Nebengeschäfte: Womit sich deutsche Konzerne etwas dazu verdienen

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Nebengeschäfte: Womit sich deutsche Konzerne etwas dazu verdienen

von Katharina Matheis

BASF verdient sein Geld mit Chemikalien – gehört aber auch zu den zehn größten Weinhändlern Deutschlands. Still und unauffällig floriert in manchem Milliardenkonzern ein Nebenerwerb, etwa mit Wein, Gastronomie oder Kunst.

Für die Schatzkammer drei Stockwerke unter der Erde braucht der Chef einen eigenen Schlüssel. „Höchste Sicherheitsstufe“, sagt Bernhard Wolff, lacht und schiebt die Tür auf. Kühle Luft dringt nach außen. Optimale Lagerbedingungen. Wolff geht an ein Regal und zieht eine Flasche aus einer Holzkiste – ein Bordeaux-Rotwein aus dem Jahr 1958, mehrere Hundert Euro wert. Nur eine von etwa einer Million Flaschen, die in diesem unterirdischen Weinkeller lagern.

Das Labyrinth aus Paletten erstreckt sich über mehrere Ebenen. Ein Stockwerk Deutschland, dann Frankreich, Spanien, USA, Australien: Weine aus der ganzen Welt werden hier zwischengelagert. Von solchen Bunkern gibt es nur eine Handvoll in Deutschland. Doch dieser Keller gehört keinem Weinhändler oder Weingut – sondern BASF.

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Das Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Chemikalien: Pflanzenschutzmittel, Lacke oder Weichmacher. Mit insgesamt 70 Milliarden Jahresumsatz ist BASF inzwischen der größte Chemiekonzern der Welt. Doch was kaum jemand weiß: Er gehört auch zu den zehn größten Weinhändlern Deutschlands. Mehr als 7,5 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen mit dem Handel internationaler Weine.

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In der Branche ist BASF damit ein Schwergewicht, im Konzernabschluss ist der hauseigene Flaschenhandel hingegen nur eine kleine Randnotiz wert. Trotzdem ist der Geschäftszweig für BASF mehr als ein nettes Nebengeschäft. „Der Weinkeller ist unsere emotionale Visitenkarte“, sagt Wolff. Dazu gehört der Kellerchef selbst: Mit seinem gestärkten Hemd, dem dunklen Anzug und der Fliege würde er viel besser in ein Sternerestaurant passen als in einen Chemiekonzern. Einzig der kleine grüne Anstecker an seinem Revers identifiziert ihn als BASF-Angestellten: „We create chemistry“, steht darauf.

Während sich Wolffs Kollegen an das Firmenmotto halten und auf dem überirdischen Gelände beispielsweise an neuen chemischen Pflanzenschutzmitteln tüfteln, verkauft er sogar Weine, deren Winzer chemische Produkte aus Überzeugung ablehnen. Bioweine gehören heute eben zu jedem gut ausgestatteten Weinregal, Ärger habe das bislang nicht gegeben. „Wir messen uns am Markt“, sagt Wolff, „schließlich sind wir mehr als ein Spielzeug des Vorstands.“

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Also muss mehr als Spaß am Wein dahinterstecken. Vor allem in Zeiten, in denen Unternehmensberater zur Fokussierung auf das Kerngeschäft raten und Controller auf Effizienz pochen. Da kann sich eigentlich kein Vorstand eines börsennotierten Unternehmens erlauben, Zeit, Geld und Ansehen mit Sperenzchen zu riskieren. Uneigentlich pflegen manche Konzerne trotzdem eine nette Nebentätigkeit, wie einen geliebten, aber etwas versteckten Garten.

Mal ist das Seitengewerbe naheliegend, mal etwas spleenig. Porsche gibt es nicht nur auf vier Rädern, sondern auch als Uhr am Handgelenk. ProSiebenSat.1 hat eine eigene Fitness- und Wellnesssparte namens 7NXT Health, die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs beliefert Hunderte von Fluglinien mit Essen, die Schörghuber Unternehmensgruppe (Paulaner, Kulmbacher) betreibt eine Farm für Zuchtlachse in Chile. Doch im Falle von BASF ist daraus ungewollt ein lukratives Geschäftsfeld geworden.

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