Nachruf auf Muhammad Ali: Ein großer Boxer, ein großer Mensch

Nachruf auf Muhammad Ali: Ein großer Boxer, ein großer Mensch

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Ein Bild von Muhammad Ali, Blumen und Boxhandschuhe liegen an einer Gedenkstätte für den verstorbenen Boxer.

Er wurde nur 74 Jahre alt. Ein Boxer, der den Boxsport geprägt und verändert hat wie kaum ein anderer: Muhammad Ali alias Cassius Clay. Für mich ist er mehr als das: Ein Kindheitsheld, ein Idol. Ein sehr persönlicher Nachruf.

Sie lesen Muhammad Ali und sofort kommt Ihnen etwas in den Sinn. Sie kennen diesen Mann. Sie kennen ihn als den besten Boxer aller Zeiten – als Kämpfer für die Gerechtigkeit, für den „kleinen Mann", für die Glaubensfreiheit, für die Kultivierung der großen Klappe und als Ästheten eines harten Sports.

Ich behaupte, jeder erwachsene Mensch auf dieser Welt kann etwas über diesen Mann erzählen, weil er von ihm gehört hat, ihn im Fernsehen oder auf Bildern gesehen hat. Gibt man seinen Namen bei Google ein, finden sich mehr als 47 Millionen Einträge. In jeder Ecke der Welt haben sich Menschen von ihm inspirieren lassen. Gar jene, die selbst als großartige Menschen anerkannt sind.

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Nelson Mandela sagt: „Muhammad Ali ist mein Held. Muhammad Ali hat viele junge schwarze Menschen auf der ganzen Welt dazu gebracht, Erfolg danach zu betrachten, ob es einem gelingt, die Unfairness des Lebens herauszufordern. Ich danke Muhammad Ali für die Kraft seiner Taten. Ich danke ihm für den Mut, den er mir gegeben hat.“ Die Worte Mandelas zeigen, wie nachhaltig sein Leben wirkt. 27 Jahre Haft konnten Mandela nicht brechen. Ali hat, nach Mandelas eigenen Worten, einen bedeutenden Anteil an Mandelas Willen, sich nicht brechen zu lassen.

Zur Person

  • Rüdiger May

    May, Jahrgang 1974, bestritt mit zehn Jahren seinen ersten Box-Kampf, mit 19 wurde er Profi-Boxer. Er gewann 1999 die Deutsche Meisterschaft im Cruisergewicht, die er mehrfach verteidigte. 2001 holte er den EU-Titel. Als Nummer eins der WBO-Weltrangliste kämpfte er 2004 um die Weltmeisterschaft. 2006 verließ er den Ring und arbeitet seitdem als Trainer in Köln.

Muhammad Ali – auch in der DDR ein Held

Ali beeindruckt Menschen jeder ethnischen Zugehörigkeit, aller Gesellschaftsschichten und aller Altersklassen. Und das schon seit sehr langer Zeit! Ich bin 1974 in der DDR geboren. Seit meinem sechsten Lebensjahr sind meine Helden Boxer. Die Helden meiner Kindheit waren René Suetovius, René Ryl, Siegfried Mehnert, Uli Kaden, Henry Maske (alle erfolgreiche Amateurboxer in der DDR; bis auf Henry Maske werden Ihnen diese Namen wohl kein Begriff sein) - und Muhammad Ali.

Ali sticht heraus. Er ist der einzige Berufsboxer meiner Kindertage. Seinen Namen durfte man öffentlich nennen. Ihm durfte man auch im Sozialismus nacheifern. Seine Biographie war in den staatlichen Buchhandlungen erhältlich. Es war das erste Buch, das ich von der ersten bis zur letzten Seite gelesen habe. Wenn ich mir heimlich „Rocky“ im Fernsehen ansah, durfte ich am nächsten Tag in der Schule nicht darüber reden. Redete ich aber über die fabelhafte Beweglichkeit der Beine von Muhammad Ali, dann lauschte auch meine Staatsbügerkundelehrerin gebannt meinen Ausführungen - ohne mich darauf hinzuweisen, dass man Sport nicht aus Profitgier betreiben darf.

Der Weltmeistertitel im Schwergewicht ist nicht nur ein Ehrentitel, er ist ein Amt. Es heißt nicht umsonst bei der Ankündigung des Kampfes, dass der amtierende Weltmeister die Arena betritt. Er vertritt die Hoffnungen vieler Menschen. Seit Muhammad Ali hat niemand mehr dieses Amt so umfassend ausgefüllt wie er.

Angst und Furcht gehören zum Sieg

Einer seiner wichtigsten Schritte zum nachhaltigen Champion war sein Bekenntnis zur Angst. Auf die Frage, ob er Angst vor einem Gegner hätte, antwortete er: „Sonny Liston. Er schlägt hart.“ Und wie er denn seine Angst besiegt hätte? “Gar nicht. Du musst Furcht haben. Mit Furcht kämpfst Du besser. Furcht ist eine gute Sache – manchmal.“ Er zeigt damit, dass die Furcht zum Sieg gehört. Denn sie ist Antrieb und Absicherung. Man darf sich jedoch nicht von ihr lähmen lassen. Ich bin mir sicher, Mandela hatte auch Angst. Doch er hat sich von ihr nicht einschüchtern lassen. Er hat sie genutzt, um wachsam zu sein, denn so konnte man sie nicht mehr als Waffe gegen ihn verwenden. In einem Boxkampf ist die Angst ein ständiger Begleiter.

Wer sie leugnet, lügt oder hat psychische Probleme. Man spürt sie nicht permanent. Sie kommt in Schüben. Und wenn man beginnt, sich vor der Angst zu fürchten, dann ist man verloren. Wenn man sie aber annimmt und sich von ihr helfen lässt, seine Sinne zu schärfen, dann steigen die Chancen um ein Vielfaches. Man darf nicht hoffen, dass diese Angst im nächsten Kampf nicht wiederkehrt! Selbst wenn sie für einen Kampf ausbleibt – sie lauert immer in der Ecke – und dann beginnt die Arbeit mit ihr von neuem. Wenn der größte Boxer aller Zeiten seine Angst öffentlich eingestehen kann, gibt er den Schwachen dieser Welt nachhaltig Mut.

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