufen beim schnellen Abnehmen hilft. Wer sich in eng anliegende Funktionswäsche zwängt, damit diese irgendwann eine Nummer kleiner ausfallen darf, befindet sich auf dem besten Wege in eine Sackgasse der Motivation. Die Zahl der Kalorien, die bei moderaten Belastungen innerhalb einer Stunde verbraucht wird, ist bei weitem nicht so hoch, wie man sich das vielleicht erhofft. Die häufig zu lesenden Geschichten von Menschen, die dank Sport ihr Gewicht deutlich reduziert haben, erwähnen leider oft nicht deutlich genug, dass meist die Ernährung umgestellt wurde.

Wer in einer Stunde Laufen zwischen 600 bis 800 Kalorien verbrennt, sollte sich im Klaren sein, dass die rasch wieder angefuttert sind. Eine Kugel Eis, ein Riegel Schokolade, eine Schale Chips mehr – und der Effekt ist kaum noch vorhanden. Zwei bis drei Mal die Woche für eine Stunde Joggen tut gut, macht Spaß, befreit den Kopf. Schlank macht es alleine nicht.

Laufen ist Beinarbeit

Die Waden, die Fußmuskeln, die Oberschenkel – das sind die Muskelgruppen, die jeder im Kopf hat, wenn er ans Laufen denkt. Und damit nimmt das Desaster oft seinen Anfang. Die untere Rückenmuskulatur ist es, die dem Körper die entscheidende Spannung verleiht, die trainiert und gepflegt werden muss.

Fitness-Tracker Gadgets bestimmen das perfekte Training

Fitter, schlanker, gesünder: Neue Fitness-Tracker perfektionieren die Vermessbarkeit des Menschen – sie geben jetzt auch konkrete Verhaltenstipps. So trainieren Sie effektiver und gesünder.

Fitnesstracker perfektionieren die Vermessbarkeit des Menschen. Quelle: Pressebild, Montage

Haltung! Spannung! Kontrolle! Der ganze Körper ist gefragt. Diese Spannung lässt nach, je erschöpfter der Mensch ist. Dann wird aus dem federnden Läufer, der plumpsende Sack, der sich mit jedem Schritt in die Schuhe fallen lässt.

Laufen braucht Training

Erinnern Sie sich, wie Sie als Kind rumgehüpft sind, umhergesprungen, ohne einen Gedanken an ihren Bewegungsablauf zu verschwenden? Der Mensch, auch wenn es immer öfter in Vergessenheit gerät, ist als Läufer zu dem geworden, was er ist. Unser Bewegungsapparat ist dafür wie gemacht, viel besser als für das Sitzen auf dem Bürostuhl. Wir müssen ihn nur wie oben beschrieben nutzen.

Und wenn Laufen noch über eine gewisse Zeit zu anstrengend ist, dann geht man. Das ist kein Eingeständnis eigener Schwäche, sondern Vernunft. Diese Gehpausen werden Sie von ganz allein immer seltener benötigen, ohne sich den Kopf über Intervalle, Tempodauerläufe und zyklisches Training zu machen. Ein glückliches Läuferleben ohne die Vorgabe eines Trainingsplans ist möglich.

Laufen in der Gruppe ist besser

Kaum ein Läufer, der nicht von dem Gemeinschaftserlebnis schwärmt. Kaum ein Dorf, das nicht einen Lauftreff hat. So scharen sie sich umeinander, die Menschen, sich gegenseitig ob der tollen Beschäftigung bestätigend. Wer nun partout leichter motiviert ist, wenn er sich verpflichtet fühlt, zu einem gewissen Zeitpunkt an einer gewissen Stelle zu sein – bitte.

Fitnesstracker machen Angst "Eichen Sie Ihren Körper"

Trendthema beim Mobile World Congress: Fitnessarmbänder der neuesten Generation erfassen immer mehr Daten - und sollen das Sporttreiben verbessern. Nur nicht nervös machen lassen, rät der Wissenschaftler Ingo Froböse.

Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln ist bei allen Themen rund um Sport und Fitness am Start Quelle: PR

Aber in der Gruppe zu laufen hat auch seine Tücken: Die Versuchung zu reden – und damit seine Atmung außer Takt zu bringen. Ein Tempo zu laufen, das einem an diesem Tag nicht liegt. Zu schnell zu sein oder auch zu langsam.

Vor allem kann das Laufen für Menschen, die im Beruf viel mit anderen Menschen Kontakt haben, eine Entspannung sein. Allein mit sich und seinen Beobachtungen lösen sich so manche Probleme, bekommen Dinge eine andere Sichtweise. Anders als beim Radfahren und beim Mannschaftssport kann sich der Kopf beim Laufen ausklinken.

Laufen ist gesund

Wenn gesund bedeutet, frei von Beschwerden zu sein – dann ist Laufen vielleicht zu Beginn nicht ganz so optimal. Haben die Zehen nicht genug Freiraum, drohen schmerzhafte Blasen. Übertreibt man es mit dem Elan, zieht es vielleicht im Knie, verhärten sich die Muskeln. Phantomschmerzen vor Wettbewerben sind für ambitionierte Hobbyläufer ein bekanntes Phänomen. Nach zu viel Trainingseinheiten landen nicht wenige Hobbysportler beim Orthopäden, den sie sonst nie aufgesucht hätten.

Davon ab: Super! Frische Luft! Sonneneinstrahlung! Eine moderate Belastung, wenn man nicht sofort vom Sieg des örtlichen Stadtlaufs träumt! Es macht Spaß im Regen, bei Kälte auch bei Wind. Das unterscheidet Laufen dramatisch vom Radfahren.

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4 Kommentare zu Mythen des Laufsports: Fünf Irrtümer über das Laufen

  • In der Schule haben wir gelernt, dass es einen Text lebendig macht, wenn er möglichst viele verschiedene Substantive aufweist, die durch ebenso viele verschiedene Attribute ergänzt werden.
    Deshalb hätte mein Deutschlehrer mir diesen Text, reichlich verziert mit roten Ornamenten und einem mitleidigen Kopfschütteln, zurück gegeben.
    "Nichts für Ungut, Marcel", hätte er gequält lächelnd gesagt, "mir fallen aus dem Stegreif fünf verschiedene Synonyme für "Mensch" ein, das dürftest du auch schaffen."
    Kann natürlich sein, dass zwischenzeitlich von mir unbemerkt ein Paradigmenwechsel in der Kunst des Schreibens statt gefunden hat, also weg von der Spannung, hin zu möglichst tief gehender Weichspülung und political correctness.
    Aber dieses Wort stößt mir beim Lesen so ekelhaft auf, wie die unvermeidlichen, schlabbrigen Morcheln in den billigen China-Restaurants, so dass ich auf kurz über lang auf englisch,- oder französischsprachige Pubblikationen umsteigen werde.
    Dieser weitere Schritt weg von meiner geliebten deutschen Presse wird mir zusätzlich erleichtert dadurch, dass sich zu dem Dummwort "Menschen" neuerdings immer häufiger die Wörtchen "offenbar", "wohl" und "soll" gesellen, die dem geneigten Leser signalisieren, dass er sich an dem ästhetischen Mangel des Textes nicht lange aufzuhalten braucht, weil das Geschriebene sowieso nichts als bloße Vermutung, Spekulation, Gerücht ist, das er nur ja nicht für bare Münze nehmen soll.

  • Marcel, wenn Sie so schnell laufen, wie Sie schön schreiben, dann auf zum nächsten Stadtlauf - Ihr Platz ist ganz oben auf dem Podest!

  • Danke, Thorsten, das schmeichelt mir sehr. Leider hats mit den ersten Frühjahrsläufen nicht so rekordverdächtig geklappt, weswegen ich ihren Text auch nach dem dritten oder vierten Menschen noch weiter gelesen habe,
    um Abhilfe zu schaffen.
    Ich hoffe, Ihnen mit dem Vermächtnis meines Deutschlehrers nicht zu nahe getreten zu sein!

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